Auf World Retail Congress in Berlin

HDE fordert schnellere Digitalisierung

Der Handelsverband Deutschland erhöht den Druck auf die Politik: Schnellere Entscheidungen, weniger Bürokratie und faire Wettbewerbsbedingungen sollen den digitalen Wandel im Handel sichern.

29. Apr. 2026 Christian Lücke
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Der Handelsverband Deutschland (HDE) stellt sich demonstrativ hinter die Kritik von Digitalminister Karsten Wildberger an den schleppenden Fortschritten bei der Digitalisierung. Beim World Retail Congresses in Berlin forderte der Verband eine deutlich schnellere und zielgerichtetere Digitalpolitik.

HDE-Präsident Alexander von Preen sieht insbesondere im internationalen Wettbewerb dringenden Handlungsbedarf. Online-Plattformen und Händler aus Drittstaaten wie China (konkret nennt der Verband Anbieter wie Temu und Shein) würden derzeit von ungleichen Rahmenbedingungen profitieren. Während der heimische Handel strengen Regulierungen unterliegt, blieben Regelverstöße internationaler Anbieter oft ohne spürbare Konsequenzen. Der HDE fordert daher eine konsequentere Durchsetzung bestehender Vorschriften und eine stärkere Ausstattung der zuständigen Behörden.

Neue Technologien mit erheblichem Potenzial

Neben dem Wettbewerb sprach der Verband auch über den Einsatz neuer Technologien: Insbesondere bei der Nutzung künstlicher Intelligenz zur Diebstahlprävention sieht der HDE erhebliches Potenzial, das derzeit durch datenschutzrechtliche Unsicherheiten gebremst werde. KI-gestützte Videoüberwachung könne verdächtige Verhaltensmuster frühzeitig erkennen und so zur Aufklärung von Ladendiebstählen beitragen. Die aktuelle Auslegung der Datenschutzgrundverordnung durch nationale Aufsichtsbehörden erschwere jedoch vielfach den praktischen Einsatz solcher Systeme.

Grundsätzlich kritisiert der HDE die bestehende Datenschutzarchitektur in Deutschland. Die föderale Aufteilung auf 16 Landesbehörden führe zu einem unübersichtlichen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen und erhöhe den bürokratischen Aufwand für Unternehmen erheblich. Gleichzeitig warnt der Verband vor einer Abwanderung von Innovation und Wertschöpfung ins Ausland, wenn digitale Entwicklungen hierzulande zu stark reglementiert werden.

Vor diesem Hintergrund spricht sich der HDE für eine zentralisierte Datenschutzaufsicht sowie einen innovationsfreundlicheren Rechtsrahmen aus. Ziel müsse es sein, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Handels langfristig zu sichern und digitale Technologien effizient nutzbar zu machen.

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