Worauf Juweliere bei der Prävention achten sollten
Krawalle und Plünderungen: Wie sicher sind Juweliere?
Heiko Engmann von Valorima
Bild: Mannheimer / Valorima
Herr Engmann, angesichts gewaltsamer Ausschreitungen in Frankreich fragen sich viele Juweliere, wie gut ihre Geschäfte in vergleichbaren Situationen geschützt wären. Wie schätzen Sie das Risiko für Deutschland ein?
Natürlich hoffe ich, dass es in Deutschland nie zu solchen Ausschreitungen kommen wird. Eine pauschale Einschätzung des Risikos ist allerdings schwierig. Entscheidend ist auch, zwischen politisch motivierter Gewalt und gewöhnlicher Kriminalität zu unterscheiden. Es kann vorkommen, dass Kriminelle Demonstrationen oder andere Ausnahmesituationen ausnutzen, um Geschäfte zu plündern. Dabei muss es ihnen nicht speziell auf Schmuck oder Uhren ankommen. Sie nutzen vielmehr die Gelegenheit, wenn Sicherheitsmaßnahmen und polizeiliche Erreichbarkeit eingeschränkt sind.
Was sollten Juweliere tun, wenn gewaltsame Demonstrationen in ihrer Nähe angekündigt sind?
Grundsätzlich empfehlen wir, sich frühzeitig mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen. Was könnte passieren, und wie lässt sich gegensteuern? Dazu gehört, die Schaufensterauslagen zu reduzieren oder wertvolle Ware vollständig wegzuräumen. Rollläden, sofern vorhanden, sollten geschlossen werden. Auch ein Sichtschutz kann sinnvoll sein, um Begehrlichkeiten zu reduzieren. Je nach Lage kann es notwendig sein, das Geschäft vorübergehend zu schließen – auch aus Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter. Grundsätzlich ist der Schutz der Mitarbeiter wichtig. Inhaber sollten im Vorfeld überlegen, wie sich das Personal bei einer Eskalation verhalten soll und welche Rückzugs- oder Fluchtmöglichkeiten es gibt. In einer tatsächlichen Gefahrensituation ist es entscheidend, besonnen zu handeln und Menschen nicht unnötig zu gefährden.
Sind Schäden durch Ausschreitungen und Plünderungen automatisch versichert?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf den konkreten Versicherungsvertrag, die vereinbarten Klauseln und die tatsächlichen Umstände des Schadens an. Begriffe wie „innere Unruhen“, „Aufruhr“ oder „politische Gewalthandlungen“ sind dabei relevant. Solche Risiken sind nicht in jedem Vertrag standardmäßig eingeschlossen. Teilweise bestehen besondere Klauseln oder Ausschlüsse, die Versicherer aufgrund interner und externer Vorgaben gestalten.
Deshalb sollten Juweliere ihren individuellen Versicherungsschutz prüfen, statt sich auf allgemeine Aussagen zu verlassen.
Was empfehlen Sie Juwelieren konkret bei der Überprüfung ihres Versicherungsschutzes?
Sie sollten klären, ob Schäden durch innere Unruhen, Ausschreitungen und Plünderungen abgedeckt sind. Wichtig ist, nicht nur auf die Bezeichnung des Vertrags zu schauen, sondern auch die Ausschlüsse und besonderen Bedingungen zu prüfen. Gerade bei angekündigten Demonstrationen in innerstädtischen Lagen ist es sinnvoll, diese Fragen rechtzeitig zu klären.
Was ist im Schadenfall besonders wichtig, damit die Ansprüche geltend gemacht werden können?
Der Schaden sollte möglichst umgehend bei der Polizei und beim Versicherer beziehungsweise Vermittler gemeldet werden. Außerdem ist eine sorgfältige Beweissicherung entscheidend. Fotos und Videos können dokumentieren, wie das Geschäft nach dem Vorfall aussieht und welche Schäden entstanden sind. Auch die Videoüberwachung kann wichtige Hinweise liefern.
Der Versicherer sollte die Möglichkeit erhalten, den Schaden zu begutachten, bevor größere Aufräum- oder Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Natürlich müssen notwendige Sofortmaßnahmen möglich bleiben. Entscheidend ist, Schäden und entwendete Gegenstände nachvollziehbar zu dokumentieren und die Belege aufzubewahren.
Können gestohlene Uhren und Schmuckstücke wiedergefunden werden, wenn sie online zum Verkauf angeboten werden?
Das ist grundsätzlich möglich, hängt aber vom Einzelfall und den Möglichkeiten des jeweiligen Versicherers ab. Bei hochwertigen Uhren und Schmuckstücken mit hohem Wiedererkennungswert können Register und die Beobachtung von Verkaufsplattformen hilfreich sein. Auch technische Möglichkeiten, etwa KI-gestützte Suchsysteme, können die Recherche unterstützen.
Bei Goldschmuck ist die Wiederbeschaffung häufig schwieriger, weil Stücke eingeschmolzen oder verändert werden können. Deshalb ist es wichtig, gestohlene Gegenstände möglichst genau zu dokumentieren. Je besser die Identifizierung möglich ist, desto größer sind die Chancen, auffällige Angebote zu erkennen.
Was ist Ihre wichtigste Empfehlung an Juweliere?
Beschäftigen Sie sich rechtzeitig mit möglichen Gefahren, überprüfen Sie Ihren Versicherungsschutz und entwickeln Sie einen Plan für den Ernstfall. Prävention, Mitarbeiterschutz und eine gute Dokumentation im Schadenfall sind entscheidend. Eine pauschale Versicherungsgarantie gibt es nicht – maßgeblich sind immer die vereinbarten Bedingungen und die konkrete Situation.
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