Patek Philippe

Eine ganz und gar fabelhafte Uhr

Mit der Referenz 5249R-001 präsentiert Patek Philippe eine Armbanduhr, die auf Knopfdruck die Fabel von Rabe und Fuchs in einer uhrmacherischen Miniaturinszenierung aufführt.

15. Apr. 2026 Mathias Menzel
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Die Geschichte dieser Armbanduhr, die zugleich Pateks erste Armbanduhr der Gegenwart mit Automat ist, beginnt 1958 in der Werkstatt des Genfer Uhrmachermeisters Louis Cottier. Er gilt als eine der faszinierendsten Figuren der Uhrmachergeschichte des 20. Jahrhunderts. Cottier, geboren 1894, hatte 1931 den Mechanismus zur simultanen Anzeige aller 24 Weltzeitonen erfunden und zwischen 1937 und 1965 rund 380 dieser Weltzeit-Module an Patek Philippe geliefert – Grundlage einiger der begehrtesten Armbanduhren der Geschichte. Doch Cottier war auch fasziniert von Automaten und außergewöhnlichen Anzeigemechanismen – retrograden Zeigern, springenden Stunden, animierten Figuren.

Aus dieser Faszination heraus schuf er eine Taschenuhr aus Gelbgold (Ref. 784, 52 mm), in der ein Fuchs und ein Rabe in polychromem Gold und Platin – inmitten von graviertem Laubwerk – die Uhrzeit nicht nur zeigen, sondern aufführen. Das Kaliber 17-170, ein von Cottier modifizierter Prototyp, hat die Produktion indes nie verlassen: Die Uhr wurde nie verkauft, nie in Serie hergestellt, sondern sie gelangte direkt ins Patek-Philippe-Museum. Dort blieb sie jahrzehntelang als stilles Zeugnis dessen, was möglich gewesen wäre.

Jetzt, 68 Jahre später, kehrt die Idee als Armbanduhr zurück.

Der Ausgangsstoff, die Fabel vom Fuchs und Raben, ist alt und weltbekannt, sie wird dem griechischen Dichter Äsop zugeschrieben, der um 600 vor Christus lebte. Jean de La Fontaine, der große französische Fabeldichter des 17. Jahrhunderts, schuf eine poetische Fassung. In „Le corbeau et le renard“ (Buch I, Fabel 2, 1668) erzählt er von einem Raben, der auf einem Ast sitzt und einen Käse im Schnabel hält. Ein Fuchs auf dem Boden schmeichelt ihm: Wie hübsch er sei, ob er wohl auch so schön singe, wie er aussehe? Der Rabe, eitel und leichtgläubig, öffnet den Schnabel – der Käse fällt, der Fuchs schnappt ihn sich. Die Moral: „Jeder Schmeichler lebt auf Kosten dessen, der ihm zuhört.“

Dass Patek Philippe ausgerechnet diese Fabel für eine Uhr gewählt hat, ist kein Zufall. Dem ehemaligen Präsidenten Philippe Stern war sie ein persönliches Credo: „Diese Fabel ist eine vielsagende Anspielung dahingehend, als dass es nicht unser Ziel sein soll, unseren Kunden zu schmeicheln. Wir sind fest davon überzeugt, ihnen eine Reihe beständiger, zeitloser und innerer Werte zu bieten.“ Die wenigsten haben die Möglichkeit, aus der Unternehmensphilosophie eine faszinierende Uhr zu machen. Patek kann selbst das.

Eine Miniaturtheaterbühne in 10 Appliken

Das Zifferblatt der nun vorgestellten Ref. 5249R-001 ist ein 18-Karat-Gelbgoldblatt mit opalen, bräunlichem „Matara“-Farbton – warm, tief, fast wie Lederbraun – und trägt nicht weniger als 10 handgravierte Appliken aus Gelb- oder Roségold. Jede einzelne ist an ihren dünnsten Stellen nur 0,2 Millimeter stark; die Gesamtdicke des Zifferblatts beträgt lediglich 2,5 Millimeter. Das Gravieren aller Appliken einer einzigen Uhr benötigt mindestens 150 Stunden sorgfältiger Handarbeit.

Mehrere Appliken erfüllen nicht nur dekorative, sondern mechanische Funktionen: Der Kopf und die Pfote des Fuchses sind bewegliche Zeigerelemente. Das stellt den Graveur vor eine besondere Herausforderung: Der auf die Appliken ausgeübte Druck muss so fein dosiert werden, dass sich ihre Form nicht im Geringsten verändert – geringste Verformungen würden den Mechanismus blockieren. Die Montage ist entsprechend komplex: Vier Appliken (der Fuchs mit Schwanz sowie der Rabe) können erst nach dem Einsetzen des Minutenzeigers befestigt werden – über ein patentiertes Clip-System, das die Elemente von der Seite durch Drehbewegung in ihre Aussparungen einführt, ohne das Zifferblatt dicker zu machen.

