Vom Konzern zur Manufaktur

Antoine Pin wird CEO von De Bethune

Die unabhängige Schweizer Manufaktur hat Antoine Pin, den ehemaligen CEO von TAG Heuer, mit sofortiger Wirkung zum neuen Chief Executive Officer berufen.

09. Juli 2026 Mathias Menzel
Kommentare (0)

Antoine Pin (links) mit dem Gründer und Kopf der Marke Denis Flageollet (rechts).

Pin übernimmt das Ruder von Pierre Jacques, der die Position lediglich neun Monate innehatte, bevor er im vergangenen Sommer ausschied. In der Übergangszeit hatte Denis Flageollet, Mitgründer und künstlerischer sowie mechanischer Kopf der Marke, die Geschäftsführung interimistisch übernommen. Flageollet bleibt auch künftig als kreativer Leiter an Bord und wird eng mit Pin zusammenarbeiten, der als operative Verbindung zwischen dem Handwerksmeister und dem Eigentümer, der 1916 Company, fungieren soll.

Pläne für die Marke

Pins zentrale Aufgabe besteht darin, De Bethune international bekannter zu machen und die kommerzielle Struktur zu stärken, ohne dabei die exklusive Positionierung und handwerkliche Identität der Manufaktur zu verwässern. In seiner ersten Stellungnahme betonte er, ihn habe vor allem die „Kohärenz der Methodik und die Intensität des Ambitionsniveaus“ von De Bethune überzeugt, und er wolle mit „echter Demut und Leidenschaft“ zum Wachstum und zur Absicherung der langfristigen Zukunft der Marke beitragen, die 2027 ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Deren Uhren werden ausschließlich in der eigenen Manufaktur in L‘Auberson im Kanton Waadt im Schweizer Jura. Die jährliche Produktionsmenge lag Schätzungen zufolge zuletzt bei rund 300 bis 350 Zeitmessern, die Preisspanne der Modelle bewegt sich zwischen etwa 45.000 und 400.000 Franken.

Stationen bei TAG Heuer und Bulgari

Pins Karriere ist eng mit dem LVMH-Konzern verwoben, dem er über mehr als zwei Dekaden verbunden war. Er begann 1994 als Junior Sales Manager im Duty-Free-Bereich bei TAG Heuer und durchlief anschließend Stationen bei Boucheron, Zenith (als International Marketing Director), sowie diverse Führungspositionen bei LVMH Watches & Jewelry UK und als General Manager von TAG Heuer in Japan und Korea.

Bei Bulgari verantwortete Pin ab 2019 die gesamte Uhrensparte und trieb dort unter anderem die erfolgreiche Octo-Finissimo-Linie voran. Im Juli 2024 wurde er zum CEO von TAG Heuer berufen, nachdem Julien Tornare zur Schwestermarke Hublot gewechselt war. Unter seiner Führung kehrte TAG Heuer als offizieller Zeitnehmer in die Formel 1 zurück und er stieß zahlreiche Innovationen an. Im Januar 2026 verließ Pin TAG Heuer und damit LVMH nach 23 Jahren überraschend, offiziell um „ein neues Kapitel“ seiner Karriere zu beginnen.

Vom Konzern in die Unabhängigkeit

Pin gilt als Vollblut-Uhrenmanager mit fast 30 Jahren Branchenerfahrung. Anders als viele reine Konzernmanager hat er wiederholt bewiesen, dass er kommerzielles Wachstum mit Pflege der Markenidentität verbinden kann – etwa bei Bulgari, wo er Umsatz und Profitabilität in Wachstumsmärkten deutlich steigerte, ohne die Positionierung der Marke zu verwässern. Sein Wechsel zu einer kleinen, unabhängigen Manufaktur klingt nun nach bewusster Neuausrichtung: weg von den Konzernzwängen, hin zu einer Rolle als Wachstumsarchitekt für eine hochexklusive, handwerklich geprägte Marke, deren künstlerische DNA unangetastet bleiben soll..

Keine Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

1 Monat kostenlos
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer

Inhalt