Safe-Haven-Effekt lässt nach
Goldpreis: Rally verliert an Dynamik
Bild: shutterstock / bim purbayus
Nach seinem jüngsten Rekordhoch zeigt der Goldpreis derzeit eine Phase der Konsolidierung. Der anfängliche Safe-Haven-Effekt infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten hat spürbar nachgelassen, urteilen die Analysten von Heraeus. Marktbeobachter sehen demnach Gewinnmitnahmen und eine Neubewertung der weiteren Kurschancen als zentrale Gründe für die aktuelle Entwicklung des Goldpreises.
Zwar sorgten die Ereignisse im Nahen Osten zunächst für zusätzliche Nachfrage nach dem Edelmetall, doch fiel die Reaktion der Märkte insgesamt moderater aus als erwartet. Viele Investoren scheinen davon auszugehen, dass der Konflikt zeitlich begrenzt bleiben könnte. Ein ähnliches Muster war bereits 2022 zu beobachten: Damals stieg der Goldpreis unmittelbar nach Beginn der Krise für rund zwei Wochen, bevor er die Gewinne wieder abgab und sich im weiteren Jahresverlauf weitgehend seitwärts bewegte.
Makroökonomisch könnten laut Heraeus mehrere Faktoren zusätzlichen Druck auf den Goldpreis ausüben: Steigende Energiepreise dürften zwar einen neuen Inflationsimpuls setzen, gleichzeitig sind die Renditen von US-Staatsanleihen um etwa 20 Basispunkte gestiegen. Auch der US-Dollar hat sich gefestigt: Der Dollar-Index legte von 97,6 Punkten am Freitag vor Beginn der jüngsten Eskalation auf rund 99 Punkte zu. Damit liegt er zwar noch unter den Niveaus zu Jahresbeginn und deutlich unter dem Hoch von etwa 110 Punkten im Januar 2025, dennoch wirkt ein stärkerer Dollar traditionell belastend für den Goldpreis.
Hinzu komme, dass höhere Inflationsrisiken die Erwartungen an Zinssenkungen dämpfen könnten. In Teilen des Marktes würden inzwischen sogar mögliche Zinserhöhungen eingepreist – ein Szenario, das ebenfalls als Gegenwind für das Edelmetall gilt.
Konflikt im Nahen Osten hat Einfluss auf physischen Goldhandel
Parallel dazu wirkt sich der Konflikt auch direkt auf den physischen Goldhandel aus. Besonders betroffen ist laut Heraeus der Handelsplatz Dubai, der einer der wichtigsten Umschlagplätze für Gold im Nahen Osten sei. Von dort werde Rohmaterial zur Raffination importiert und anschließend in großen Mengen exportiert, unter anderem nach Indien. Da Goldtransporte häufig über kommerzielle Passagierflüge erfolgen, beeinträchtigen die zahlreichen Flugausfälle den Handel erheblich.
Sollte sich die geopolitische Lage kurzfristig entspannen, rechnen Marktbeobachter allerdings damit, dass auch die aktuellen Belastungsfaktoren für den Goldpreis nur vorübergehend sein könnten.
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