BVSU präsentiert Außenhandelszahlen für erstes Quartal 2026
Rekordzahlen mit Schattenseiten
Bild: shutterstock / Tero Vesalainen
Die deutsche Schmuck- und Uhrenbranche verzeichnet im ersten Quartal 2026 historische Außenhandelszahlen, doch hinter den Rekordwerten steht nach Einschätzung der Industrie vor allem der massive Anstieg der Edelmetallpreise. Wie aus aktuellen Zahlen des Bundesverbands Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien (BVSU) hervorgeht, erreichte der Export von Schmuck, Gold- und Silberwaren mit rund 2,42 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht dies einem Plus von knapp 50 Prozent.
Preiseffekt: Rekordzahlen spiegeln gestiegenen Materialwert statt reales Produktionswachstum wider
Auch die Importe legten deutlich zu und stiegen auf 2,04 Milliarden Euro. Die Statistik vermittelt damit auf den ersten Blick ein äußerst dynamisches Bild der Branche. Tatsächlich spiegeln die Werte laut Mitteilung jedoch vor allem die drastische Preisentwicklung bei Gold, Silber und Platin wider.
Gold erreichte Ende 2025 neue Rekordstände von über 4.400 US-Dollar je Unze. Silber verteuerte sich im gleichen Zeitraum um rund 150 Prozent, Platin um mehr als 110 Prozent. Als Ursachen gelten die anhaltenden geopolitischen Spannungen, darunter der Ukrainekrieg, die Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie die jüngste Eskalation im Nahen Osten.
Besonders deutlich zeigt sich der Preiseffekt beim Export von Edelmetallen und Halbzeugen. Dieser stieg im ersten Quartal 2026 auf 1,34 Milliarden Euro und lag damit mehr als 60 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Zahlen spiegeln laut Branchenanalyse jedoch weniger ein reales Produktionswachstum als vielmehr den gestiegenen Materialwert wider.
Beim Export von vollendetem Schmuck wurde ein Wert von 823,5 Millionen Euro erzielt – ein Plus von rund 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hier könnte neben dem Preiseffekt auch eine leichte Erholung der internationalen Nachfrage eine Rolle spielen. Gleichzeitig stiegen die Importwerte für Fertigschmuck ebenfalls an.
Auffällig entwickelte sich zudem der Export von Edelsteinen, Diamanten und Perlen. Mit 264,2 Millionen Euro lag dieser Wert mehr als doppelt so hoch wie in den Vorjahresquartalen in 2025 und 2024. Der BVSU spricht in der Pressemitteilung von einer „spezifischen Marktdynamik“, die gesondert beobachtet werden müsse.
Weniger volatil präsentiert sich dagegen die Uhrenindustrie. Der Export von Uhren und Uhrenteilen stieg im ersten Quartal 2026 moderat auf 470,1 Millionen Euro, was einem Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Export von Kleinuhren blieb nahezu stabil. Gleichzeitig legten die Importe von Uhren und Uhrenteilen um 13,8 Prozent zu.
Gestiegener Kapitalbedarf und eingeschränkte Planbarkeit
Die Branche sieht sich angesichts der hohen Edelmetallpreise zunehmend unter Druck. Der gestiegene Kapitalbedarf, schwierige Preisfindungen und eine eingeschränkte Planbarkeit belasten viele Unternehmen. Hinzu kommt eine weiterhin verhaltene Konsumstimmung in Europa.
Zweites Quartal wird mehr wirtschaftliche Aussagekraft bringen
Die aktuellen Zahlen liefern daher laut Mitteilung nur bedingt ein realistisches Bild der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage. Aussagekräftiger dürfte erst das zweite Quartal werden, wenn sich zeigt, wie stabil die internationale Nachfrage nach dem saisonal starken Jahresauftakt tatsächlich ist.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.