Aus Frust-Moment wurde Marketing-Clou
Schatzsuche statt klassischer Werbung
Juwelier Chris Wisman (links)
Bilder: Facebook / Diamond Wise & shutterstock / Pixel-Shot
Diamanten verstecken, Hinweise auf Social Media veröffentlichen und die Menschen auf Schatzsuche schicken: Mit dieser ungewöhnlichen Marketingidee sorgt der US-amerikanische Juwelier Chris Wisman für Aufmerksamkeit. Wie das Branchenmagazin JCK berichtet, veranstaltet der Inhaber von Diamond Wise im US-Bundesstaat Louisiana regelmäßig öffentliche Suchaktionen, bei denen die Finder wertvolle Diamanten und Schmuckstücke behalten dürfen. Die Videos dazu erreichen Tausende Aufrufe, auch lokale Zeitungen und Fernsehsender sind bereits auf die Aktion aufmerksam geworden.
Aus einer spontanen Idee wird eine Marketingaktion
Der Ausgangspunkt war denkbar ungewöhnlich: Ein Kunde hatte einen eigens angefertigten Ring im Wert von 4.000 US-Dollar nicht abgenommen. Statt das Schmuckstück wieder einzuschmelzen, entschied sich Wisman, es in einem Waldstück zu verstecken und die Suche über Facebook und TikTok zu begleiten. Der Finder durfte den Ring behalten.
Die Resonanz war so groß, dass weitere Aktionen folgten. Bei der zweiten Schatzsuche versteckte Wisman einen losen Diamanten im Marquiseschliff mit 2,59 Karat, bei der dritten einen ovalen Diamanten mit drei Karat. Letztere lockte nach Angaben des Juweliers rund 200 bis 300 Menschen in einen Park. Die versteckten Edelsteine, darunter sowohl natürliche als auch im Labor gezüchtete Diamanten, hatten laut JCK Werte zwischen 2.000 und 6.000 US-Dollar.
Wisman sieht die Aktionen als vergleichsweise günstige Alternative zu klassischer Werbung. Gegenüber JCK berichtet er von deutlich gestiegenen Verkäufen infolge der Videos. Unabhängig überprüfbare Umsatzzahlen nennt der Bericht allerdings nicht.
Was könnten deutsche Juweliere daraus lernen?
Das Prinzip ist auch hierzulande nicht unbekannt. Instagram-Accounts wie „cash_catchhannover“ setzen auf sogenannte „Money Hunts“: Geldscheine werden an öffentlichen Orten versteckt, Hinweise und Videos dazu auf Social Media veröffentlicht. Wer schnell genug ist, kann das Geld finden und behalten.
Für Juweliere könnte sich dieses Konzept auf die eigene Branche übertragen lassen. Allerdings stellt sich die Frage, ob dafür tatsächlich Diamanten im Wert mehrerer Tausend Euro notwendig sind.
Denkbar wären beispielsweise kleine Gold- oder Silberstücke, etwa wenige Gramm Edelmetall, oder ausgewählte Schmuckstücke aus dem eigenen Sortiment. Gerade bei hohen Edelmetallpreisen besitzen selbst kleine Mengen Gold einen attraktiven materiellen Wert. Zugleich ließe sich damit eine direkte Verbindung zum Sortiment und zur Kompetenz des Juweliers herstellen.
Eine weitere Möglichkeit wären Einkaufsgutscheine. Sie hätten den Vorteil, dass die Aktion unmittelbar auf einen Besuch im Geschäft einzahlen könnte. Allerdings dürfte ein Gutschein über 100 Euro in einem Social-Media-Video weniger Aufmerksamkeit erzeugen als ein tatsächlich verstecktes Schmuckstück oder ein (sehr) kleiner Goldbarren. Der sichtbare Wert des Fundstücks und das unmittelbare Erfolgserlebnis sind schließlich wesentliche Bestandteile des Konzepts.
Reichweite durch Spannung und Beteiligung
Aus Marketingsicht liegt der Reiz solcher Aktionen nicht allein im materiellen Gewinn. Die Schatzsuche erzeugt Spannung, animiert zur Interaktion und verbindet die digitale Kommunikation mit einem Erlebnis vor Ort. Wer teilnehmen möchte, müsste die Social-Media-Kanäle des Juweliers verfolgen, Hinweise entschlüsseln und im besten Fall selbst aktiv werden.
Für lokale Juweliere könnte dies eine Möglichkeit sein, Menschen aus der eigenen Region zu erreichen, die bislang nicht zur Stammkundschaft gehören. Gleichzeitig entstehen Inhalte, die sich für mehrere Beiträge nutzen lassen: von der Ankündigung über die eigentliche Suche bis zur Präsentation des glücklichen Finders.
Entscheidend dürfte dabei weniger der absolute Wert des versteckten Gegenstands sein als die Inszenierung. Ein attraktives Schmuckstück, eine originelle Geschichte und ein gut gewähltes Versteck könnten unter Umständen mehr Aufmerksamkeit erzeugen als ein deutlich teurerer Gewinn ohne erkennbaren Bezug zum Geschäft.
Risiken nicht unterschätzen
Allerdings bringt das Konzept auch Herausforderungen mit sich. Neben den Kosten für die Gewinne müssen Juweliere mögliche Sicherheitsrisiken, die Auswahl geeigneter öffentlicher Orte sowie rechtliche Fragen rund um Gewinnspiele und Werbeaktionen berücksichtigen. Auch die Gefahr, dass vor allem Schnäppchenjäger statt potenzieller Schmuckkunden angesprochen werden, sollte nicht unterschätzt werden.
Ob eine solche Schatzsuche tatsächlich für jeden Juwelier die passende Marketingstrategie ist, bleibt daher offen. Der Ansatz zeigt jedoch, wie sich mit spielerischen Ideen, lokaler Verankerung und Social Media Aufmerksamkeit jenseits klassischer Werbeformate erzeugen lässt.
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