Raymond Weil

50 Stück für 50 Jahre

Raymond Weil feiert sein fünfzigstes Gründungsjubiläum mit einer Uhr, die die Zahl sehr wörtlich nimmt: Der Bicompax-Chronograph „Millesime The Fifty“ ist auf 50 Exemplare limitiert und wird von 50 original restaurierten Handaufzugskalibern aus dem Geburtsjahr der Marke angetrieben.

16. Apr. 2026 Mathias Menzel
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Raymond Weil – der Mensch, nicht die Marke – gründete sein Unternehmen 1976 in Genf, als die Quarzkrise gerade am schlimmsten wütete. Er selbst war da 50 Jahre alt, die Schweizer Uhrenindustrie taumelte, und er setzte trotzdem auf mechanische Handwerkskunst und zugängliche Schweizer Qualität. Sein Mut erwies sich als goldrichtig, denn die mechanischen Uhren waren alsbald wieder gefragt. So baute er eine unabhängige Familienmarke, die mittlerweile 50 Jahre alt ist und heute von seinem Enkel Elie Bernheim als CEO geführt wird.

Dass der aktuelle Patriarch die Uhr zum 50. Gründungsjubiläum auf den Namen „The Fifty“ taufte, ist damit keine simple Marketingentscheidung, sondern ein dicht gewebtes Zitat und die wohl einzige logische Möglichkeit: fünfzig Jahre Firma, einst von einem Fünfzigjährigen gegründet, ergibt fünfzig Jubiläums-Exemplare. Mehr geht doch nicht, oder?

Das Kaliber RW1976: ein Valjoux 23-6 von 1976, restauriert und fein dekoriert

Doch, geht. Denn das Herzstück von „The Fifty“ ist keine moderne Neuinterpretation, kein zeitgenössisches Automatikkaliber – sondern Raymond Weil beschaffte 50 original erhaltene Valjoux-23-6-Handaufzugswerke aus dem Jahr 1976. Für die Jubiläumsedition wurden sie von Grund auf restauriert und anschließend von Hand dekoriert. Jedes Werk trägt deshalb bei Raymond Weil die Bezeichnung Kaliber RW1976.

Der Valjoux 23-6 gehört zu den geschätzten Handaufzugs-Säulenrad-Chronographen der klassischen Schweizer Uhrmacherei. Er definierte Maßstäbe in Lesbarkeit, Zuverlässigkeit und Architektur – und wurde von bedeutenden Genfer Häusern verwendet. Das Kaliber läuft mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde und bietet eine Gangreserve von rund 48 Stunden. Die Finissierung ist der eigentliche Beleg des handwerklichen Anspruchs: schwarze Ruthenium-Hemmungsbrücke und Chronographenbrücke, Côtes de Genève, Anglage, gebläute Schrauben, 2N-Gold-gravierungen. Mehr Authentizität ist selten.

Das Zifferblatt: vier Felder, vier Charaktere

Das vierteilige Zifferblatt ist eine der dichtesten gestalterischen Aussagen, die Raymond Weil bislang in einem einzelnen Modell gemacht hat. Es teilt die Zifferblattfläche in vier konzentrisch angeordnete Ebenen mit je eigenem Finish und Charakter:

  • Äußerer Ring: silbergrau, kreisgebürstet, mit schwarzer Tachymeter-Skala
  • Kapitelring: gekörntes Finish mit schwarzen Stabindizes, Super-LumiNova (grün emittierend)
  • Zifferblattmitte: viergeteiltes Zentrum mit wechselnden horizontalen und vertikalen Rillen (Gadroune-Muster)
  • Zwei eingetiefte Chronographen-Hilfszeiger: kleine Sekunde bei 9 Uhr, 30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr – ein klassisches Bi-Compax-Layout

Die gebläuten Zeiger für Stunden, Minuten und Chronograph-Zentralzeiger sowie die Super-LumiNova-Beschichtung der Indexe gewährleisten auch bei schlechter Beleuchtung gute Ablesbarkeit.

Das Gehäuse: 37 mm Stahl, Weißgold-Lünette, Box-Saphirglas

Das 37-mm-Stahlgehäuse mit seiner Lünette aus 18-Karat-Weißgold greift bewusst auf die Proportionen klassischer Handaufzugs-Chronographen aus den 1960er- und 1970er-Jahren zurück. Im Markt der 40-mm-und-mehr-Chronographen ist das eine klare Aussage: keine moderne Überinterpretation, sondern Edelstahl, Weißgold und die richtige Größe für das richtige Kaliber.

Das gewölbte Box-Saphirglas – ein Detail, das sonst seltener Uhren und Vintage-Reissues vorbehalten ist – verstärkt den Eindruck, es hier mit einer Zeitreisenden zu tun zu haben. Es wirft das Licht anders als ein flaches Saphirglas und ist eines der visuell überzeugendsten Details des Modells. Die Wasserdichtheit beträgt 50 Meter; ein transparenter Saphirglasboden gibt den Blick auf das restaurierte und finissierte Kaliber frei.

Das anthrazitfarbene Kalbslederarmband mit blauem Futter trägt in erhabenen Buchstaben den Schriftzug „The Fifty“. Eine Dornschließe aus Edelstahl schließt das Ensemble ab.

Bei einem Preis von 9.990 Euro positioniert sich „The Fifty“ deutlich über dem regulären Millesime-Portfolio. Zurecht, denn es ist kein Massenprodukt mit Sammleredition-Aufkleber, sondern eine handwerklich nachweisbar aufwendige Kreation. Wer Raymond Weil kennt und schätzt – eine unabhängige Genfer Familienmarke, die seit 50 Jahren ohne Konzernrückenwind ihren eigenen Weg geht – wird verstehen, warum diese Uhr genau so und nicht anders ist.

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