Die Wahrscheinlichkeit eines Konjunkturabschwungs steigt

Ölpreisschock: Impulse für Edelmetalle?

Steigende Ölpreise verunsichern Märkte. Doch die direkte Wirkung auf Edelmetalle bleibt begrenzt. Entscheidend sei vielmehr die konjunkturelle Großwetterlage, schreibt Heraeus.

17. März 2026 Christian Lücke
Kommentare (0) Link kopieren

Ölpreisschocks gelten als verlässlicher Stressindikator für die Weltwirtschaft. Ihre unmittelbare Wirkung auf Edelmetallpreise fällt jedoch historisch betrachtet überraschend moderat aus, verkünden die Analysten von Heraeus. Vielmehr zeige sich, dass bestehende Markttrends bei Gold, Silber und Platinmetallen (PGM) in der Regel fortgeschrieben werden, während die eigentlichen Impulse aus der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung resultieren.

Ein Blick zurück

Ein Blick in die Vergangenheit unterstreicht diese Dynamik: Die Ölkrisen der 1970er-Jahre trafen auf einen ohnehin intakten Bullenmarkt bei Edelmetallen, deren Preise in der Folge weiter stiegen. Erst mit dem Eintritt der US-Wirtschaft in eine Rezession kam es zur Trendwende. Ähnlich verhielt es sich 1990 während des Golfkriegs, allerdings spiegelbildlich: Die Edelmetallpreise befanden sich bereits im Abwärtstrend und setzten diesen im Zuge der wirtschaftlichen Abschwächung fort.

Anders gelagert waren die geopolitischen Verwerfungen der jüngeren Vergangenheit. Sowohl der Irakkrieg 2003 als auch die russische Invasion in der Ukraine 2022 ereigneten sich in einer Phase wirtschaftlicher Erholung nach vorangegangenen Rezessionen. Entsprechend blieb der befürchtete konjunkturelle Einbruch aus und mit ihm ein signifikanter negativer Effekt auf die Edelmetallmärkte, blickt Heraeus zurück.

Rezession oder keine Rezession? Das ist die Frage.

Entscheidend ist daher weniger der Ölpreisschock selbst als vielmehr die Frage, ob er eine Rezession auslöst. Sollte es dazu kommen, wären insbesondere Silber und Platinmetalle betroffen, da sie in hohem Maße industriell verwendet werden. Gold hingegen könnte sich in einem solchen Szenario einmal mehr als stabilisierender Hafen behaupten.

Zweischneidige Marktlage

Aktuell zeigt sich die wirtschaftliche Lage ambivalent: Während das US-Bruttoinlandsprodukt bislang robust erscheint, deuten schwächere Arbeitsmarktdaten auf eine zunehmende Fragilität hin. Gleichzeitig verschärfen steigende Energiekosten den Druck auf Unternehmen und Verbraucher, die ohnehin mit hohen Lebenshaltungskosten konfrontiert sind.

Vor dem Hintergrund eines bereits sechs Jahre andauernden Konjunkturzyklus – der üblicherweise fünf bis sechs Jahre umfasst – wachse die Wahrscheinlichkeit eines Abschwungs, prognostiziert Heraeus. Sollte dieser eintreten, dürfte er die Edelmetallpreise insgesamt belasten, mit besonders deutlichen Effekten bei industriell geprägten Metallen.

Keine Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

3 Monate nur 27€ 3€
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer

Inhalt