Schwächere Tendenz für den Goldpreis

Goldmarkt unter Druck durch Notenbanken

Verkäufe von Zentralbanken und geopolitische Spannungen erhöhen die Volatilität am Goldmarkt. Kurzfristige Preisschwankungen treffen dabei auf eine insgesamt schwächere Tendenz, schreibt Heraeus.

31. März 2026 Christian Lücke
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Der Goldmarkt steht aktuell unter dem Einfluss zweier zentraler Faktoren: geldpolitische Entscheidungen von Notenbanken und geopolitische Spannungen. Besonders ins Gewicht fällt dabei die jüngste Entwicklung in der Türkei. Die dortige Zentralbank hat ihre Goldreserven Berichten zufolge um rund 53 Tonnen auf nunmehr 772 Tonnen reduziert. Hintergrund sind Verkäufe von 22 Tonnen sowie zusätzliche 31 Tonnen im Rahmen goldgedeckter Währungsswaps.

Auch wenn es sich hierbei um eine Einzelentscheidung handelt und andere Zentralbanken weiterhin Gold akkumulieren könnten, verdeutliche dieser Schritt eine grundlegende Funktion des Edelmetalls, urteilen die Analysten von Heraeus: Und zwar, dass in wirtschaftlich angespannten Zeiten Gold als liquide, gegenparteifreie Reserve diene und wird entsprechend mobilisiert werde. Damit entfällt zugleich ein stabilisierender Nachfragefaktor. Noch im vergangenen Jahr hatten Zentralbanken weltweit ihre Bestände um insgesamt 863 Tonnen erhöht, wie Heraeus auf Basis von Daten des World Gold Council mitteilt. Sollten weitere Institute ihre Käufe drosseln oder gar Verkäufe tätigen, könnte dies die Nachfrage signifikant schwächen, so die Prognose.

Einfluss der sprunghaften US-Außenpolitik

Parallel dazu sorgt die US-Außenpolitik für erhebliche Marktbewegungen. Aussagen von Präsident Donald Trump im Kontext des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten haben zuletzt zu deutlicher Volatilität geführt. Anfang der Woche fiel der Goldpreis zunächst stark und erreichte ein Tief bei 4.099 US-Dollar pro Unze. Im weiteren Verlauf setzte jedoch eine Erholung ein, die den Preis zurück auf etwa 4.400 US-Dollar führte. Die stellt ein Preisniveau dar, das bereits Anfang Februar als Unterstützung diente.

Auslöser der Turbulenzen waren Drohungen des US-Präsidenten, iranische Kraftwerke anzugreifen, sollte die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden geöffnet werden. Die spätere Verschiebung dieser Maßnahmen sorgte wiederum für eine Gegenbewegung am Markt. Diese kurzfristigen Ausschläge zeigen, wie stark geopolitische Nachrichten derzeit die Preisbildung beeinflussen.

Trotz der zwischenzeitlichen Erholung bleibt der kurzfristige Ausblick verhalten. Nach der Rallye auf Rekordstände im Januar befindet sich der Goldpreis derzeit in einer Konsolidierungsphase, die tendenziell bearish interpretiert wird (also eine pessimistische Markthaltung mit eher fallenden Kursen). Für Marktteilnehmer bedeutet dies ein Umfeld erhöhter Unsicherheit, das sowohl durch politische als auch durch geldpolitische Faktoren beeinflusst wird.

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