Unabhängige Uhren | Nachwort

Schlussakkord

Preis und Produkt brauchen bei Armbanduhren wieder ein logisch nachvollziehbares Verhältnis, meint Gisbert L. Brunner.

11. Mai 2026 Gisbert L. Brunner
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Über viele Jahre, ja Jahrzehnte hinweg hat die Uhrenindustrie ihre kontinuierlich wachsende internationale Klientel erzogen: Geschichte, Handwerk, Seltenheit, Prestige und auch eine gehörige Portion Glamour zogen ein beachtliches Preisniveau nach sich. Und das funktionierte erstaunlich gut. In Zeiten billigen Geldes, der Coronakrise ohne Urlaubsreisen und Restaurantbesuche, teilweise extrem langer Wartelisten und dazu ausufernder Sekundärmarktpreise schien beinahe jede Erhöhung durchsetzbar. Doch zum Wesen jener Zeit, welche Uhren naturgemäß messen, gehört der Wandel wie das Salz zu den Ozeanen unserer Welt. Wenn geopolitische Verwerfungen, Kriege und Wirtschaftsschwäche die Märkte erschüttern, wenn Fachhändler volle(re) Vitrinen beklagen, mutiert Preismacht irgendwann zu Preisdruck.

Viele Anhebungen speziell bei Produkten traditionell führender eidgenössischer Provenienz lassen sich erklären durch höhere Löhne, teurere Energie, strengere Regulierung, Investitionen in Manufakturen, Service, Boutiquen und Markenwelten sowie auch den anhaltend starken Schweizer Franken. Gleichwohl sind nicht alle Momente der in den zurückliegenden Jahren beobachtbaren Preisspirale rational begründbar. Streckenweise schien es eher wie die Fortsetzung des Booms mit anderen Mitteln. Was 2021 inmitten der Coronakrise da und dort als Ausdruck begehrter Knappheit wirkte, mutet aktuell wie Selbstüberschätzung an. Finanziell potente Kundschaft ist nicht verschwunden, aber sie rechnet wieder. Und das insbesondere bei nicht lebensnotwendigen Objekten, zu denen feine Armbanduhren zweifellos gehören.

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