L’Épée 1839

Diese Uhr ist echt abgefahren

Der „Belly Tank Racer“ von L’Épée 1839 ist eine mechanische Tischuhr in Form eines der faszinierendsten Fahrzeuge der Automobilgeschichte.

16. Apr. 2026 Mathias Menzel
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Auf amerikanischen Salzseen bestritten die aus „Belly Tanks” gebauten Fahrzeuge einst Rennen.

Es gibt Objekte, die man nicht in Worte fassen kann, bis man die Geschichte dahinter kennt. Der „Belly Tank Racer“ von L’Épée 1839 ist ein solches Objekt: eine mechanische Tischuhr in Form eines der faszinierendsten Fahrzeuge der Automobilgeschichte – entstanden aus dem Einfallsreichtum heimkehrender Kriegspiloten, vollendet durch feinste Schweizer Manufakturuhrmacherei. Limitiert auf 99 Stück in fünf Lackfarben.

Worum handelt es sich bei den „Belly Tank Racers“? Als die amerikanischen Piloten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hause zurückkehrten, brachten sie nicht nur Erfahrungen mit, sondern auch so einiges an Material. Wie die externen Zusatztanks unter den Rümpfen der Jagdflugzeuge – „Drop Tanks“ oder „Belly Tanks“ genannt. Sie hatten eine Tropfenform, die rein nach aerodynamischen Prinzipien entwickelt worden war: stabil in der Luft und mit geringstmöglichem Luftwiderstand. Ihre Zusatztanks erkannten die Piloten nun als perfekt vorgeformte Rennwagenhülle.

Die Tanks – besonders die 315-Gallonen-Außentanks der Lockheed P-38 Lightning – wurden von Ingenieuren und Hot-Roddern auf trockene Salzseen und Flussbetten gezogen, im Innern verstärkt, mit Achsen und Rädern bestückt, mit einem Ford-Flathead-V8 (zwei Stromberg-Vergaser, Dreiganggetriebe) versehen und einem Fahrer übergeben, der sich hineinquetschte und dessen Kopf als einziges über die Karosserie herausragte.

Am Bonneville Salt Flat in Utah und auf dem Trockensee El Mirage in Kalifornien begannen die „Belly Tank Lakesters“ Geschichte zu schreiben. 1948 erzielte Alex Xydias mit einem V8-60-betriebenen Belly Tanker eine Geschwindigkeit von 130 Meilen pro Stunde – für ein improvisiertes Fahrzeug aus Kriegsüberbleibseln eine außerordentliche Leistung. Selbst 200 Meilen pro Stunde sollen sie erreicht haben. Was diese Fahrzeuge bis heute faszinierend macht, ist das Prinzip dahinter: Einzigartigkeit aus Not, Schönheit aus Funktion, Geschwindigkeit durch Weglassen.

L’Épée 1839: auf hochwertige Tisch- und Standuhren spezialisiert

Um die „Belly Tank Racer“-Uhr von L’Épée 1839 vollends zu verstehen, braucht man auch den Kontext ihres Schöpfers. 1839 von Auguste L’Épée gegründet, ist die Manufaktur in Sainte-Suzanne im Département Haute-Saône (Franche-Comté) nach eigener Aussage die einzige Schweizer Manufaktur, die sich ausschließlich auf die Herstellung hochwertiger Tisch- und Standuhren spezialisiert hat. Das bedeutet: keine Armbanduhren, keine Kompromisse mit anderen Produktlinien – stattdessen Reisewecker, Komplikationen, Avant-garde-Uhrenobjekte, und zunehmend skulpturale Zeitmesser, die ihre Inspiration aus Natur, Technik und Design schöpfen.

Die „Time Fast“-Kollektion ist dabei L’Épées Liebeserklärung an die Motorsportgeschichte. Der erste „Time Fast“ – ein Rennwagenmodell aus den 1950er-Jahren, entworfen vom ECAL-Absolventen Georg Foster – etablierte das Konzept: ein fahrender Wagen als funktionale Uhr, entwickelt von Manufaktur-Mitarbeitern, die nach Aussage des Hauses mehrheitlich selbst Automobil-Enthusiasten sind. Mit dem neuen „Belly Tank Racer“ baut L’Épée diese Vision auf eine noch direktere historische Referenz auf.

Der „Belly Tank Racer” hat einen mechanischen Motor im Innern.

Aluminium, Palladium und die Zeit in Scheiben

Der „Belly Tank Racer“ von L’Épée 1839 ist 420 mm lang, 212 mm breit und 123 mm hoch – bei einem Gewicht von 5,4 kg ein massives Objekt. Ober- und Unterboden sind aus Aluminium gefertigt, lackiert und poliert. Die Räder bestehen aus Stahl mit weichen Gummireifen; die Felgen sind poliert und satiniert. Bewegliche Teile des Werkmechanismus sind aus palladiumbeschichtetem Messing, poliertem Edelstahl und Acrylglas für Zylinder und Kuppel.

Jedes Zahnrad, jede Oszillation des „mechanischen Motors” des Belly Tanks wird zu einem visuellen Erlebnis. Ganz vorne nimmt die Hemmung – das schlagende Herz des Uhrwerks – einen Ehrenplatz in der Nase des Gehäuses ein. Positioniert an der Stelle, an der der Luftstrom zuerst auf die Maschine trifft, fängt sie den Vorwärtsdrang und die Geschwindigkeit ein, die die ursprünglichen Belly Tank-Rennwagen auszeichneten.

An der Seite thront ein kraftvoll modellierter V6-Motor neben dem Fahrerplatz, genau wie im engen Cockpit des echten Streamliners, wo der Fahrer tief lag, um mit der aerodynamischen Silhouette des Wagens eins zu werden und gleichzeitig eine sorgfältige Gewichtsverteilung zu gewährleisten, die für Stabilität und Kontrolle bei hoher Geschwindigkeit unerlässlich ist.

Die Uhrzeit wird auf zwei transparenten Scheiben angezeigt, die sich um den Körper des Fahrzeugs legen – Stunden und Minuten auf separaten Scheiben, ablesbar durch gegenüberliegende Marker. Die Anordnung greift die visuelle Sprache der Startnummern von Rennfahrzeugen auf: ein Fenster im Fahrzeugkörper, durch das die Zeit wie eine Wettbewerbsnummer erscheint.

Zwei transparente Scheiben zeigen die Zeit an.

Der Aufzug: wie ein Spielzeugauto

Außergewöhnlich und doch sofort einleuchtend ist die Interaktion. Das L’Épée-1839-Manufakturkaliber (intern Cal. 1855 MHD) wird durch Drehen der Hinterräder aufgezogen – genau wie ein Aufzieh-Spielzeugauto. Man zieht das Fahrzeug zurück, die Räder übertragen die Energie auf das Uhrwerk, und der „Belly Tank Racer“ ist für eine ganze Woche „aufgetankt”. Das ist L’Épées Markenzeichen: Hohe Uhrmacherkunst, die sich mit Spielfreude verbindet. Erinnerungen an unbeschwerte Kindheitstage ausdrücklich erwünscht.

Der „Belly Tank Racer“ ist in fünf Farben erhältlich: Schwarz, Metallic Grau, Rot, Blau und Grün. Die Fertigungstiefe ist hoch: Abgesehen vom Aluminiumrohguss, den Kristallen und den Lagersteinen wird nach Aussage von L’Épée 1839 alles intern in den eigenen Werkstätten von rund 20 Spezialisten hergestellt – darunter das Uhrwerk, die Mechanik und sämtliche Oberflächenveredelungen.

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