US-Notenbank durch steigende Ölpreise im Zugzwang?

Goldpreis trotzt Nahost-Eskalation

Trotz der verschärften Spannungen im Nahen Osten bleibt der Goldpreis stabil. Gleichzeitig erhöhen steigende Ölpreise die Erwartungen an weitere Zinsschritte der US-Notenbank, schreibt Heraeus.

27. Juli 2026 Christian Lücke
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Der Goldpreis zeigt sich angesichts der jüngsten Eskalation im Nahen Osten bemerkenswert stabil. Während geopolitische Krisen traditionell als Preistreiber für das Edelmetall gelten, bewegt sich Gold derzeit überwiegend seitwärts und notiert weiterhin um die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze.

Marktbeobachter führen die verhaltene Entwicklung unter anderem darauf zurück, dass steigende Ölpreise die Sorge vor einer restriktiveren Geldpolitik schüren. Höhere Energiepreise könnten den Inflationsdruck verstärken und die US-Notenbank zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen, folgern die Analysten von Heraeus. Steigende Realzinsen gelten demnach jedoch als Belastungsfaktor für Gold, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft.

Steigende Spannungen in Nahost

Zuletzt hatten sich die Spannungen im Nahen Osten deutlich verschärft. Neben erneuten US-Angriffen auf Ziele im Iran weitete Teheran seine Angriffe auf US-Stützpunkte und Infrastruktur in den Golfstaaten aus. Zusätzliche Unsicherheit entstand durch Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer.

Rohölpreis steigt deutlich

Parallel dazu verteuerte sich Rohöl deutlich. Der Preis für Brent-Rohöl stieg im Juli von rund 70 auf zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel, berichtet Heraeus. Damit wachsen die Erwartungen, dass die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs weiter straffen könnte. Entsprechend rechnen die Finanzmärkte inzwischen mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit für weitere Zinsschritte im Laufe des Jahres.

Goldkäufe der Zentralbanken

Unterdessen setzen viele Zentralbanken ihre Goldkäufe auch 2026 fort. Eine Ausnahme bildet Russland. Nach offiziellen Angaben gingen die russischen Goldreserven im ersten Halbjahr sechs Monate in Folge zurück und sanken bis Ende Juni um insgesamt 43,5 Tonnen auf 2.282 Tonnen. Hintergrund dürften Verkäufe zur Finanzierung des Staatshaushalts sowie eine Umschichtung der Währungsreserven sein. Analysten werten dies jedoch nicht als schwindendes Vertrauen in Gold, sondern als Beleg dafür, dass das Edelmetall in Krisenzeiten als liquide Reserve eingesetzt werden kann.

Ambivalente Zukunftsperspektive für den Goldpreis

Für den Goldmarkt bleibt die Lage damit von gegenläufigen Kräften geprägt: Während geopolitische Risiken grundsätzlich die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold stützen, könnten steigende Zinsen den Spielraum für weitere Preissteigerungen begrenzen.

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