Hesse Lab

„Wir sind im Stadium Lab-Grown 2.0“

Der synthetische Diamant ermöglicht neue Designs. Parallel dazu haben sich die Prioritäten der Käufer verschoben, sagt Carl Raffael Hillejan von Hesse. Tragekomfort, Flexibilität oder Alltagstauglichkeit werden wichtiger. Seine Antwort: das neue Ringsystem „FlowMotion“.

30. März 2026 Ulrich Voß
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Führen das Traditionsunternehmen in die nächste Generation: Carl Raffael Hillejan und Franziska Jasper

Sind synthetische Diamanten im Fachhandel endgültig angekommen?

Carl Raffael Hillejan: Ich glaube, wir sind bereits einen Schritt weiter und haben das Stadium „Lab-Grown 2.0“ erreicht. Uns fällt auf, dass der Konsument seine Kaufentscheidungen zunehmend bewusst trifft. Es geht ihm beim Lab-Grown weniger um eine Alternative, sondern stärker um Stil, Ausdruck und Individualität. Social Media verstärkt diesen Trend deutlich.

Woran machen Sie das veränderte Konsumverhalten fest?

Schmuck wird nicht mehr ausschließlich über Design definiert, sondern zunehmend auch über Funktion gedacht. Aspekte wie Tragekomfort, Flexibilität und Alltagstauglichkeit gewinnen an Bedeutung – sowohl aus Sicht des Endkunden als auch im Verkaufsgespräch im Fachhandel.

Welche Bedeutung spielt der synthetische Diamant dabei?

Lab-Grown-Diamanten haben den Markt in kurzer Zeit erweitert. Sie machen größere Steine, neue Designs und mehr Individualität für eine breitere Zielgruppe zugänglich. Für den Fachhandel eröffnet das neue Möglichkeiten, sich zu differenzieren und Kunden noch gezielter anzusprechen. Wir sind überzeugt, dass dieses Thema künftig weiter an Bedeutung gewinnt und entwickeln mit Konzepten wie „FlowMotion“ gezielt Lösungen, die diesen Anspruch konsequent weiterdenken.

Ein kleines, aber wesentliches Detail macht den „FlowMotion“-Ring von Hesse Lab besonders. Die flexible Innenschiene kann bis zu vier Ringgrößen ausgleichen

Um was geht es bei Ihrer neuen Ringserie?

Es geht um Flexibilität. Im Kern der Ringe steht ein bewegliches Innenleben, das sich flexibel an den Finger anpasst und dadurch ein deutlich angenehmeres Tragegefühl ermöglicht. Die äußere Gestaltung bleibt dabei unverändert – klassisch, präzise gearbeitet und hochwertig umgesetzt. Die Innovation liegt somit nicht im Sichtbaren, sondern im Inneren. Der Träger hat spürbar mehr Komfort im Alltag. Die Ringe passen sich an die natürlichen Größenveränderungen im Tagesverlauf an und erleichtern das An- und Ablegen, auch bei ausgeprägteren Fingerknöcheln.

Über das Thema Arthrose wird in unserer Branche selten kommuniziert, obwohl es in Beratungsgesprächen regelmäßig auftaucht. Arthrose verdickt die Fingerknöchel, laut Robert Koch-Institut sind 17 Prozent der Erwachsenen davon betroffen …

… und freuen sich über bequemes An- und Ablegen von Ringen, wenn sie größere Fingerknöchel haben. Ein Ring mit flexibler Innenschiene vereinfacht aber auch das Schenken von Ringen bei Größenunsicherheit. Das gibt mehr Sicherheit beim Verkauf – bei geringerem Lager. Auf Wunsch setzen wir „FlowMotion“-Modelle sowohl mit synthetischen als auch mit natürlichen Diamanten um. Ergänzend umfasst das Sortiment auch andere flexible Schmuckkonzepte wie Flex-Armbänder oder passende Ringmodelle mit Lab-Grown-Diamanten.

Wie funktioniert bei Ihnen intern die Koexistenz von natürlichen und synthetischen Diamanten?

