Fed-Einflüsse durch Zinsen und Nachfrage der Zentralbanken

Goldmarkt zwischen Zinshoffnungen und Unsicherheit

US-Geldpolitik, geopolitische Spannungen und starke Zentralbankkäufe prägen den Goldmarkt. Trotz kurzfristiger Schwäche bleibt der langfristige Trend intakt, schreibt Heraeus.

16. Apr. 2026 Christian Lücke
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Die aktuelle Entwicklung am Goldmarkt wird maßgeblich von der Geldpolitik der US-Notenbank geprägt. Die Federal Reserve steht vor einem schwierigen Balanceakt: Während anhaltend hohe Preise für eine restriktive Zinspolitik sprechen, zeigt sich der Arbeitsmarkt zunehmend schwächer. Damit gerät das duale Mandat – Preisstabilität und maximale Beschäftigung – stärker denn je in den Fokus.

Zwar stiegen die Non-Farm Payrolls (die wichtigsten Konjunkturdaten zeigen, wie viele neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft entstehen) im März um 178.000 Stellen und übertrafen damit die Erwartungen deutlich, doch die rückwirkenden Korrekturen fallen seit Monaten überwiegend negativ aus. Insgesamt zeigt sich der US-Arbeitsmarkt seit Ende 2024 weitgehend stagnierend. Sollte sich das Wirtschaftswachstum infolge steigender Kosten weiter abschwächen, könnte dies den Druck auf die Fed erhöhen, die Zinsen wieder zu senken, prognostizieren die Analysten von Heraeus.

Entsprechend hat sich auch die Markterwartung verändert: Die Wahrscheinlichkeit für ein oder zwei Zinssenkungen im Jahr 2026 ist zuletzt deutlich gestiegen. Kurzfristig sorgte zudem eine temporäre Waffenruhe im Nahen Osten für Bewegung an den Märkten. Während klassische „Risk-off“-Assets (risikoärmere Anlageklassen) nachgaben, konnten Edelmetalle zulegen und die Woche insgesamt im Plus beenden.

Ein stabilisierender Faktor für den Goldpreis bleibt die Nachfrage der Zentralbanken. Diese traten auch im Februar erneut als Nettokäufer auf und bauten ihre Reserven weiter aus. Besonders Polen erhöhte seine Bestände deutlich, während auch Länder wie Usbekistan und Kasachstan zukauften. Dieser Trend setzt sich seit der Finanzkrise fort und unterstreicht die strategische Bedeutung von Gold in den Währungsreserven.

Charttechnisch sendet der Markt jedoch gemischte Signale. Im März bildete sich ein sogenanntes „Bearish-Engulfing“-Muster (eine Art Frühwarnzeichen), schreibt Heraeus und führt aus, dass dieses Phänomen historisch häufig Vorbote einer Korrekturphase gewesen sei. Bereits 2022 folgte auf ein ähnliches Signal eine mehrmonatige Abwärtsbewegung. Aktuell könnte sich die Korrektur dennoch als temporär erweisen, da strukturelle Faktoren wie Inflation und niedrige Realzinsen die Nachfrage weiter stützen.

Sollte sich die jüngste Aufwärtsbewegung jedoch nicht fortsetzen, rückt eine wichtige Unterstützungszone in den Fokus: die März-Tiefs im Bereich von rund 4.100 US-Dollar je Unze. Für die Schmuck- und Uhrenbranche bleibt damit ein Umfeld erhöhter Volatilität bestehen, das sowohl Risiken als auch Chancen mit sich bringt.

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