Schmuckmarke des Monats
Ganz persönlich
Teil 1: Mensch
Die Marke Bernd Wolf trägt bis heute die Handschrift ihres Gründers. Seine Vita und seine Werte prägen die Marke seit ihren Anfängen und fließen bis heute stark in sie ein. Die Begeisterung für sein Hobby Schmuck, das zunächst vor allem Freude machen und zugleich sein Ingenieurstudium finanzieren sollte, nahm ab 1985 stetig zu. Von Samstagvormittag zu Samstagvormittag in der Karlsruher Fußgängerzone, von Jahr zu Jahr als Hersteller seines selbst entworfenen und verkauften Schmucks, von Rückmeldung zu Rückmeldung seiner Kunden entwickelte er neue Designs, perfektionierte deren Herstellung und baute sein Unternehmen Schritt für Schritt auf. Nach sieben Jahren beendete er sein berufliches Doppelleben und löste das Ingenieurbüro auf. Er hatte seine Berufung in der Welt des Schmucks gefunden.
Mittlerweile ist die Firma längst zum Familienunternehmen geworden. Ehefrau Yvonne ist schon immer als Designerin tätig und auch die Übergabe in die nächste Generation mit den Töchtern Miriam und Annalea ist längst vorbereitet – organisatorisch wie künstlerisch, siehe Teil 2.
Teil 2: Design
Es hätte auch die Idee des Vaters oder der Mutter sein können. Die neue Kollektion „Glücksbringer“, entworfen von Annalea Wolf, vereint sprichwörtlich die Themen Natur und Liebe. Denn ein Kleeblatt, selbstverständlich ein vierblättriges, kann auch aus vier Herzen bestehen. Bemerkenswert an dieser Kollektion der Tochter ist, dass die Grundidee perfekt ins Markenbild passt und auch den beiden wichtigsten Kriterien von Bernd Wolf für guten Schmuck entspricht. Erstens soll ein Schmuckstück als solches gefallen, begeistern, einen nicht mehr loslassen. Im Idealfall soll das Produkt ganz neutral auf einem weißen Blatt Papier liegend überzeugen. Zweitens soll es wiedererkennbar sein. Und auch dies schafft „Glücksbringer“ zu 100 Prozent.
Die Schmuckstücke der Marke haben vor allem durch zwei Faktoren eine optische Alleinstellung erreicht und damit eine unverwechselbare Markenidentität entwickelt: die Farbe und die Oberfläche. Die Kombination der gebürsteten Oberfläche mit der reinen, warmen 24-Karat-Goldplattierung ist Kern der Wiedererkennbarkeit. Dazu gesellen sich eine klar definierte Formensprache, viel Symbolik und der Einsatz von ausgewählten Farbedelsteinen in besonderer Qualität, von denen die meisten speziell für die Marke geschliffen werden. Oft fliegen den Familiendesignern die Themen zu. Die Friedenstaube, die zu Beginn des Ukraine-Kriegs entstand und deren Erlöse teilweise über UNICEF Kriegsopfern zugutekommen, spricht die Sprache des Herzens. Die Lektüre über tanzende Derwische wurde zur Initialzündung für die Designs der Spiralohrhänger 1985, die in ihrer Einzigartigkeit ein erster großer Meilenstein waren und in der aktuellen Kollektion ein Revival fanden. Oft ist das Design der Schmuckstücke geprägt vom Blick auf die Welt. Oder wie Bernd Wolf es sagt: „Der Zeitgeist spült uns manchmal Themen zu.“
Allerdings sind viele Designs nicht unbedingt leicht herstellbar und erfordern ein sehr gutes Augenmaß und viel handwerkliches Geschick – mit ausgетüftelten Fertigungsabläufen. Deswegen findet der wesentliche Teil der Schmuckherstellung inhouse statt. Denn der Qualitätsanspruch ist groß im Hause Bernd Wolf. Was zu Punkt 3 des Markenporträts führt.
Teil 3: Manufaktur
Nein, hatten die drei wichtigsten Edelsteinmanufakturen, mit denen Bernd Wolf zusammenarbeitete, 2016 gesagt, diese Idee funktioniere nicht. Man könne unmöglich facettierte Edelsteinwürfel mit einem Durchmesser von 2,5 Millimetern in Serie und im wirtschaftlichen Rahmen herstellen. Sieben Jahre später gelang es – und erneut hatte Bernd Wolf einen neuen Style gefunden: Edelsteinwürfel, die für Gradlinigkeit und Ordnung stehen, wirken durch die teils länglichen Facetten erstaunlich weich und feminin und erzeugen magische, geradlinige Reflexe. Die damit entworfene Designlinie „Cubes“ wurde schnell zu einer der erfolgreichsten Schmucklinien der Marke.
Das Tüfteln gehört zur Manufaktur Bernd Wolf seit den ersten Tagen dazu – und macht heute große Teile des Markenkerns aus. Vieles, was in Stegen bei Freiburg realisiert wird, wurde dort erfunden, von besonderen Schließen über ausgefeilte Verbindungstechniken. Vorneweg das Verfahren der Goldplattierung. Letztlich basiert die Idee auf Gesprächen in der Fußgängerzone. Im allsamstäglichen Austausch mit seinen Käuferinnen stellte Bernd Wolf fest, dass erstaunlich viele über Empfindlichkeiten gegenüber Schmuckstücken klagten. Dies rief den Werkstoffkundler auf den Plan – wohlgemerkt schreiben wir das Jahr 1985, also neun Jahre vor der Nickelrichtlinie.
