Patek Philippe

So feiert Patek das Jubiläum der Nautilus

Die Spekulationen reichten von einer Stahl-Rückkehr über eine Nautilus in der Reihe Grande Complications bis zum Ewigen Kalender. Patek aber legt zum 50. Jubiläum der Nautilus vier limitierte Editionen der Sportuhr in ihrer reinsten Form auf – und überrascht mit einem Modell, das so wohl niemand kommen sah.

14. Apr. 2026 Mathias Menzel
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Als die Nautilus im April 1976 auf der Baselworld vorgestellt wurde, war sie alles andere als ein typisches Patek-Philippe-Produkt. Gérald Genta, der vier Jahre zuvor den Royal Oak für Audemars Piguet entworfen hatte, skizzierte laut eigenem Bekunden das Gehäuse in fünf Minuten auf einer Serviette, inspiriert vom Bullauge eines Ozeandampfers. Der damalige Firmenchef Philippe Stern war skeptisch gegenüber dem Konzept einer Luxus-Stahluhr, die teurer sein sollte als die meisten goldenen Dresswatches auf dem Markt – und ließ sie dennoch produzieren.

Das Resultat war die Referenz 3700, im Haus liebevoll „Jumbo“ genannt: 42 mm im Diagonaldurchmesser, achteckige Lünette mit abgerundeten Ecken, horizontal reliefgeprägtes Zifferblatt, perfekt integriertes Armband, 120 Meter wasserdicht – und dabei nur 7 mm flach. Was als Provokation begann, wurde schnell zur begehrtesten Sportuhr der Uhrmacherei, deren Sekundärmarktwerte über Jahrzehnte die Neukaufpreise bei weitem übertrafen.

Dass Patek Philippe das 50. Jubiläum der Nautilus dieses Jahr feiern wird, war im Vorfeld der Watches & Wonders bereits klar. Um das Wie gab es aber sehr viel Spekulationen; und so gut wie keine davon hat sich bewahrheitet. Stattdessen setzt Patek auf vier limitierte Editionen in Weißgold und Platin statt in Stahl inklusive einer Nautilus-Tischuhr, die so wohl niemand auf dem Zettel hatte. Aber der Reihe nach.

Ref. 5810/1G-001 und 5810G-001: Reduziert auf das Wesentliche

Die beiden 41-mm-Versionen in Weißgold sind konzeptionell die klarste Aussage der Jubiläumskollektion: kein Datum, kein Sekundenzeiger, keine Komplikation – nur Stunden und Minuten. Das ist für eine Sammlermarke, die sonst jeden Jahrestag mit Komplikationen feiert, eine bemerkenswert puristische Entscheidung und zugleich ein Bekenntnis zum ursprünglichen Geist der Referenz 3700, die ebenfalls auf jede überflüssige Anzeige verzichtete.

Beide Referenzen tragen dasselbe blaue Zifferblatt mit horizontaler Reliefprägung und Sonnenschliff, unterscheiden sich aber in zwei wesentlichen Punkten: Die Ref. 5810/1G-001 hat aufgesetzte Stabindexe aus Weißgold mit Superluminova-Füllung und ein Weißgold-Gliederarmband – limitiert auf 2.000 Stück. Die Ref. 5810G-001 trägt Stabindexe, die mit Baguette-Diamanten besetzt sind (ca. 0,39 ct gesamt), und ein Armband aus marineblauem Kompositmaterial mit Gewebetextur und cremefarbenen Kontrastnähten – limitiert auf 1.000 Stück. Beide Modelle sind mit 6,85 mm außerordentlich flach, was dem Geiste der Ur-Nautilus entspricht.

Ref. 5610/1P-001: Die kleinere, diskretere Variante in Platin

Die ebenfalls vorgestellte 38-mm-Platinvariante greift bewusst historische Maßverhältnisse auf: Die Abmessungen entsprechen der Referenz 3800/1, mit der Patek in den 1980er-Jahren das Mittelformat in der Nautilus-Kollektion wieder einführte, sowie der Referenz 5800/1A anlässlich des 30. Nautilus-Jubiläums 2006. Das ist typisch Patek: maßvolle historische Kontinuität statt spektakulärer Geste.

