Unabhängige Uhren | Produktionsmodelle

Manufaktur oder Etablisseur?

Kaum ein Begriff wird in der Uhrenwelt so gern und so oft missverständlich verwendet wie Manufaktur. Weder ist der Unterschied zum Etablisseur eine bloße Imagefrage noch sprachliche Spitzfindigkeit. Er beschreibt zwei grundsätzlich verschiedene Philosophien und Produktionsmodelle. Es kommt darauf an, ob ein Unternehmen Uhrwerke und deren Bestandteile mehr oder minder selbst herstellt oder vollständig zukauft.

11. Mai 2026 Gisbert L. Brunner
Kommentare (0)

Konfuzius soll einmal gesagt haben, die Welt gerate in Unordnung, wenn Begriffe sich verwirren. Auf die Uhrenbranche trifft das bis heute erstaunlich gut zu. Der Begriff Manufaktur klingt nach Handarbeit, nach Authentizität, nach uhrmacherischer Souveränität. Genau deshalb schmücken sich viele Marken gern mit diesem Titel. Doch nicht überall, wo Manufaktur draufsteht, ist auch eine solche im klassischen Sinn gemeint. 1961 definierte Georges-Albert Berner in seinem großen Uhrmacherlexikon die Manufaktur als größeres Unternehmen, das beinahe die ganze Uhr selbst herstellt. Schon zwei Jahre zuvor hatte die Schweizer Preisbildungskommission eine recht präzise Trennlinie gezogen: Manufakturen fertigen den größten Teil der für ihre Uhren nötigen Rohwerke und bestimmte Bestandteile selbst, kaufen aber sehr wohl Komponenten zu, wenn diese bei spezialisierten Zulieferern qualitativ besser oder kostengünstiger entstehen. Der Terminus Manufaktur war also nie gleichbedeutend mit totaler Autarkie.

Die klassische Manufaktur

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

1 Monat kostenlos
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer

Inhalt