Inflation und geopolitische Risiken prägen aber weiterhin den Markt
Gold verdrängt US-Anleihen aus Reserven
Beeinflussen weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank den Goldmarkt?
Bild: shutterstock / Chizhevskaya Ekaterina
Der Stellenwert von Gold in den Währungsreserven der Zentralbanken hat einen neuen Höchststand erreicht. Nach Schätzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) entfielen Ende 2025 weltweit 27 Prozent der offiziellen Reserveanlagen auf Gold. Damit überholte das Edelmetall erstmals US-Staatsanleihen, deren Anteil bei 22 Prozent lag, analysiert Heraeus.
Zwei Gründe für den Höchststand
Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind zwei Faktoren: Zum einen haben Zentralbanken ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, zum anderen hat der deutliche Preisanstieg des Edelmetalls dessen Gewichtung innerhalb der Reserven erhöht. Bereits seit 2011 kaufen Notenbanken verstärkt Gold. Besonders dynamisch entwickelte sich die Nachfrage zwischen 2022 und 2024 mit jährlichen Zukäufen von jeweils mehr als 1.000 Tonnen. Im Jahr 2025 kamen weitere 863 Tonnen hinzu.
Parallel dazu stehen die Zentralbanken vor wachsenden Herausforderungen im Kampf gegen die Inflation. Im Euroraum stieg die Teuerungsrate im Mai auf 3,2 Prozent nach 3,0 Prozent im April. Auch in den USA zog die Inflation zuletzt auf 3,8 Prozent an. Die Märkte rechnen daher sowohl für die Europäische Zentralbank als auch für die US-Notenbank mit weiteren Zinsschritten.
Inflation und geopolitische Risiken
Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld unsicher. Während die US-Wirtschaft weiterhin robuster erscheint als die Eurozone, sorgen die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten für zusätzliche Risiken. Besonders die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus könnten mittelfristig zu höheren Energiepreisen und neuen Inflationsimpulsen führen.
Trotz dieser Rahmenbedingungen geriet der Goldpreis zuletzt unter Druck. In der vergangenen Woche fiel die Notierung deutlich und schloss erstmals wieder unter der Marke von 4.500 US-Dollar je Feinunze. Marktbeobachter verweisen darauf, dass die geopolitischen Spannungen derzeit keinen unmittelbaren Aufwärtsdruck auf den Goldpreis ausüben. Zwar laufen weiterhin Gespräche zwischen den USA und dem Iran, ein nachhaltiger Durchbruch zeichnet sich bislang jedoch nicht ab.
Positive Aussichten?
Langfristig bleibt Gold für viele Zentralbanken dennoch ein strategischer Baustein. Sollten sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben und die Notenbanken trotz erhöhter Inflation zu Zinssenkungen gezwungen werden, könnten sinkende Realzinsen dem Edelmetall erneut Rückenwind verleihen.
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