Technologischer Fortschritt treibt die Nachfrage

Iridium und Ruthenium auf Rekordhoch

Die Preise für Iridium und Ruthenium haben neue Höchststände erreicht, berichtet Heraeus. Eine steigende industrielle Nachfrage und ein begrenztes Angebot treiben die beiden Platinmetalle.

19. Okt. 2026 Christian Lücke
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Die beiden Platingruppenmetalle Iridium und Ruthenium haben in der vergangenen Woche neue Rekordpreise erreicht. Verantwortlich dafür seien eine robuste industrielle Nachfrage und ein strukturell begrenztes Angebot, schreibt Heraeus. Da beide Metalle ausschließlich als Koppelprodukte bei der Förderung anderer Platingruppenmetalle (PGM) gewonnen werden, lässt sich ihre Produktion bei steigender Nachfrage nicht kurzfristig erhöhen.

Die Märkte sind vergleichsweise klein: Weltweit werden jährlich rund eine Million Feinunzen Ruthenium und etwa 300.000 Feinunzen Iridium produziert. Die Fördermengen hängen dabei von der Wirtschaftlichkeit der gesamten Platinmetallproduktion ab und nicht von den Preisen der einzelnen Metalle. Veränderungen der Nachfrage können deshalb besonders starke und schnelle Preisbewegungen auslösen.

Technologischer Fortschritt treibt die Nachfrage

Ruthenium profitiert insbesondere von der Nachfrage aus der Elektronikindustrie und dem Ausbau von Rechenzentren. Das Metall wird unter anderem in den magnetischen Speicherschichten von Festplatten eingesetzt. Allerdings könnte die zunehmende Verbreitung der sogenannten HAMR-Technologie (Heat-Assisted Magnetic Recording), die deutlich weniger Ruthenium benötigt, diesen Bedarf langfristig reduzieren. Weitere Anwendungen finden sich in Elektrodenbeschichtungen und chemischen Katalysatoren, etwa bei der Herstellung von Polyester und Nylon.

Iridium wird unter anderem für Schmelztiegel zur Kristallzüchtung benötigt. Die so hergestellten Kristalle kommen beispielsweise in Smartphone-Filtern und medizinischen Scannern zum Einsatz. Hinzu kommen Elektrodenbeschichtungen und PEM-Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion. Die prognostizierte Nachfrage aus dem Elektrolyseur-Sektor wurde allerdings in den vergangenen Jahren nach unten korrigiert.

Südafrika als entscheidender Lieferant

Ein wesentlicher Faktor für die Preisentwicklung sei laut Heraeus zudem die Konzentration der Förderung auf wenige Regionen. Südafrika steht für rund 90 Prozent des weltweiten Rutheniumangebots und etwa 80 Prozent der Iridiumversorgung. Im August lag die dortige Produktion von Platingruppenmetallen um 22,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das erhöht das Risiko weiterer Angebotsengpässe.

Wie volatil die Märkte reagieren können, zeigt die jüngste Preisentwicklung bei Ruthenium. Nachdem das Metall bereits auf 1.895 US-Dollar je Feinunze gestiegen war, fiel der Preis zwischenzeitlich auf rund 1.520 US-Dollar zurück. Dazu trugen unter anderem Metallbestände aus Japan bei, die bei starken Preissteigerungen auf den Markt gelangen. Ein geringerer Zufluss aus diesen Beständen könnte zusammen mit dem angespannten Angebot aus Südafrika den erneuten Preisanstieg erklären.

Kleine Märkte, große Preissprünge

Extreme Preisbewegungen sind bei beiden Metallen kein neues Phänomen, ordnen die Analysten von Heraeus ein: Bereits Ende 2006 habe sich Ruthenium durch den Einsatz in einer neuen Festplattentechnologie innerhalb von zwei Monaten nahezu auf das Dreifache verteuert und erreichte damals 600 US-Dollar je Feinunze. Iridium erlebte 2010 und 2011 einen Preisschub durch den steigenden Bedarf an Kristallzuchttiegeln für die LED-Produktion. 2021 sorgte zudem ein Produktionsausfall bei Anglo American Platinum für neue Höchststände beider Metalle.

Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht die hohe Abhängigkeit der Spezialmetallmärkte von industriellen Anwendungen und wenigen Förderregionen. Anders als bei Gold oder Silber wird die Preisbildung bei Iridium und Ruthenium besonders stark durch Veränderungen des industriellen Bedarfs und die begrenzte Verfügbarkeit bestimmt.

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