Natürliche Diamanten bleiben fester Bestandteil unserer Schmuckstücke. Gleichzeitig eröffnet Lab-Grown neue Möglichkeiten – sowohl gestalterisch als auch in der Ansprache der Kunden. In den vergangenen zwölf Monaten konnten wir eine Vielzahl neuer Kunden für Hesse Lab gewinnen – darunter auch Juweliere, die unserem Ansatz zu Beginn noch zurückhaltend oder skeptisch gegenüberstanden. Heute sehen wir, dass sich diese Wahrnehmung deutlich verändert hat. Rückblickend war es wichtig, diesen Impuls früh zu setzen und konsequent weiterzuentwickeln.

Die „FlowMotion“-Ringe von Hesse Lab können wahlweise mit natürlichen oder synthetischen Diamanten besetzt werden.

Die Einführung von Hesse Lab war für uns kein Selbstläufer. Gerade in einem traditionell geprägten Familienunternehmen im Schmuckbereich gibt es naturgemäß unterschiedliche Perspektiven auf neue Themen. Wir haben uns dennoch bewusst dafür entschieden, diesen Schritt früh zu gehen. Nicht, um Bestehendes zu ersetzen, sondern um unser Sortiment sinnvoll zu erweitern und neue Zielgruppen zu erschließen.

Gleichzeitig passt dieser Schritt auch zu unserer eigenen Geschichte: Bereits mit der Gründung von Hesse wurde ein damals neues Produkt etabliert – Zuchtperlen, die erst durch technologischen Fortschritt und kontrollierte Zucht möglich wurden. Lab-Grown-Diamanten gehen einen anderen Weg, zeigen aber ebenso, wie Innovation neue Möglichkeiten im Schmuck eröffnet.

Verändert diese neue Chance Ihre Rolle als Lieferant?

Ja und Nein. Die Produkte, die wir vertreiben, sind neu, aber ein Punkt bleibt zentral: die enge Zusammenarbeit mit dem Fachhandel. Wir verstehen uns als Partner im Verkauf und investieren gezielt in Strukturen, die den Alltag im Geschäft erleichtern. Dazu zählen ein aktiver Außendienst, der regelmäßig vor Ort ist, sowie ein Auswahlservice, der es ermöglicht, flexibel auf Kundenwünsche einzugehen. Parallel dazu haben wir in den vergangenen Monaten bewusst in Lager und Prozesse investiert, um eine hohe Lieferfähigkeit und Verlässlichkeit sicherzustellen. Unsere Kollektionen werden kontinuierlich weiterentwickelt und durch POS-Materialien wie Kataloge und Bilder ergänzt, die den Verkauf unterstützen.

Ein wichtiger Bestandteil ist zudem unser individueller Entwicklungsservice für Einzelstücke. Viele Verbraucher kommen heute mit konkreten Vorstellungen oder Bildideen ins Geschäft. Wir unterstützen den Fachhandel dabei, diese Impulse strukturiert umzusetzen – von der Entwurfsphase bis zur finalen Fertigung.

Trends am Markt

Nach den ersten zwölf Monaten am Markt macht Hesse Lab folgende aktuelle Trends im Bereich der synthetischen Diamanten aus:

Größen

Die Nachfrage verschiebt sich deutlich in Richtung größerer Steine. Besonders gefragt ist aktuell der Bereich zwischen 2,0 und 4,0 ct. Klassische Größen unter 1 ct. verlieren im Lab-Grown-Segment an Bedeutung. Größere Steine werden dabei nicht nur aus Preisgründen gewählt, sondern zunehmend als gestalterisches Element verstanden.

Farben

Auch im Bereich Fancy Colors zeigt sich eine wachsende Nachfrage, insbesondere bei Blau-, Pink- und Grüntönen. Hesse Lab hat sein Sortiment an losen Steinen gezielt erweitert und bietet eine breite Auswahl an Fancy Colors in unterschiedlichen Schliffen und Formen an, um individuelle Kundenwünsche flexibel abbilden zu können.

Schliffe / Formen

Ein klarer Trend zeigt sich bei elongierten, gestreckten Formen. Besonders stark nachgefragt sind Oval, Emerald Cut und Elongated Cushion. Diese Schliffe wirken am Finger größer und moderner. Klassische runde Brillanten bleiben relevant, verlieren jedoch leicht an Dominanz.

Design

Im Design dominiert eine klare, reduzierte Sprache, bei der der Stein im Mittelpunkt steht. Gleichzeitig gewinnen Details an Bedeutung – etwa Hidden Halo oder feine Pavé-Fassungen, die zusätzliche Brillanz schaffen, ohne das Gesamtbild zu überladen.

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