Cartier

Die Rückkehr der Roadster

Nach 14-jähriger Abwesenheit bringt Cartier die Roadster zurück – und stellt klar: Das ist keine Nostalgie, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. Kann das Comeback funktionieren?

16. Apr. 2026 Mathias Menzel
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Als Cartier die „Roadster“ 2002 lancierte, war das eine bewusste Erweiterung des Spektrums (manche sprachen später weniger nett auch von Grenzüberschreitung). Das Haus, das für seine Schmuckuhren, für die „Tank“ und die „Santos“ bekannt war, trat plötzlich mit einer Uhr an, die ungeniert Automobil-Ästhetik zitierte: ein Tonneaugehäuse mit stromlinienförmigen Konturen, ein konzentrisch gerilltes Zifferblatt wie das Zifferblatt eines Tachometers, eine konische Krone, die an die Rücklichter amerikanischer Haifischflossen-Autos der 1950er-Jahre erinnert, und ein Datumsfenster mit kugelförmigem Vergrößerungsglas, einem Scheinwerfer gleich. Nieten und Schrauben auf der Lünette komplettierten die industrielle Anmutung.

Die Roadster verkaufte sich gut, so ist zu hören, sie wurde aber nie zum Kultmodell wie „Santos“ oder „Tank“ – möglicherweise, weil sie in der ursprünglichen Ausführung nicht ganz so elegant wirkte, wie es von einem Haus wie Cartier erwartet wurde. 2012 verschwand sie leise aus dem Programm. Auf dem Secondhand-Markt aber gewann sie kontinuierlich an Anhängern – und Cartier beobachtete das aufmerksam.

Das Comeback: Schärfung, nicht Neuerfindung

Über 100 Handwerker und Handwerkskünstler – Designer, Uhrmacher, Zifferblattmacher, Polierer, Stanzer – haben die neue „Roadster“-Kollektion entwickelt. Das Ergebnis ist keine Abkehr vom Original, sondern eine Schärfung ihrer Stärken: Die aerodynamische Silhouette bleibt, die Proportionen wurden überarbeitet, die Volumina neu austariert, die Ergonomie zeitgemäß gedacht.

Das konzeptionell Entscheidende ist die verbesserte Gehäuse-Krone-Integration: Krone, Datumvergrößerungsglas und Lünette bilden nun eine fließendere, nahtlosere Einheit. Das Zusammenspiel von Saphirglas und Metallgehäuse wurde neu konzipiert – es vereint Krone, Vergrößerer und Zifferblatt optisch zu einem kohärenten Körper. Vier neue Nieten auf der Lünette betonen die kraftvolle Designlinie, ohne sie zu überladen.

Tacho-DNA in zeitgenössischer Finissierung

Am Zifferblatt-Konzept des Originals hat Cartier hingegen festgehalten: Das konzentrisch gerillte Muster auf dem Kapitelring, die Eisenbahn-Minuterie (chemin de fer), die römischen Ziffern und die versteckte Cartier-Signatur bei der VII-Position. Was sich verändert hat, ist die handwerkliche Ausführung.

Die Applikationen entstehen nun durch ein Stanzwerkzeug, das dem Zifferblatt ein Reliefmuster verleiht – ein dreidimensionaler Effekt, der die Tiefenwirkung spürbar erhöht. Die Minutenskala wurde als Transfer-Druck aufgebracht; die Indizes erhalten einen zusätzlichen Schutzlack. Die säbelförmigen Zeiger der Stahlversionen sind in Blau oder Anthrazit ausgeführt und mit Super-Luminova beschichtet – ein Detail, das die sportliche Charakteristik dieser Varianten unterstreicht und gleichzeitig die Ablesbarkeit im Dunkeln sichert.

Die neue Roadster-Kollektion besteht aus zwei Größen und drei Materialkombinationen, wobei die große Stahlversion ist als einziges Modell auch mit einem dunkelblauen PVD-Zifferblatt erhältlich ist:

Large (47 × 38 mm, 10,06 mm Höhe) – Kaliber 1847 MC:

  • Stahl / weißes Zifferblatt, blaue säbelförmige Zeiger
  • Stahl / dunkelblaues PVD-Zifferblatt, anthrazitfarbene Zeiger
  • Gelbgold und Stahl (Bi-Metall) / weißes Zifferblatt
  • Gelbgold / weißes Zifferblatt

Medium (42,5 × 34,9 mm, 9,7 mm Höhe) – Kaliber 1899 MC:

  • Stahl / weißes Zifferblatt
  • Gelbgold und Stahl (Bi-Metall) / weißes Zifferblatt
  • Gelbgold / weißes Zifferblatt

Alle Modelle bieten eine Wasserdichtheit von 100 Metern (10 bar).

Die Werke sind nach bedeutenden Jahren benannt

Cartier setzt in der Roadster-Kollektion auf zwei hauseigene Manufakturkaliber, die nach bedeutsamen Jahreszahlen des Hauses benannt sind. Das Kaliber 1847 MC – 1847 ist das Gründungsjahr von Cartier – treibt die große Version an; das Kaliber 1899 MC – das Jahr, in dem Louis Cartier das Unternehmen übernahm und in die rue de la Paix zog – die mittlere Größe. Beide sind selbstaufziehende Mechanikwerke; technische Detailangaben über Frequenz und Gangreserve sind in der Pressemitteilung nicht spezifiziert.

Das Metallarmband der neuen Roadster-Kollektion ist das Ergebnis einer eigenständigen Designarbeit. Kürzere, ergonomischere Glieder sorgen für einen besseren Tragekomfort und eine natürlichere Drapierung am Handgelenk. Die zentralen Glieder sind horizontal positioniert und poliert, die Außenglieder gebürstet – ein Spiel aus Glanz und Satin, das die plastische Wirkung des Armbands steigert.

Das patentierte QuickSwitch-System erlaubt den werkzeuglosen Wechsel zwischen Metallarmband und Ersatzarmband. Die Stahlversion mit weißem Zifferblatt kommt mit einem zusätzlichen halbtmatten Alligatorlederarmband in Marineblau und einer stählernen Faltschließe; die Stahlversion mit blauem PVD-Zifferblatt mit einem dunkelblauen Kautschukarmband; alle Bicolor- und Gelbgold-Versionen mit einem halbmatten dunkelgrauen Alligatorarmband.

Wie steht es um die Erfolgsaussichten der überarbeiteten Kollektion? Die Roadster kehrt in einem Moment zurück, in dem der Markt für markante, eigenständig gestaltete Sportuhren außergewöhnlich aufnahmefähig ist – und Cartier hat mit der „Santos“ in den letzten Jahren gezeigt, wie man eine Ikone auch für eine neue Generation attraktiv macht. Die „Roadster“ ist in der geschärften Version nun geometrisch unverwechselbarer, automobiler und charaktervoller geworden.

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