ifo-Umfrage zeigt dramatische Lage im Einzelhandel und Gastgewerbe
Immer mehr Firmen fürchten um ihre Existenz
Wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilt, bleiben die Rahmenbedingungen für viele Betriebe schwierig. „Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt“, erklärt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten sei auch in den kommenden Monaten mit hohen Insolvenzzahlen zu rechnen. Jedes zwölfte Unternehmen sieht seine wirtschaftliche Existenz demnach als bedroht an.
Einzelhandel besonders betroffen
Besonders alarmierend ist die Situation im Einzelhandel – dort erreicht der Anteil der Firmen, die ihre wirtschaftliche Existenz als gefährdet ansehen, mit 17,4 Prozent einen neuen Höchststand. Vor allem der stationäre Einzelhandel steht massiv unter Druck. Neben der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher belasten der zunehmende Online-Handel sowie günstige Anbieter aus dem Ausland die Branche. Insgesamt rechnen 1,6 Prozent aller Handelsunternehmen damit, ihr Geschäft aufgeben zu müssen.
Drei Faktoren sorgen für Kopfzerbrechen
Auch andere Wirtschaftsbereiche melden erhebliche Probleme. Branchenübergreifend nennen Unternehmen vor allem drei Belastungsfaktoren: fehlende Aufträge und schwache Nachfrage, steigende Energie- und Betriebskosten sowie zunehmende Bürokratie. Hinzu kommen Liquiditätsprobleme, da Kunden sparen oder selbst insolvent werden. Laut ifo Institut übertragen sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zunehmend entlang der Lieferketten.
Gastgewerbe stark betroffen
Im Dienstleistungssektor sehen sich 7,6 Prozent der Betriebe existenziell bedroht. Besonders angespannt bleibt die Lage in Hotellerie und Gastronomie, wo nahezu jedes fünfte Unternehmen um den Fortbestand fürchtet. Auch Werbe- und Marktforschungsunternehmen melden überdurchschnittliche Belastungen.
Die Industrie verzeichnet zwar einen leichten Rückgang bei der Existenzbedrohung auf 7,5 Prozent, kämpft jedoch weiterhin mit hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck. Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil gefährdeter Unternehmen leicht auf 7,3 Prozent. Vor allem die anhaltende Schwäche im Wohnungsbau und erschwerte Finanzierungsbedingungen belasten die Branche.
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