Nachhaltigkeit | Noen

Die Zeiten ändern sich doch

Heilsamer Generationenkonflikt: Wie viel sich in Sachen Nachhaltigkeit getan hat, berichtet Claudia Schindler. Sie hat sich mit ihrer Marke Noën konsequent der Nachhaltigkeit verschrieben. Ihr Großvater dagegen hat sich darüber schlicht keine Gedanken gemacht.

11. Juli 2026 Ulrich Voß
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Woher kommen die Rohstoffe? Claudia Schindler weiß es, beispielsweise aus dieser kolumbianischen Goldmine

Mit den Jahren habe sich ihr Blick auf die Generation ihres Großvaters verändert, erzählt Claudia Schindler. Nicht, weil sie in ihrer Haltung milder geworden sei, sondern weil sie die damaligen Lebensumstände heute stärker in den historischen Zusammenhang einordnet. In den Nachkriegsjahren habe für viele Menschen zunächst der Aufbau der eigenen Existenz im Mittelpunkt gestanden. Die Fragen, woher Gold, Diamanten und andere Rohstoffe stammen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen wurden, seien damals kaum gestellt worden. Vermutlich habe auch ihr Großvater nie eine Goldmine besucht und nur sehr wenig über den Ursprung der Materialien gewusst, mit denen er arbeitete.

Der große Unterschied zur Zeit ihres Großvaters aber ist, dass man heute nicht mehr wegschauen dürfe. Woher das Material kommt, könne heute jeder herausfinden, die Industrie müsse es sogar. „Ausreden gibt es keine mehr. Jeder Goldschmied kann heute Fairmined- oder Fairtrade-Gold kaufen, es bei Kalman Hafner gießen lassen und eine eigene Kollektion auf die Beine stellen.“ Dies sei früher anders gewesen, erinnert sich Claudia Schindler. Zum Start von Noën 2006 hatte sie noch schweißtreibende Pionierarbeit leisten und Extrameilen bis auf 5.000 Meter hoch gelegene Goldminen in Argentinien gehen müssen. Seit Fairtrade 2015 mit Gold auf den deutschen Markt gekommen ist, kann man dort direkt einkaufen.

Trotz aller Milde gibt sich Claudia Schindler mit Kompromissen in einem Punkt nicht zufrieden: Die Kombination aus Recycling und „Made in Germany“ reicht ihr nicht. Allein mit einer besseren CO₂-Bilanz dürfe man sich nicht zurücklehnen und glauben, alles Erdenkliche getan zu haben. Sie will den ganzheitlichen Ansatz verwirklichen und dem wirklich nachhaltigen Umgang mit Gold auf den Grund gehen. Unverändert würden 75 Prozent des global benötigten Goldes aus Minen stammen. Sie wird nicht müde, dabei Überzeugungsarbeit zu leisten und hat in ihren Kunden tapfere Mitstreiter. Denn glücklicherweise gebe es im Vergleich zu Zeiten ihres Großvaters heute auch genügend Konsumenten, die genau wissen wollen, woher der Schmuck stammt und wie er hergestellt wurde.

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