Geopolitische Risiken rücken stärker in den Fokus

Wohlstandsentwicklung in Deutschland gerät ins Stocken

Eine aktuelle ifo-Studie zeigt: Zentrale Wohlstandsindikatoren stagnieren oder sinken seit 2020. Ökonomen fordern strukturelle Reformen.

28. Apr. 2026 Christian Lücke
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Deutschland zählt weiterhin zu den wohlhabendsten Industrienationen der G7, doch die Entwicklung gerät zunehmend ins Stocken. Laut einer aktuellen Studie des ifo Instituts im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) zeigen zentrale Wohlstandsindikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, das Wirtschaftswachstum, die Lebenszufriedenheit und die Lebenserwartung spätestens seit 2020 eine rückläufige oder stagnierende Tendenz.

ifo-Präsident Clemens Fuest warnt vor langfristigen Folgen: Ohne tiefgreifende Reformen bestehe die Gefahr, dass Deutschland im internationalen Vergleich an Wohlstand verliere oder von der globalen Entwicklung abgekoppelt werde. Gleichzeitig betont Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung bayerische Wirtschaft (vbw), die anhaltende Relevanz der Sozialen Marktwirtschaft als Leitmodell – gerade in Zeiten strukturellen Wandels.

Vier Dimensionen als Analyseschwerpunkt

Die Studie analysiert neben der allgemeinen Wohlstandsentwicklung vier zentrale Dimensionen der Sozialen Marktwirtschaft: Wettbewerb und Chancengerechtigkeit, Freiheit und Eigenverantwortung, Zukunftsfähigkeit sowie wirtschaftliche Resilienz. Während der Wettbewerb im Inland grundsätzlich funktioniere, führe die zunehmende Marktkonzentration global agierender Konzerne, insbesondere aus den USA, zu neuen Herausforderungen. Auch die sinkende soziale Mobilität wird kritisch bewertet und auf Defizite im Bildungssystem zurückgeführt.

Ein gemischtes Bild zeigt sich bei der wirtschaftlichen Freiheit: Während die Zahl der Transferempfänger langfristig sinkt, liegen Staatsausgaben und Neuverschuldung weiterhin über dem Vorkrisenniveau. Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird zudem durch den demografischen Wandel sowie zu geringe Investitionen in Infrastruktur und Bildung belastet. Positiv hervorzuheben sei hingegen, dass Deutschland die vergleichsweise hohe Quote von 3,1 Prozent des BIP für Forschung ausgebe und damit über dem Durchschnitt der G7 von 2,5 Prozent liege.

Geopolitische Risiken

Mit Blick auf die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit rücken geopolitische Risiken stärker in den Fokus. Deutschlands hohe Handelsoffenheit bringt Vorteile, birgt jedoch auch Abhängigkeiten: Ein erheblicher Teil der Importe konzentriert sich auf wenige Lieferländer, insbesondere im Energiesektor. Die Studie empfiehlt daher eine stärkere Diversifizierung zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität.

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