Panerai
Läuft, und läuft, und läuft …
Wohl niemand versteht sich auf Gangreserve so wie Panerai. Als Giuseppe Panerai Mitte der 1950er-Jahre Taucheruhren für die Kampfschwimmer der königlichen italienischen Marine entwickelte, war Gangautonomie keine Komfortfrage, sondern eine operative Überlebensbedingung: Eine Uhr, die unter Wasser nachgezogen werden muss, ist eine Gefahr für den Träger. Die Antwort war das Angelus-Kaliber SF240 – ein ursprünglich für Tischuhren konzipiertes 16-Linien-Werk der Manufaktur Stolz Frères S.A., das für die GPF 2/56 in eine Armbanduhr adaptiert wurde und schon damals rund 200 Stunden Gangautonomie bot: acht Tage am Stück.
Diese acht Tage wurden zur DNA der Marke – und zum Maßstab für spätere Kaliber. Das P.2002 von 2005, Panerais erstes Manufakturkaliber, lieferte per patentierter Dreifederhaus-Architektur ebenfalls acht Tage Gangautonomie. Das Automatikkaliber P.2003 von 2007 steigerte sie auf zehn Tage (240 Stunden). Nun, 2026, kommt Kaliber P.2031/S mit – für Armbanduhren – schier unglaublich anmutenden 31 Tagen Gangreserve. Wie ist das gelungen?
Das Herzstück: vier Federhäuser in Reihe, 3,3 Meter Feder
Das Kaliber P.2031/S ist ein skelettiertes Handaufzugswerk – 276 Bauteile, 25 Lagersteine, 16 Linien Durchmesser, 10,06 mm Bauhöhe, Glucydur-Unruh mit Incabloc-Stoßsicherung, 3 Hz Gangfrequenz. Das Prinzip seiner hohen Gangautonomie ist technisch simpel erklärt, aber praktisch außerordentlich schwierig zu beherrschen: vier Federhäuser in Reihenschaltung mit einer kombinierten Zugfederlänge von 3,3 Metern – mehr als das Dreifache, was ein einzelnes Federhaus üblicherweise fasst.
Um diese Energie über den gesamten Betriebsmonat gleichmäßig und mit konstant hoher Chronometrie abzugeben, hat Panerai einen zum Patent angemeldeten Drehmomentbegrenzer entwickelt. Dieser limitiert das nutzbare Energiefenster aus einer theoretischen Kapazität von 36 Tagen auf das optimale 31-Tage-Betriebsfenster: Er blendet die oberen (zu straffen) und unteren (zu schlaffen) Drehmomentzonen der Federhäuser aus und sorgt so für konstante Kraftabgabe vom ersten bis zum letzten Betriebstag. Nach 31 Tagen hält das Werk automatisch an – um den Mechanismus zu schützen, auch wenn rechnerisch noch Reserve verbleibt.
128 Kronenumdrehungen füllen die gesamte Reserve auf – ohne Spezialwerkzeug, außergewöhnlichen Kraftaufwand oder separaten Aufziehschlüssel wie bei historischen Uhren mit extremer Gangreserve.
Das Skelett als Zifferblatt: eine mehrdimensionale Bühne
Das Kaliber P.2031/S zeigt sich vollständig offen – skelettiert – und macht das Werk zum eigentlichen Zifferblatt. Die vier Federhäuser sind von der Vorderseite aus sichtbar bei ungefähr 2 und 10 Uhr, die freigelegten Brücken und Räder erzeugen einen faszinierendem Schichteneffekt. Weißes Super-Luminova X2 auf den Stundenindizes und Zeigern mit goldenen Einfassungen sorgt für optimale Ablesbarkeit auch bei schlechtem Licht – klassische Panerai-Funktionalität.
Zwei Details sind besonders bemerkenswert. Erstens: eine patentierte polarisierte Datumsanzeige bei 3 Uhr. Die Datumsscheibe ist so konstruiert, dass sie nur durch das dafür vorgesehene Fenster sichtbar ist, ohne die durchbrochene Architektur des Zifferblatts zu stören – eine elegante Lösung für ein Problem, das viele Skelettuhren ungelöst lassen: das Datum wirkt bei einem offenen Werk oft wie ein Fremdkörper. Zweitens: eine gebogene Gangreserveanzeige, die sich der Kurvengeometrie des Kalibers anschmiegt und die verbleibende Reserve auch während des Aufziehens intuitiv lesbar macht.
Der Rehaut ist bewusst zurückhaltend gestaltet: Nur die Ziffern 12 und 6 sind aufgesetzt – ansonsten findet sich kein Minutenring, kein Tachymeter, keine Ablenkung vom Werk.
Rotgold, das nicht verblasst
Das 44-mm-Gehäuse der PAM01631 besteht aus Panerai Goldtech, einer exklusiven Legierung des Hauses, die 2019 eingeführt wurde. Ihre Zusammensetzung: rund 75% Gold, 24% Kupfer und 0,4% Platin. Das Kupfer verleiht dem Material seinen markanten, satt-rotgoldenen Farbton – wärmer und tiefer als konventionelles Rotgold. Das Platin erfüllt eine funktionale Aufgabe: Es verlangsamt die Oxidation und verhindert das Anlaufen, das bei kupferreichen Legierungen typischerweise eintritt. Das Ergebnis ist ein Material, das optisch intensiver wirkt als Gelbgold und langlebiger als reines Rotgold – und das durch seinen hohen Kupferanteil eine Härte erreicht, die es widerstandsfähiger gegen Kratzer macht als klassische Goldlegierungen.
Gehäuse und Lünette sind in unterschiedlichen Finissierungen gehalten: das Gehäuse satiniert, die Lünette poliert – ein bewusstes Spiel mit Oberflächen, das dem bulligen Luminor-Körper zusätzliche Tiefenwirkung verleiht. Der verschraubte Gehäuseboden mit Saphirglasfenster erlaubt den Blick auf die Rückseite des Kalibers. Die Wasserdichtheit ist mit 10 bar angegeben, also rund 100 Metern.
Armband und Schließe: praktisch bis ins letzte Detail
Zur PAM01631 gehört ein schwarzes Alligatorlederarmband mit einer neuen Faltschließe aus Panerai Goldtech, die das PAM Click Release System integriert – ein patentiertes Sicherungssystem, das die Uhr beim Öffnen der Schließe fixiert, bevor das Armband vollständig entriegelt wird. Das verhindert das versehentliche Herunterfallen der Uhr beim Abnehmen – ein Detail, das für einen Zeitmesser dieses Werts und dieser Limitierung kein unwichtiger Gedanke ist. Das zweite, in der blauen Kirschholzschatulle enthaltene Armband aus schwarzem Kautschuk erlaubt werkzeuglos einen vollständig anderen Charakter der Uhr: von gepflegt-formell bis sportlich-robust.
Die Uhr ist auf 200 Exemplare limitiert und im Vertrieb den eigenen Boutiquen von Panerai vorenthalten.
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