Notenbanken kaufen ein

Gold zwischen Zinssorgen und Ölpreisanstieg

Steigende Ölpreise, hohe Anleiherenditen und Zinssorgen belasten den Goldpreis. Die Zentralbanken setzen ihre Käufe dagegen unvermindert fort, schreibt Heraeus.

12. Okt. 2026 Christian Lücke
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Der Goldpreis steht weiterhin unter Druck. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise nach oben und stärken zugleich den US-Dollar. Gold notiert deutlich unter der zuletzt unterschrittenen Unterstützungsmarke von 4.250 US-Dollar je Feinunze, berichtet Heraeus und ergänzt: Auch die hohen Renditen amerikanischer Staatsanleihen machen dem zinslosen Edelmetall zu schaffen.

Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus. Während der Preis für Rohöl der Sorte Brent weiterhin über 100 US-Dollar je Barrel liegt, hat sich die Ölversorgung aus dem Nahen Osten widerstandsfähiger gezeigt als zunächst befürchtet. Nach Schätzungen von JPMorgan erreichten die Rohölexporte Ende September wieder 98 Prozent des Vorkriegsniveaus. Deutlich angespannter ist die Versorgung mit raffinierten Ölprodukten: Die Liefermengen von Diesel und Benzin liegen demnach erst bei 58 Prozent des früheren Niveaus.

Hohe Zinsen belasten Edelmetalle

Zusätzlichen Druck erzeugt die amerikanische Geldpolitik. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte zwischenzeitlich rund 5,36 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2002. Gleichzeitig zeigen die Protokolle der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed, dass die Mehrheit der Teilnehmer bis zum Jahresende mit einer weiteren Zinserhöhung rechnet, analysieren die Experten von Heraeus.

Steigende Zinserwartungen und hohe Anleiherenditen schmälern die Attraktivität von Gold und anderen unverzinsten Anlagen. Entsprechend haben die vier Edelmetalle ihre Kursgewinne aus der August-Rally inzwischen nahezu vollständig wieder abgegeben.

Zentralbanken bleiben wichtige Goldkäufer

Während Anleger zurückhaltender agieren, setzen die Zentralbanken ihre Goldkäufe fort. Nach Angaben des World Gold Council beliefen sich die gemeldeten Nettokäufe im August auf 39 Tonnen, nach 23 Tonnen im Juli. Seit Jahresbeginn summierten sich die gemeldeten Käufe damit auf 170 Tonnen.

Besonders aktiv bleibt China. Die chinesische Zentralbank stockte ihre Reserven im August um 20 Tonnen auf und kaufte damit den 22. Monat in Folge Gold. Im September kamen weitere 21 Tonnen hinzu. Die Bestände der People’s Bank of China stiegen dadurch auf rund 2.408 Tonnen.

Auch Polen, Usbekistan und Kasachstan bauten ihre Reserven aus. Polen war im August mit insgesamt 98 Tonnen seit Jahresbeginn der größte gemeldete Käufer. Die polnischen Goldreserven erreichten damit 648 Tonnen und näherten sich dem angestrebten Ziel von 700 Tonnen.

Strategische Nachfrage stabilisiert den Markt

Die anhaltenden Zentralbankkäufe bilden ein wichtiges Gegengewicht zur schwächeren Investmentnachfrage. Anders als kurzfristig orientierte Anleger verfolgen Notenbanken überwiegend langfristige strategische Ziele und reagieren weniger empfindlich auf Preisschwankungen.

Dass zahlreiche Länder ihre Goldreserven trotz historisch hoher Preise weiter aufstocken, unterstreicht die Bedeutung des Edelmetalls als strategische Reserve, urteilt Hereus. Für den Goldmarkt bleibe diese Nachfrage ein stabilisierender Faktor – auch wenn hohe Zinsen, ein starker Dollar und geopolitische Unsicherheiten kurzfristig auf den Kurs drücken.

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