Gold verliert trotz geopolitischer Krisen
Goldmarkt zwischen Inflation und Zinswende
Ölbohrtürme auf einem Ölfeld
Bild: shutterstock / Hamara
Der Goldpreis steht derzeit unter dem Einfluss zweier gegenläufiger Entwicklungen. Einerseits treiben geopolitische Spannungen den Ölpreis und damit die Inflationsrisiken nach oben. Andererseits sinken die Renditen amerikanischer Staatsanleihen, was Gold als zinslose Anlage grundsätzlich attraktiver macht. Bislang überwiegen jedoch die Belastungsfaktoren, urteilt Heraeus: Der Goldpreis ist wieder in Richtung 4.000 US-Dollar je Feinunze gefallen.
Neuerlicher Ölpreisanstieg
Auslöser für den jüngsten Ölpreisanstieg sind erneute Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich daraufhin auf mehr als 110 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig seien laut dem Datenanbieter Kpler die schwimmenden iranischen Ölvorräte, die trotz der US-Blockade weiterhin chinesische Raffinerien versorgt hatten, Mitte Oktober aufgebraucht worden, berichtet Heraeus. Öl zur Lieferung in einem Jahr wird derzeit mit rund 89 US-Dollar je Barrel gehandelt. Die Preisdifferenz deutet auf erhebliche kurzfristige Risiken und länger anhaltende Versorgungsprobleme hin.
Gold im Dilemma
Für Gold entsteht daraus ein Dilemma: Zwar erhöhen geopolitische Krisen traditionell die Nachfrage nach dem Edelmetall als sicherem Hafen. Gleichzeitig verstärken hohe Energiepreise jedoch die Inflationsgefahr. An den Finanzmärkten wird deshalb weiterhin fest mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Dezember gerechnet.
Entlastung kommt von den amerikanischen Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries ist von rund 5,35 Prozent Anfang Oktober auf etwa 5,0 Prozent gesunken. Auch die inflationsbereinigte Realrendite fiel von mehr als 2,9 auf knapp 2,6 Prozent. Hintergrund sind unter anderem wachsende Zweifel an hohen Bewertungen und dem Kapitalbedarf von Unternehmen im Bereich künstlicher Intelligenz. Anleger schichten deshalb verstärkt in Staatsanleihen um.
Niedrigere Renditen reduzieren zwar die Opportunitätskosten einer Goldanlage, schreibt Heraeus. Allerdings konkurrieren US-Staatsanleihen bei weiterhin hohen Renditen und einem starken Dollar direkt mit Gold um sicherheitsorientierte Anleger. Eine nachhaltige Erholung des Goldpreises dürfte daher vor allem von sinkenden Ölpreisen bei gleichzeitig rückläufigen Anleiherenditen profitieren.
Russland verkauft weiter Goldreserven
Unterdessen setzt Russland den Abbau seiner staatlichen Goldbestände fort. Im September verkaufte die russische Zentralbank rund sechs Tonnen Gold – bereits der zehnte Verkaufsmonat in Folge. Die Reserven sanken damit auf etwa 2.260 Tonnen und erreichten den niedrigsten Stand seit 2019.
Seit Dezember haben sich die Bestände um rund 62 Tonnen verringert. Damit übersteigen die Verkäufe bereits den Nettoabbau von etwa 50 Tonnen während der russischen Finanzkrise 1998. Hintergrund ist der zunehmende Druck auf den Staatshaushalt. Für 2026 rechnet das russische Finanzministerium inzwischen mit einem Defizit von 7,35 Billionen Rubel (rund 82 Milliarden Euro), nachdem ursprünglich 3,79 Billionen Rubel (rund 42,3 Milliarden Euro) veranschlagt worden waren.
Russland bildet damit eine Ausnahme vom internationalen Trend. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken weltweit zwischen Januar und August netto rund 170 Tonnen Gold hinzu – trotz der Verkäufe Russlands und der Türkei. Während viele Notenbanken ihre Goldreserven weiter aufstocken, gewinnt für Russland die Finanzierung des Staatshaushalts zunehmend an Bedeutung.
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