Aktuelle Tarifrunde gestartet

Tarifkonflikt spitzt sich weiter zu

Zum Auftakt der Tarifrunde im Einzelhandel warnt der HDE vor den Folgen hoher Lohnforderungen. Die Branche steht laut Verband wirtschaftlich unter massivem Druck.

29. Apr. 2026 Christian Lücke
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Mit deutlichen Worten hat sich der Handelsverband Deutschland (HDE) zum Start der Tarifrunde im Einzelhandel positioniert. Angesichts der ersten Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg warnt der Verband die Gewerkschaft ver.di vor „überzogenen Forderungen“, die Unternehmen und Arbeitsplätze gefährden könnten.

Wirtschaftliche Lage angespannt

Die wirtschaftliche Lage im Einzelhandel beschreibt der HDE als angespannt bis kritisch. Laut einer aktuellen Trendumfrage unter 436 Unternehmen bewerten 46 Prozent ihre Geschäftslage als schlecht, lediglich zehn Prozent als gut. Gleichzeitig hat die Branche seit 2022 mehr als 70.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Ein Trend, der sich weiter beschleunigt.

Vor diesem Hintergrund appelliert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth an die Gewerkschaft, die langfristigen Auswirkungen ihrer Forderungen zu berücksichtigen. Steigende Lohnkosten könnten Unternehmen in die Schließung treiben und damit letztlich auch Arbeitsplätze vernichten. Tatsächlich planen laut Umfrage bereits 51 Prozent der größeren Handelsunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten, ihre Belegschaften im laufenden Jahr zu reduzieren.

Neben der schwachen Nachfrage belasten vor allem steigende Kosten die Branche. 93 Prozent der Unternehmen berichten von Kostensteigerungen in den vergangenen zwei Jahren, insbesondere in den Bereichen Personal, Energie und Logistik. Für die Zukunft zeichnet sich keine Entspannung ab: 96 Prozent der Befragten erwarten auch in den kommenden zwei Jahren weiter steigende Kosten.

Rückläufige Erlöse

Auch auf der Umsatzseite bleibt der Ausblick verhalten. 62 Prozent der Händler rechnen für das laufende Jahr mit rückläufigen Erlösen. Vor diesem Hintergrund verweist der HDE auf den letzten Tarifabschluss, der zwischen 2023 und 2025 bereits Lohnerhöhungen von insgesamt 14 Prozent vorsah und laut Verband zu realen Einkommenszuwächsen geführt habe.

Die laufende Tarifrunde findet damit in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld statt. Der HDE fordert von ver.di ein Umdenken und setzt auf eine stärkere Orientierung an der wirtschaftlichen Realität des Handels. Ziel müsse es sein, Stabilität für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen zu sichern.

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