Niederlande verlagern 86 Tonnen Gold
Zinssorgen setzen Goldpreis unter Druck
De Nederlandsche Bank (DNB), die Zentralbank der Niederlande, hat zwischen März und August rund 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa nach London verlagert.
Bild: shutterstock / Dutchmen Photography
Nach seinem Höhenflug im August ist der Goldpreis deutlich unter Druck geraten. Am 25. August hatte das Edelmetall noch knapp 4.700 US-Dollar je Feinunze erreicht. Gewinnmitnahmen und vor allem die Rede des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh beim Notenbanktreffen in Jackson Hole leiteten anschließend eine Korrektur ein, berichtet Heraeus. Zeitweise testete Gold die Marke von 4.330 Dollar.
Warsh machte deutlich, dass die Inflation in den USA weiterhin zu hoch sei und sich der Arbeitsmarkt mit Vollbeschäftigung vereinbaren lasse. Die Finanzmärkte interpretierten seine Aussagen als Signal für eine straffere Geldpolitik. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Fed-Sitzung im September stieg nach seiner Rede deutlich an. Auch die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen zogen an.
Für Gold ist diese Entwicklung ein Belastungsfaktor: Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des unverzinsten Edelmetalls. Zusätzlichen Gegenwind lieferten zuletzt stärker als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten. Gleichzeitig bleibt das Umfeld von geopolitischen Risiken geprägt.
Indien will Goldkäufe bremsen
Auf der Nachfrageseite richtet sich der Blick erneut nach Indien, teilen die Analysten von Heraeus mit. Premierminister Narendra Modi habe die Bevölkerung dazu aufgerufen, nicht notwendige Goldkäufe einzuschränken. Hintergrund sind unter anderem die Auswirkungen hoher Edelmetall- und Energieimporte auf Handelsbilanz und Rupie.
Nach Angaben von Heraeus erreichten die indischen Goldimporte im Juli einen Wert von 4,16 Milliarden US-Dollar beziehungsweise rund 32 Tonnen. Im Juni waren es noch 1,97 Milliarden Dollar oder etwa 15 Tonnen gewesen. Modis Appell stellt allerdings keine neue gesetzliche Beschränkung des Goldkaufs dar.
Dass Gold trotz politischer Bemühungen um niedrigere Importe in Indien eine starke Stellung behält, zeigt sich auch im Schmuckhandel: Die Nachfrage wird weiterhin von der kulturellen Bedeutung des Edelmetalls sowie von Hochzeiten und religiösen Festen getragen.
Niederlande verlagern 86 Tonnen Gold
Auch bei den Zentralbanken bleibt Gold strategisch relevant. De Nederlandsche Bank (DNB) hat zwischen März und August rund 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa nach London verlagert. Hintergrund sind nach Angaben der Zentralbank zunehmende geopolitische Unsicherheiten und der Wunsch, einen größeren Teil der Reserven im Krisenfall schnell verfügbar zu haben.
London gilt als einer der wichtigsten Handelsplätze für physisches Gold. Bei der Bank of England gelagerte Bestände lassen sich nach Einschätzung der DNB besonders schnell handeln. Insgesamt verfügt die niederländische Zentralbank über rund 612,4 Tonnen Gold. Durch die Umschichtung ist London nun der wichtigste ausländische Lagerort der niederländischen Reserven.
Die Entscheidung unterstreicht laut Heraeus die Doppelrolle des Edelmetalls: Während höhere Zinsen kurzfristig den Goldpreis belasten können, betrachten Zentralbanken physisches Gold weiterhin als strategische Reserve und Absicherung gegen extreme systemische Risiken.
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