Nevermined

So klingt Zukunft

Im Laufe des nächsten Jahres will der deutsche Diamant-Hersteller Nevermined nicht nur in die schwarzen Zahlen, sondern auch die Schleif- und Polierprozesse vollautomatisiert haben. Wir haben nachgefragt bei den Inhabern Christine und Michael Marhofer.

30. März 2026 Ulrich Voß
Kommentare (0) Link kopieren

Voll auf Kurs: Der deutsche Lab-Grown-Hersteller Nevermined erreicht seine Ziele, wie die beiden Inhaber Michael und Christine Marhofer berichten

Wie steht es um den Gamechanger Lab-Grown im Jahr 2026?

Michael Marhofer: Pauschal lässt sich das kaum beantworten. Für Nevermined entwickelt sich das Geschäft sehr gut, was sicher auch an unseren klaren Alleinstellungsmerkmalen im Bereich nachhaltiger Lab-Grown-Diamanten und unserer Kundennähe durch das direkte Vertriebsmodell liegt. Gleichzeitig beobachten wir in China und vor allem in Indien bei kleineren Herstellern eine Marktbereinigung. Viele dieser Hersteller verschwinden.

Woran liegt das?

Daran zeigt sich, dass Lab-Grown-Diamant nicht gleich Lab-Grown-Diamant ist. Vor allem im europäischen Markt wird sehr bewusst nach einer echten Alternative gesucht, nach Lab-Grown-Diamanten, die nicht nur qualitativ überzeugen, sondern auch in puncto Nachhaltigkeit glaubwürdig sind. Dieses Versprechen nimmt man, und das zu Recht, nicht jeder Region beziehungsweise jedem Lieferanten ab. Uns aber schon.

„Dass mittlerweile 50 Prozent unserer verkauften Lab-Grown-Diamanten farbig sind, hatten wir – vor allem in dieser Geschwindigkeit – nicht erwartet.“
Michael Marhofer, Inhaber

Hat sich Ihre Grundannahme bewahrheitet, dass kein Trend zu stoppen ist, der von Konsumenten unterstützt wird?

Christine Marhofer: Ja, die Grundannahme hat sich bestätigt und überrascht uns auch nicht. Nachhaltigkeit wird insbesondere in Europa immer wichtiger, vor allem bei jüngeren Zielgruppen. Gleichzeitig ist ein Lab-Grown-Diamant eben kein Ersatzprodukt, sondern ein echter Diamant. Wenn Herkunft, Qualität und Verantwortung zusammenkommen, fällt die Entscheidung für viele Konsumenten heute deutlich leichter. Und auch Juweliere und Goldschmiede haben sich in den vergangenen 12 Monaten deutlich offener bei dem Thema gezeigt. Das können wir aus den vielen tausend Kundengesprächen, die wir im Jahr führen, erkennen. Nicht zuletzt auch wegen der stark gestiegenen Edelmetallpreise und dem daraus resultierenden Preis-, Margen- und Umsatzdruck.

Welche Punkte haben sich planmäßig entwickelt, welche schlechter, welche besser?

Michael Marhofer: Ich würde nicht unbedingt von besser oder schlechter sprechen, sondern eher von anders als erwartet. Beispielsweise sind wir von der starken Nachfrage nach farbigen Diamanten anfänglich doch ein wenig überrascht worden. Mittlerweile sind 50 Prozent der verkauften Nevermined Lab-Grown-Diamanten farbig, Tendenz deutlich steigend. Das hatten wir, vor allem in dieser Geschwindigkeit, nicht erwartet.

Deutlich schneller als ursprünglich geplant sind wir auch mit unseren Vertriebsaktivitäten ins Ausland gegangen. So haben wir in Dänemark eine eigene Niederlassung gegründet, in den Niederlanden stehen wir kurz vor dem Abschluss der Gründung einer eigenen Niederlassung und für dieses Jahr stehen noch Großbritannien und die Schweiz auf dem Programm.

Christine Marhofer, Inhaberin

Die Produktion von Labordiamanten im eigenen Land ist für Sie und Ihre Frau sicherlich eine Herzensangelegenheit, trotzdem aber auch ein klassisches Invest. Liegt auch der Businessplan von Nevermined und Mandana im Zeitplan?