Das Modell kommt in Platin 950 mit satinierten und polierten Wechseloberflächen an Lünette, Gehäuse und Armband, blauem Zifferblatt mit Reliefprägung und Sonnenschliff, aufgesetzten Weißgoldindizes mit Superluminova, nur 6,90 mm Gesamthöhe. Wie bei allen Patek-Philippe-Armbanduhren aus Platin ist ein Brillant in die Gehäuseflanke bei 9 Uhr eingefasst. Auch diese Variante ist auf 2.000 Stück limitiert und trägt das Kaliber 240 mit dem Jubiläumsmikrorotor.

Ein Werk, das fast so alt ist wie die Nautilus selbst

Alle drei Jubiläumsmodelle werden vom Kaliber 240 angetrieben – einem Manufakturwerk, das 1977 lanciert wurde, nur ein Jahr nach der ersten Nautilus. Das Geheimnis seiner geringen Bauhöhe von 2,53 mm liegt in der Positionierung des Mikrorotors: Statt eines konventionellen Zentralrotors, der als zusätzliche Schicht über dem Werk liegt, ist der Miniaturrotor aus 22-Karat-Gold vollständig in die Brückenebene eingelassen. Das erlaubt die schlanke Gesamthöhe, ohne auf Automatikaufzug zu verzichten.

In den Jubiläumsausführungen trägt dieser Mikrorotor nun die Gravur „50 1976–2026″. Technische Eckdaten: 27,5 mm Durchmesser, 2,53 mm Höhe, 152 Bauteile, 27 Lagersteine, Gyromax-Unruh, Spiromax-Spiralfeder aus Silinvar, 3 Hz, mindestens 48 Stunden Gangreserve. Das Patek Philippe Siegel (vormals: Genfer Siegel) ist wie bei allen Patek-Armbanduhren angebracht und verpflichtet zu strengen Finissierungsstandards.

Ref. 958G-001: Die Nautilus als Tischuhr – eine Weltpremiere

Die wohl überraschendste Jubiläumsneuheit ist aber sicher die Referenz 958G-001 – eine Tischuhr. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass die Nautilus in dieser Form interpretiert wird und mit einer Limitierung auf 100 Exemplare ist sie dieses Jahr sicher bei Sammlern begehrt wie kaum ein zweites Modell. Das zweiteilige Weißgoldgehäuse mit 50,65 mm Durchmesser übernimmt die vollständige Nautilus-Silhouette mit achteckiger Lünette und abgerundeten Ecken, verzichtet aber auf Armbandanstöße: Die Form des Gehäuses trägt sich selbst.

Das Zifferblatt in blauem Sonnenschliff mit horizontaler Reliefprägung entspricht dem der Armbanduhren, trägt hier aber diamantbesetzte Baguette-Stabindexe (ca. 0,96 ct gesamt) – ein Niveau, das die Tischuhr klar im Terrain der Haute Horlogerie-Objekte verortet. Der Scharnierboden dient im aufgeklappten Zustand als Aufstellstütze und zeigt rückseitig eine blaue, reliefsatinierte Fläche mit aufgesetztem Calatrava-Kreuz aus Weißgold sowie unter dem Saphirglas das Werk mit der Inschrift „50th Anniversary Nautilus 1976–2026 Patek Philippe“.

Das Kaliber 31-505 8J PS IRM Cl J ist ein 2025 in der Calatrava 8 Tage (Ref. 5328G) eingeführtes Handaufzugwerk mit zwei in Serie geschalteten Federhäusern für acht volle Tage Gangreserve (plus einem neunten als Reserve), Pulsomax-Hemmung aus Silinvar, Spiromax-Spiralfeder, 4 Hz, 256 Komponenten. Es zeigt Stunden, Minuten, kleine Sekunde bei 6 Uhr, Zeigerdatum, Wochentag (augenblicklich schaltend) und Gangreserveanzeige bei 12 Uhr – eine komfortorientierte Komplikationsauswahl für ein Objekt, das eher auf dem Schreibtisch als am Handgelenk die Zeit zeigt.

Alle vier Jubiläumsmodelle werden in einer Schatulle mit Korkverkleidung ausgeliefert – eine Hommage an die Originalschatulle der ersten Referenz 3700 von 1976 und der Jubiläumsausgaben von 2016. Ein Detail, das nicht nur Sammler der ersten Stunde zu schätzen wissen werden.

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