Kommentar von GZ-Herausgeber Christian Jürgens

„Dann sind die Rolex und der Porsche erstmal weg“

Dieses Statement des Finanzministers ist schlicht skandalös, findet GZ-Herausgeber Christian Jürgens.

22. Juli 2026 Christian Jürgens
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Triumphierend schaut der wie stets leicht verschwitzte Finanzminister Lars Klingbeil vollformatig in die Tiktok-Kamera. Gerade hat er Steuerbetrügern den Kampf angesagt und haut dann obigen Satz zum Finale raus.

Dieses Statement ist in mehrerlei Hinsicht schlicht skandalös und ein neuer Negativrekord im traurigen Untergangsendspiel der SPD. Zwar ist ohne Zweifel Rolex die bekannteste Uhren- und Porsche eine der bekanntesten Automarken der Welt und beide Marken sind ebenso sicher Synonyme für Luxus. Doch neu ist, dass Klingbeil es wagt, beide Marken ganz unverhohlen zu kriminalisieren oder zumindest in einen kriminellen Kontext zu rücken: Rolex und Porsche sind ihm Marken für Steuerbetrüger. Gerade diesen beiden Marken gegenüber, die wie kaum andere für Werte und Wertbeständigkeit stehen, eine Unverschämtheit.

„Wer etwas leistet und sich deswegen etwas leisten kann, muss ein Schurke sein“

Schlimm ist, dass hier das Weltbild der SPD völlig ungefiltert ausbricht: Wer erfolgreich ist, hart arbeitet, etwas leistet und sich deswegen etwas leisten kann, muss aus SPD-Sicht ein Schurke sein. Das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn jemand sowas besitzt.

Es ist grade mal zwei Jahrzehnte her, dass die SPD unter Gerhard Schröder mit massiven Investitionen in Bildungsprogramme unter dem Slogan „Fördern und Fordern“ ein massives Aufstiegsversprechen gab: Leistung möge sich lohnen. Jetzt ist der Leistungsträger nur noch der Dumme!

Schon allein dieses traurig verlogene Gerede, dass auch die „Reichen“ jetzt mal was tun müssen. Das oberste Prozent der Spitzenverdiener in Deutschland zahlt 24% der kompletten Lohn- und Einkommenssteuer, die oberen 10% tragen die Hälfte. Die unteren 50% zahlen nur 6,5%. Bereits jetzt schultern die Leistungsträger also nachweislich den Großteil der Last. Alles andere ist populistisches Gerede von Leuten, die im Übrigen von diesen von Leistungsträgern erwirtschafteten Steuergeldern bezahlt werden.

Und mal ganz ehrlich: Wo bleibt denn eigentlich die Scham? Lars Klingbeil hat Geisteswissenschaften studiert und nie außerhalb der Politik gearbeitet. Bei einem DAX-Konzern hätte er in der Finanzabteilung mit der Vita vermutlich nicht mal ein Praktikum gekriegt. Darf aber jetzt ohne jede Kenntnis den Staatshaushalt verwalten und Rekordschulden auftürmen. Dabei wird nicht nur in gar keinem Fall gespart, das scheint verfassungshalber ausgeschlossen zu sein, sondern vielmehr wird das schuldenfinanzierte Sondervermögen als „Verschiebebahnhof“ genutzt, wie es IFO-Chef Clemens Fuest nennt, um Lücken zu stopfen.

Ach so – kleine Pointe zum Ende: Wie wird der Finanzminister die Steuerbetrüger denn fangen? Richtig: Es wird eine neue Behörde eingerichtet. Das können wir ja noch sehr gut in Deutschland: Behörden und Bürokratie. Ich rate dringlich: Bitte begeben Sie sich sofort zum „Gemeinsamen Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität“ und geben Sie dort präventiv Ihre Rolex ab. Sonst sind Sie hochverdächtig, ein Steuerbetrüger zu sein!

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