Michael Marhofer: Ja, unser Businessplan liegt absolut im Zeitplan. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Umsatzziele nahezu punktgenau auf den Euro erreicht, und auch der Start in dieses Jahr zeigt uns, dass wir unsere ambitionierten Ziele für 2026 erreichen können. Dementsprechend gehen wir weiter davon aus, dass wir unsere Mittelfristplanung so umsetzen können wie geplant, die beispielsweise das Erreichen der Profitabilität in 2027 vorsieht.

Schaut man sich in Ihrer Produktion in Essen um oder hört Ihrem technischen Direktor Dr. Dennis Oing zu, gibt es noch ganz viele neue Kapitel, die sich vom traditionellen Diamantbusiness stark unterscheiden, beispielsweise der vollautomatische Schleifprozess oder neue Schliffe. Welches Thema fokussieren Sie als Nächstes?

Michael Marhofer: Unser Ziel ist es, den gesamten Prozess der Produktion in Essen abzubilden. Für alle Diamanten oberhalb der Melee-Größe wollen wir das bis Ende 2027 umgesetzt haben. Bei der automatisierten Planung der Rohdiamanten und beim automatisierten Schleifen kommen wir sehr gut voran. Wir gehen derzeit davon aus, ab Ende des ersten Quartals 2027 in die Serie gehen zu können.

Das Thema automatisches Polieren ist ein bisschen komplexer und wird noch etwas mehr Zeit benötigen. Aber auch hier sind wir zuversichtlich, bis Ende 2027 serientauglich zu sein. Man muss dabei bedenken, dass es in unserer Industrie zwar schon an vielen Stellen teilautomatisierte Schritte gibt, zwischen diesen Prozessschritten aber immer wieder mit Handarbeit gearbeitet wird. Das mag in Indien und China funktionieren, in Deutschland geht das so aber nicht. Daher müssen wir alle Automatisierungsschritte weitestgehend selbst entwickeln, damit es am Ende wirklich automatisiert ist und Lohnkosten keine Rolle mehr spielen. Und das dauert leider seine Zeit.

„Unsere Zielmarke: Bis in fünf Jahren wollen wir eine Million Karat Rohdiamant pro Jahr herstellen.“
Christine Marhofer, Inhaberin

Wie wird das Unternehmen in fünf Jahren aussehen?

Christine Marhofer: Unser Plan ist, unsere Kunden in fünf Jahren in 15 bis 20 europäischen Ländern aus eigenen Niederlassungen heraus zu bedienen und zu beraten. Gleichzeitig wollen wir auch weiterhin die gesamte Bandbreite an Lab-Grown-Diamanten herstellen, also alle Größen, die wichtigsten Schliffe, verschiedenste Farben, von Melee bis hin zu 10 ct. und bei Bedarf auch darüber hinaus. Und wir wollen nicht nur der erste Hersteller in Europa sein, sondern einer der größten Lieferanten von Lab-Grown-Diamanten. Unsere Zielmarke ist bis dahin die Herstellung von einer Million ct Rohdiamant pro Jahr.

Der Silberpreis geht derzeit durch die Decke. Unter anderem wegen der industriellen Nutzungen in Photovoltaikanlagen, Batterien oder Halbleitern. Diamanten als eines der härtesten, chemisch stabilsten und wärmeleitfähigsten Materialien haben ähnliche Vorzüge. Werden Sie in die industrielle Nutzung einsteigen?

Michael Marhofer: Wir sind in diesem Bereich bereits aktiv, können dazu aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen allerdings keine weiteren Angaben machen.

Wie steht es aktuell um das Projekt der Energierückgewinnung und Einspeisung von überschüssigem Nevermined-Strom ins städtische Netz?

Michael Marhofer: Von unserer Seite aus sind die Voraussetzungen geschaffen. Aktuell liegt es vor allem in der Hand der Stadtwerke Essen, die notwendigen Förder- und Genehmigungsprozesse für Teile des Leitungssystems sowie weitere infrastrukturelle Fragen zu klären. Auf gut Deutsch: Es dauert noch ein bisschen.

Keine Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

3 Monate nur 27€ 3€
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer

Inhalt