Inflation und geopolitische Risiken prägen aber weiterhin den Markt

Gold verdrängt US-Anleihen aus Reserven

Gold gewinnt weltweit weiter an Bedeutung: Erstmals übertrifft das Edelmetall US-Staatsanleihen als wichtigste Reserveanlage der Zentralbanken. Gleichzeitig sorgen Inflation und geopolitische Unsicherheiten für ein komplexes Marktumfeld, schreibt Heraeus.

10. Juni 2026 Christian Lücke
Kommentare (0)

Der Stellenwert von Gold in den Währungsreserven der Zentralbanken hat einen neuen Höchststand erreicht. Nach Schätzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) entfielen Ende 2025 weltweit 27 Prozent der offiziellen Reserveanlagen auf Gold. Damit überholte das Edelmetall erstmals US-Staatsanleihen, deren Anteil bei 22 Prozent lag, analysiert Heraeus.

Zwei Gründe für den Höchststand

Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind zwei Faktoren: Zum einen haben Zentralbanken ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, zum anderen hat der deutliche Preisanstieg des Edelmetalls dessen Gewichtung innerhalb der Reserven erhöht. Bereits seit 2011 kaufen Notenbanken verstärkt Gold. Besonders dynamisch entwickelte sich die Nachfrage zwischen 2022 und 2024 mit jährlichen Zukäufen von jeweils mehr als 1.000 Tonnen. Im Jahr 2025 kamen weitere 863 Tonnen hinzu.

Parallel dazu stehen die Zentralbanken vor wachsenden Herausforderungen im Kampf gegen die Inflation. Im Euroraum stieg die Teuerungsrate im Mai auf 3,2 Prozent nach 3,0 Prozent im April. Auch in den USA zog die Inflation zuletzt auf 3,8 Prozent an. Die Märkte rechnen daher sowohl für die Europäische Zentralbank als auch für die US-Notenbank mit weiteren Zinsschritten.

Inflation und geopolitische Risiken

Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld unsicher. Während die US-Wirtschaft weiterhin robuster erscheint als die Eurozone, sorgen die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten für zusätzliche Risiken. Besonders die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus könnten mittelfristig zu höheren Energiepreisen und neuen Inflationsimpulsen führen.

Trotz dieser Rahmenbedingungen geriet der Goldpreis zuletzt unter Druck. In der vergangenen Woche fiel die Notierung deutlich und schloss erstmals wieder unter der Marke von 4.500 US-Dollar je Feinunze. Marktbeobachter verweisen darauf, dass die geopolitischen Spannungen derzeit keinen unmittelbaren Aufwärtsdruck auf den Goldpreis ausüben. Zwar laufen weiterhin Gespräche zwischen den USA und dem Iran, ein nachhaltiger Durchbruch zeichnet sich bislang jedoch nicht ab.

Positive Aussichten?

Langfristig bleibt Gold für viele Zentralbanken dennoch ein strategischer Baustein. Sollten sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben und die Notenbanken trotz erhöhter Inflation zu Zinssenkungen gezwungen werden, könnten sinkende Realzinsen dem Edelmetall erneut Rückenwind verleihen.

Keine Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

1 Monat kostenlos
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer

Inhalt