Unabhängige Uhren | Produktionsmodelle
Manufaktur oder Etablisseur?
Konfuzius soll einmal gesagt haben, die Welt gerate in Unordnung, wenn Begriffe sich verwirren. Auf die Uhrenbranche trifft das bis heute erstaunlich gut zu. Der Begriff Manufaktur klingt nach Handarbeit, nach Authentizität, nach uhrmacherischer Souveränität. Genau deshalb schmücken sich viele Marken gern mit diesem Titel. Doch nicht überall, wo Manufaktur draufsteht, ist auch eine solche im klassischen Sinn gemeint. 1961 definierte Georges-Albert Berner in seinem großen Uhrmacherlexikon die Manufaktur als größeres Unternehmen, das beinahe die ganze Uhr selbst herstellt. Schon zwei Jahre zuvor hatte die Schweizer Preisbildungskommission eine recht präzise Trennlinie gezogen: Manufakturen fertigen den größten Teil der für ihre Uhren nötigen Rohwerke und bestimmte Bestandteile selbst, kaufen aber sehr wohl Komponenten zu, wenn diese bei spezialisierten Zulieferern qualitativ besser oder kostengünstiger entstehen. Der Terminus Manufaktur war also nie gleichbedeutend mit totaler Autarkie.