Auswirkungen des neuen Insolvenzverfahrens auf das Filialnetz noch unklar
Galeria: Vierte Insolvenz in sechs Jahren
Filiale in Mainz
Bild: shutterstock / C Nass
Die Warenhauskette Galeria ist erneut zahlungsrechtlich in die Krise geraten. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den derzeit 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen. Rund 12.000 Beschäftigte sind von der Entwicklung betroffen.
Mit dem Antrag solle der rechtliche Rahmen geschaffen werden, um die aktuelle Situation zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft des Unternehmens zu schaffen, teilte die Warenhauskette mit. Welche konkreten Ursachen zum erneuten Insolvenzantrag geführt haben und ob weitere Standorte geschlossen werden müssen, blieb zunächst offen.
Für Galeria ist es bereits der vierte Insolvenzantrag seit 2020. Weitere Verfahren folgten 2022 und 2024. Die wiederholten Sanierungen waren mit erheblichen Einschnitten verbunden: Zahlreiche Warenhäuser wurden geschlossen, während Gläubiger auf Forderungen in Milliardenhöhe verzichteten.
Neue Eigentümer brachten bislang keine dauerhafte Stabilität
Die bislang letzte Insolvenz liegt erst gut zweieinhalb Jahre zurück. Damals firmierte das Unternehmen noch als Galeria Karstadt Kaufhof und war von der Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa betroffen. Neun der seinerzeit noch 92 Warenhäuser wurden im Zuge des Verfahrens geschlossen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Mit dem Eigentümerwechsel verschwanden die Traditionsnamen Karstadt und Kaufhof aus der Unternehmensbezeichnung. Eine nachhaltige finanzielle Stabilisierung ist offenbar dennoch nicht gelungen. Bereits im April 2026 hatten mehrere Vermieter über ausbleibende Mietzahlungen geklagt, wie unter anderem „t-online“ berichtete. Die Geschäftsführung verwies damals auf Liquiditätsschwankungen und bestätigte, Vermieter um Stundungen gebeten zu haben.
Kredit über bis zu 160 Millionen Euro
Noch im Juni erhielt Galeria eine neue Kreditfinanzierung über bis zu 160 Millionen Euro. Bereitgestellt wird sie von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Die Finanzierung ist durch Warenbestände von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre ausgelegten Sanierungsplan gekoppelt. Mit den Mitteln sollten unter anderem ein bestehender Kredit abgelöst und offene Mietforderungen beglichen werden.
Dass damit weitere Einschnitte verbunden sein könnten, zeichnete sich bereits kurz darauf ab. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen. Mit den jeweiligen Vermietern sollten Gespräche über die Mietkonditionen geführt werden. Ohne wirtschaftlich tragfähige Lösungen sei die Fortführung einzelner Häuser gefährdet, erklärte das Unternehmen. Ziel sei es, dass sämtliche Standorte nachhaltig profitabel arbeiten.
Welche Auswirkungen das neue Insolvenzverfahren auf das Filialnetz haben wird, ist derzeit noch offen.
Unsicherheit für rund 12.000 Beschäftigte
Besonders groß ist die Unsicherheit für die rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie wurden am Freitagvormittag über den Insolvenzantrag informiert. Unklar ist Medienberichten zufolge zudem, ob diesmal Insolvenzgeld gezahlt werden kann.
Für Galeria beginnt damit ein weiteres Kapitel einer seit Jahren andauernden Restrukturierung. Zugleich dürfte das Verfahren weit über das Unternehmen hinaus aufmerksam verfolgt werden. Als einer der letzten großen Warenhausbetreiber Deutschlands ist Galeria nicht nur für Beschäftigte und Vermieter von Bedeutung, sondern auch für zahlreiche Marken und Lieferanten – darunter Unternehmen aus der Schmuck- und Uhrenbranche. Für sie bleibt entscheidend, wie groß das künftige Filialnetz sein wird und welche Rolle das Warenhaus langfristig als stationäre Verkaufsplattform spielen kann.
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