Er fand zwar schnell heraus, dass vergoldetes Silber exzellent verträglich ist, wenn auf die übliche Nickelsperrschicht verzichtet wird. Die entscheidende Frage blieb jedoch: Wie dick muss die Goldschicht sein, damit sie sich dauerhaft mit dem Silber verbindet, ohne dass Gold im Grundmaterial verschwindet und eine übermäßige Diffusion die Stabilität und Farbechtheit der Oberfläche beeinträchtigt? Er investierte viel Zeit und Geld in die Entwicklung des perfekten Plattierungsverfahrens. In Klimakammern simulierte er tropisches Klima, Wüstenklima und schwefelhaltiges Klima und testete, welches Verfahren die beste Haltbarkeit liefert. Daraufhin wurden die einzelnen Prozessschritte minutiös dokumentiert.
Selbstverständlich hat der Werkstoffkundler längst verfahrenstechnische Analysen von unabhängigen Gutachtern dazu eingeholt. Das FEM Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie bestätigte die exzellente Qualität der Goldplattierung. Um die hohe Qualität am Endprodukt zu unterstreichen und somit die Frage der Kundin, ob die Vergoldung auch hält, überzeugend beantworten zu können, hat er bereits in den 1990er-Jahren den Bernd Wolf Lifetime-Service ins Leben gerufen. Für jedes Schmuckstück gibt es ohne Aufpreis beim Kauf dauerhafte Pflege-, Reparatur- und Auffrischungsmöglichkeiten für eine geringe Kostenbeteiligung – über viele Jahre hinweg und unabhängig davon, wie alt das Stück ist. Dieser Service ist ein bedeutendes Markenversprechen. Die Marke garantiert für Qualität, gibt dem Konsumenten Sicherheit und schafft Vertrauen.
Kapitel 4: Handelskonzept
„Es war nie Zielsetzung, Marke zu werden. Es war einfach von Anfang an klar, dass zu einem guten Produkt ein Logo und ein Markenname gehören.“ Auch diese Einstellung von Bernd Wolf entspringt den Samstagen in der Fußgängerzone. Die Kundin soll nicht irgendwas kaufen, sondern bei Bernd Wolf, der das Schmuckstück selbst entworfen und zu dieser Zeit auch selbst gefertigt hat. Bereits im ersten Jahr hat er dazu das symbolstarke W-Logo, bestehend aus den Ursymbolen Dreieck, Kreis und Quadrat entwerfen lassen, das auch heute noch unverändert an jedem Produkt des Hauses zu sehen ist.
Eine einheitliche Marketingstrategie einschließlich Claims, POS-Inszenierungen oder visueller Bildsprache verstärken die Wiedererkennbarkeit. Um auch für die Fans der Marke interessant zu bleiben, bauen die Kollektionslinien meist aufeinander auf. Wer einmal gekauft hat, soll immer fündig werden.
Bernd Wolf ist ein Freund der Evolution, nicht der Revolution. Seine beiden wichtigsten Fragen zur alljährlichen Kollektionsbesprechung lauten daher: Was ist gut gelaufen, und was ist nicht so gut gelaufen? Daraus ergibt sich die Weiterentwicklung der erfolgreichen Designs. Letztlich sei es wie in der Natur, es überlebt nicht der Stärkste, Schnellste oder Schönste, sondern der, der sich am besten auf die aktuellen Gegebenheiten anpassen kann. Survival of the Fittest. Bei rund 200 neuen Designs pro Jahr sind etwa die Hälfte Weiterentwicklungen, berichtet Bernd Wolf: „Uns gibt das Sicherheit. Und für die Händler ist es elementar.“
Ob das Produkt dann später ankommt oder nicht? Auch dies ist oft ein Tüftel-Ergebnis, ein beständiges Optimieren am Produkt. Für gewöhnlich findet die Feuertaufe dann auf der Inhorgenta statt. Bernd Wolf abschließend: „Es ist herrlich, wenn Goldschmiede und Juweliere an den Stand kommen, begeistert sind, Schmuckstücke in die Hand nehmen und am liebsten nicht mehr loslassen wollen. Das Schönste aber für uns ist, wenn eine Kundin in unseren Geschäften ein Schmuckstück anlegt, in den Spiegel schaut, strahlt und wir den Moment spüren, in dem sie ihr neues Lieblingsschmuckstück entdeckt hat. Das ist immer wieder aufs Neue einfach magisch und wunderbar.“
Best Practice
Es sollte ein Bernd-Wolf- und kein Trauring-Geschäft sein, war sich Birgit Sanetra aus Paderborn schnell klar, als sie vor rund zehn Jahren eine Ergänzung zu ihrem Juweliergeschäft gesucht hatte. Sie wollte ihre Lieblingsmarke endlich mal richtig zeigen. Mehr noch, als sie den Bernd-Wolf-Store in Freiburg gesehen hatte, wollte sie genau diese CI auch bei sich in Paderborn haben. Seit 1996 arbeitet sie mit dem Designer zusammen, die Marke habe einen ganz eigenen Charakter und dabei sie selbst und viele Kundinnen verzaubert. Endlich wollte sie ein passendes Umfeld schaffen. Um es vorwegzunehmen: Heute hat sie nur noch diesen Bernd-Wolf-Store – und ist sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung. Man könne sich so wunderbar auf das verlassen, was aus Stegen kommt, sagt sie. „Es ist so einfach“, sagt Birgit Sanetra. Die Kollektion stimmt, die „Wohlfühlpreislage“ sowieso, die Qualität, sämtliche Marketingtools und am Ende des Tages auch die Abverkäufe. Ihre Zusammenfassung: „Marke macht das Leben leichter!“
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