Goldschmied und YouTuber Pablo Cimadevila im Interview

„Handwerklich zu arbeiten, bringt inneren Frieden.“

Der spanische Goldschmied und YouTube-Star Pablo Cimadevila hat viereinhalb Millionen Social-Media-Follower. Die Online-Plattform nutzt der Olympiasieger im Schwimmen bei den Paralympics, um sein ursprüngliches Handwerk zu vermitteln. Mit enormem Erfolg. Während der Inhorgenta trafen wir den „Botschafter der Kreativität“ und sprachen mit ihm über den Wert handwerklicher Arbeit.

03. März 2026 Christel Trimborn
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Mit welcher Idee bist du zur Inhorgenta gekommen?

Erstens liebe ich es, Schmuckmessen auf der ganzen Welt zu besuchen – Hongkong, Vicenza und natürlich auch die Inhorgenta in München. Und zweitens: Dieses Jahr ist etwas ganz Besonderes, weil die Messe erstmals das Thema Kunsthandwerk/Craftsmanship zum absoluten Highlight ernannt hat. Ich bin Goldschmied und Schmuckkünstler – also sollte ich hier sein, um unser Handwerk zu vertreten.

Und auf welche Weise tust du das?

Zum Beispiel indem ich mit dir spreche (lacht). Und indem ich die faszinierende Welt des Handwerks repräsentiere. Mit meiner Arbeit und meinem Einsatz möchte ich den Menschen einen speziellen Wert vermitteln – den der handwerklichen Arbeit, die in jedem Schmuckstück steckt. Viele Menschen sind daran interessiert, zu erfahren, wie Schmuck hergestellt wird.

Deine YouTube-Videos sind das beste Beispiel dafür, wie riesengroß das Interesse an deinem Handwerk ist. Erzähl doch mal …

Tatsächlich habe ich viereinhalb Millionen Abonnenten, die meinem YouTube-Kanal folgen sowie weitere auf Instagram. Das Verrückte ist, dass ich dort kaum spreche, beinahe nichts erkläre. Ich zeige einfach meine Arbeit – den gesamten Prozess der Schmuckherstellung vom Rohmaterial bis zum fertigen Stück. Und ich habe über vier Millionen Menschen, die genau das lieben.

Was denkst du: Macht das Wissen über den handwerklichen Arbeitsprozess ein Schmuckstück wertvoller? Oder ist es doch der Materialwert, der am schwersten wiegt?

Das Material ist eigentlich das Unwichtigste. Denn der Materialwert hängt oftmals vom Markt ab. Mal ist Gold hoch im Preis, dann Platin oder Silber. Das Entscheidende ist immer das Handwerk. Wir Goldschmiede schaffen Emotionen, damit Menschen sich an besondere Momente in ihrem Leben erinnern können: Eheringe, Verlobungsringe, Schmuck, der zum Abschluss des Studiums verschenkt wird und so weiter. Insofern finde ich es besonders wichtig, dass die Menschen wissen, wie schwierig und zeitaufwendig, aber auch wie erfüllend und freudvoll es ist, ihre besonderen Emotionen für sie in Schmuckstücke zu verwandeln.

Bist du auf eine bestimmte Tätigkeit spezialisiert oder eher ein Allrounder?

Es gibt Spezialisten wie Edelsteinfasser oder -schleifer, Gold- und Silberschmiede. Ich mache ausgehend vom Rohmaterial im Grunde fast alles. Beim Entwurf bevorzuge ich es, das Schmuckstück aus Wachs von Hand zu modellieren und dann zu gießen. Und ich liebe es, direkt mit dem Hammer das Metall zu bearbeiten – ganz klassisch, im ursprünglichen Stil. Am Ende kommt das Fassen der Steine, mit Mikroskop und pneumatischem Graviergerät und all diesen wunderbaren Werkzeugen. Ich decke also den gesamten Prozess ab.

„Ich zeige einfach meine Arbeit – den gesamten Prozess der Schmuckherstellung vom Rohmaterial bis zum fertigen Stück. Und ich habe über vier Millionen Menschen, die genau das lieben.“
Pablo Cimadevila, Goldschmied und YouTube-Star
Mich interessiert dein Werdegang: Wie bist du Goldschmied geworden?

Wie du sehen kannst, sitze ich im Rollstuhl. Als ich vier Jahre alt war, wurde ich von einem Auto angefahren und habe mir schon als kleines Kind meine eigene Fantasiewelt erschaffen. Ich glaube, ich habe eine besondere Kreativität entwickelt, um mich ein Stück weit zurückzuziehen und in dieser schwierigen Zeit glücklich zu sein. Ich habe viel mit Ton gearbeitet und ich liebte es zu malen. Mit 18 habe ich dann begonnen, professionell Schmuck an einer Fachschule zu studieren.

Das ist eine traurige Geschichte. Aber andererseits hast du etwas gefunden, was du wirklich liebst und kannst Werte erschaffen, die bleiben.

Mir ist es wichtig, dass wir uns gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung mehr denn je daran erinnern, dass wir Menschen sind. Und daran, was uns als Menschen ausmacht: der Wunsch und Drang, etwas Kreatives zu erschaffen. Nicht nur Schmuck – wir wollen auch malen, nähen, kochen, irgendetwas gestalten. Wir sind nicht dazu gemacht, nur zu konsumieren, was der Markt bietet. Handwerklich zu arbeiten bringt Frieden mit uns selbst. Es erinnert uns daran, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen.

Also sollten wir alle mehr mit den Händen arbeiten?

Unbedingt! Durch Social Media und all die Informationen, die unser Gehirn ständig verarbeiten muss, sind wir permanent dopaminüberstimuliert. Versteh mich nicht falsch: Computer sind großartig. Aber wir dürfen nicht vergessen, unsere Hände zu benutzen.
Das ist es, was uns von anderen Lebewesen unterscheidet. Wir Menschen erschaffen Kunst – das Einzige, das keinen praktischen Nutzen hat – wir machen es einfach, weil wir es möchten.

Ein perfektes Schlusswort. Vielen Dank für das inspirierende Gespräch, Pablo.

Sehr gerne!

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