Der Mechanismus: wie die Fabel die Uhrzeit erzählt

Das Ablesen der Uhrzeit ist indes kein separater Akt neben dem Schauspiel – es ist das Schauspiel selbst. Ein Drücker bei 2 Uhr setzt die Sequenz in Gang, die bewusst dramaturgisch aufgebaut ist: zunächst die Stunden, dann die Minuten.

Stunden: Der schelmische Fuchs schmeichelt dem Raben. Seine Pfote zeigt retrograd die Stunden von 0 bis 6 Uhr; seine Schnauze übernimmt die Stunden von 7 bis 11:59 Uhr. Hält man den Drücker weiter gedrückt, öffnet der Rabe den Schnabel.

Minuten: Ein Titanzeiger mit einem handgravierten, vergoldeten Käsestück an seiner Spitze fällt retrograd aus dem Schnabel des Raben und zeigt auf einer Skala von 0 bis 60 die Minuten. Titan wurde für diesen Zeiger gewählt, weil er beim schnellen retrograden Rücklauf nach dem Ablesen der Minuten keine Verformung erleiden darf – Leichtigkeit und Steifigkeit in einem.

Loslassen des Drückers: Beide retrograden Zeiger kehren sofort in ihre Ausgangsposition zurück – Fuchs und Rabe stehen wieder still. Das einzige permanent bewegliche Element des Zifferblatts ist ein dekorativer vierzackiger Sekunden-Stern aus Weißgold bei 6 Uhr, besetzt mit einem Diamanten in der Mitte – sein Rotieren zeigt dem Träger jederzeit diskret, dass das Werk läuft.

Die Abfolge der Anzeige verlangt präzises mechanisches Timing: Eine große Wippe – in Gang gesetzt durch den Drücker – tastet erst die Stunden ab und löst dann, und nur dann, den Minutenmechanismus aus. Die Form dieser Wippe ist so ausgefeilt, dass der Träger beim Betätigen des Drückers eine angenehme, sanfte und präzise Rückmeldung spürt.

Ein Werk in zwei Schichten

Die fabelhafte Aufführung wird vom neuen Kaliber 31-260 PS HMD AU gesteuert, es besteht aus zwei Ebenen. Die Basis ist das extraflache Automatikwerk 31-260 PS – Stammuhrwerk der ultradünnen Patek-Automatikfamilie, ausgestattet mit dem dezentrierten Mini-Rotor aus Platin als Schwungmasse, das bei dieser Werkfamilie charakteristisch ist und den Sichtboden für den Beschauer freilässt.

Auf dieses Basiswerk ist der Automat-Mechanismus mit retrograder Stunden- und Minutenanzeige aufgesetzt. Die retrograden Anzeigen arbeiten mit schneckenförmigen Nocken, weshalb die Uhrzeit durch Drehen der Krone im Gegenuhrzeigersinn eingestellt werden muss – ein patentiertes Kupplungssystem schützt den Mechanismus vor Beschädigungen.

Das 43-mm-Gehäuse aus 18-Karat-Roségold folgt dem klassischen Patek-Philippe-„Officier“-Stil: ein gerader, schlanker Lug-Abgang, eine Louis-XV-Krone – edel und diskret –, und als besonderes Merkmal ein Saphirglasboden unter einem Scharnierdeckel, der sich per Fingernagel öffnen lässt. Wer den Deckel aufklappt, blickt auf die sorgfältig finissierte Architektur des Automaten-Mechanismus. Die Gesamtdicke beträgt 12,62 mm.

Das braune Alligatorlederarmband mit patentierter Dreiklingen-Faltschließe aus Roségold rundet das Bild ab – schokobraun, Ton-in-Ton genäht, perfekt auf den Matara-Farbton des Zifferblatts abgestimmt.

320.000 Schweizer Franken ist der zugegeben stolze Preis für diese Uhr – und sie ist, ungewöhnlich für ein Objekt dieser Komplexität, Teil der ständigen Kollektion von Patek. Die jährliche Produktion ist aufgrund des handwerklichen Aufwands naturgemäß gering. Wer sie kaufen möchte, muss warten.

Wer aber das Glück hat, sie zu bekommen, trägt letztlich eine ganz und gar fabelhafte Uhr am Handgelenk.

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