Ein schmerzlicher Einschnitt für das Kunsthandwerk

BKV schließt Laden und Galerie

Nach 175 Jahren hat das bayerische Kunsthandwerk einen großen Verlust hinzunehmen: Der Bayerische Kunstgewerbeverein schließt zum 4. Juli sein Ladengeschäft und vorübergehend auch seine Galerie. Eine Wiedereröffnung der Galerie ist für März 2027 geplant.

02. Juli 2026 Christian Lücke
Kommentare (0)

Der Bayerische Kunstgewerbeverein (BKV) schließt zum 4. Juli 2026 sein Ladengeschäft in der Münchner Pacellistraße. Gleichzeitig stellt auch die angrenzende Galerie für angewandte Kunst vorübergehend ihren Betrieb ein. Als Grund nennt der Vorstand die dauerhaft defizitäre wirtschaftliche Entwicklung des Ladens. Zwar seien die Umsätze in den vergangenen Jahren stabil geblieben, gleichzeitig hätten insbesondere steigende Personal- und Energiekosten sowie ein verändertes Konsumverhalten den wirtschaftlichen Betrieb unmöglich gemacht.

„Die Entscheidung ist dem Vorstand sehr schwergefallen“, erklärt der scheidende Vorsitzende Bernd Traut. Da das Ladengeschäft als eigenständiger Wirtschaftsbetrieb geführt werde, dürften dessen Verluste nicht mit Mitteln des gemeinnützigen Vereins ausgeglichen werden.

„Der Umsatz des Ladens ist in den vergangenen Jahren zwar stabil geblieben, gleichzeitig sind jedoch insbesondere die Personal- und Energiekosten erheblich gestiegen. […] Mit einer Trendwende ist derzeit nicht zu rechnen. Das Ladengeschäft kann deshalb auf absehbare Zeit nicht kostendeckend betrieben werden.“
Vorsitzender Bernd Traut

Die Galerie wird trotz ihrer Zugehörigkeit zum gemeinnützigen Bereich ebenfalls vorübergehend geschlossen. Der Verein möchte die frei werdenden personellen und organisatorischen Ressourcen nutzen, um ein neues Konzept für Laden und Galerie zu entwickeln. Die Wiedereröffnung der Galerie ist parallel zur Internationalen Handwerksmesse im März 2027 geplant.

Großer Verlust für die Kunsthandwerksszene: Die Stimmen zum Aus

Für die Kunsthandwerksszene ist die Entscheidung ein herber Verlust. „Die Schließung des Ladengeschäfts und der Galerie ist ein echter Verlust für die Branche der Kunsthandwerker“, urteilt die GZ-Schmuckspezialistin und Design-Redakteurin Christel Trimborn. Gerade die Galerie galt als eine der wenigen renommierten Präsentationsplattformen für zeitgenössisches Kunsthandwerk in Bayern und darüber hinaus.

„Die Schließung des Ladengeschäfts und der Galerie ist ein echter Verlust für die Branche der Kunsthandwerker.“
GZ-Redakteurin Christel Trimborn

Auch der Noch-Vorsitzende des Bayerische Kunstgewerbevereins, Bernd Traut, unterstreicht die Bedeutung des Ausstellungsortes: Die Galerie sei Bühne und Aushängeschild des bayerischen Kunsthandwerks sowie ein wichtiger Treffpunkt für Kunsthandwerker, Sammler, Kunden und Interessierte aus dem In- und Ausland. „Kunsthandwerk, das man nirgendwo mehr sehen kann, hat keine Zukunft“, betont Traut.

Welche Bedeutung der Bayerische Kunstgewerbeverein für München besitzt, bringen auch die OVB Heimatzeitungen auf den Punkt: „Genau 175 Jahre lang gehörte er zur Münchner Kultur. Nie für die Massen, aber für Hunderte Kunstinteressierte, die im Laufe der Zeit hier Stammkunden waren oder sind.“

Bernd Traut nimmt seinen Hut

Im Zuge der Neuausrichtung legt Bernd Traut nach insgesamt 18 Jahren Vorstandsarbeit sein Amt als Vorsitzender nieder. Die Vereinsführung übernehmen zunächst die bisherigen Stellvertreterinnen Nicole Schuster und Christine Demmel. Schuster sieht den Verein trotz der schwierigen Situation vor einer notwendigen Erneuerung: Nach 175 Jahren sei es an der Zeit, bestehende Strukturen an die veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Geplante Ausstellungen entfallen

Mit der Schließung entfallen auch die für Juli geplante Jubiläumsausstellung zum 175-jährigen Bestehen sowie sämtliche für den Herbst vorgesehenen Ausstellungen. Die Hoffnung der Branche richtet sich nun auf die angekündigte Wiedereröffnung der Galerie im Frühjahr 2027.

Keine Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

1 Monat kostenlos
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer