Gellner

„Es darf gerne noch besser weitergehen“

Nach 30 Jahren an der Spitze verkauft Jörg Gellner das Familienunternehmen an die Dettinger Schmuck GmbH. Eine große Entscheidung, hinter der intensive Gespräche und viel gegenseitiges Vertrauen stehen. Auf der Vicenzaoro sprach GZ-Verleger Christian Jürgens mit Jörg Gellner sowie den Geschäftsführern Falk Dettinger und Katja Cicala über den Weg dorthin, neue Möglichkeiten und darüber, warum Gellner vor allem eines bleiben soll: Gellner.

08. Okt. 2026 Christian Jürgens
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Entscheidung im persönlichen Gespräch: GZ-Verleger Christian Jürgens mit Jörg Gellner sowie Falk Dettinger und Katja Cicala auf der Vicenzaoro

Jörg, Gellner trägt deinen Familiennamen. Deine Eltern haben das Unternehmen gegründet, du hast es 30 Jahre geführt. Was hat dich dazu bewegt, es zu verkaufen?

Jörg Gellner: Irgendwann muss man sich Gedanken machen, wie es mit einem Familienunternehmen weitergeht. Wir haben uns in der Familie intensiv mit dem Thema beschäftigt und am Ende war klar: Es wird keine dritte Generation bei Gellner geben. Die Interessen meiner Kinder einfach woanders. Für mich stand damit fest, dass wir eine gute Nachfolgelösung brauchen. Mir wurde klar, dass nicht der Zeitpunkt entscheidend ist, sondern die richtige Konstellation. Und deshalb bin ich auf Falk zugegangen.

Falk, überrascht?

Falk Dettinger: Dass Jörg sich irgendwann mit der langfristigen Zukunft von Gellner beschäftigen würde, war natürlich klar. Dass sich daraus schon jetzt eine konkrete Perspektive ergeben würde, kam für mich allerdings überraschend.

Was hat euch an Gellner gereizt?

Katja Cicala: Was Gellner besonders macht, ist die über Jahrzehnte gewachsene Kompetenz rund um die Zuchtperle. Dazu gehören langjährige internationale Beziehungen zu Züchtern und Partnern, ein enormes Wissen und natürlich eine Marke mit einer ganz eigenen, unverwechselbaren Handschrift. Diese Kombination ist etwas Besonderes und war für uns ein wesentlicher Grund für die Entscheidung. Die Verbindung beider Unternehmen schafft neue Möglichkeiten und stärkt die gesamte Unternehmensgruppe – sowohl im Markt und gegenüber unseren Partnern als auch in unserer Attraktivität als Arbeitgeber.

Jörg, kam das weinende Auge noch?

Jörg Gellner: Am stärksten bei der Betriebsversammlung. In so einem Moment merkt man plötzlich, wie viele Emotionen darin stecken. Ich habe das Unternehmen 30 Jahre geführt. Es wäre falsch zu behaupten, dass einen das nicht berührt. Aber ich weiß Gellner in guten Händen und werde das Unternehmen weiter aktiv begleiten. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in fünf Jahren zurückblicken und sagen können: Gellner hat sich erfolgreich weiterentwickelt, ist gewachsen und hat neue Märkte erschlossen. Mein Wunsch ist nicht nur, dass es gut weitergeht. Es darf gerne noch besser weitergehen.

Wo steckt das Potenzial?

Falk Dettinger: Zum einen in der besonderen Kompetenz von Gellner, zum anderen in der internationalen Entwicklung. Gellner ist im DACH-Raum und in Skandinavien gut aufgestellt. Wir sind mit der Dettinger Schmuck GmbH neben DACH auch in Benelux, Frankreich, Südamerika und USA stark. Gellner bietet auch international noch weiteres Potenzial. Dabei geht es uns nicht darum, von heute auf morgen etwas zu verändern. Vielmehr wollen wir sehr genau schauen, welche Möglichkeiten zur Marke passen und ihre Entwicklung sinnvoll unterstützen.

Wie funktioniert die neue Konstellation im Alltag?

Falk Dettinger: Katja und ich werden regelmäßig in Wiernshein sein. Gleichzeitig verfügt Gellner über ein erfahrenes Team und gewachsene Strukturen, die seit vielen Jahren sehr gut funktionieren. Das gilt für Innendienst, Service und Vertrieb ebenso wie für das Perlatelier und die hohe Produktqualität. Genau darauf können und wollen wir aufbauen.

Jörg Gellner: Über die Jahre haben wir die Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Unternehmen immer klarer verteilt. Heute haben wir ein Team, das eigenständig arbeitet und Verantwortung übernimmt. Das ist eine der großen Stärken von Gellner. Und darauf bin ich durchaus stolz.

Was bleibt künftig dein Job bei Gellner?

Jörg Gellner: Der kreative Bereich und der Perleneinkauf bleiben meine Themen. Vor der Inhorgenta wird es sicher Phasen geben, in denen ich häufiger vor Ort sein werde. Aber nicht mehr in dem Umfang wie bisher.

Falk Dettinger: Wir haben besprochen, welche Aufgaben Jörg bislang übernommen hat, was davon künftig bei uns liegt und welche Themen er weiterhin begleiten möchte. Natürlich bleiben wir im aktiven Austausch und stimmen uns auch weiterhin regelmäßig ab.

Für Dettinger ist Gellner trotzdem ein großer Schritt. Wart ihr darauf vorbereitet?

Katja Cicala: Unabhängig von Gellner haben wir bei Dettinger im vergangenen Jahr organisatorisch einiges neu aufgestellt und Verantwortung im Team verteilt. Dadurch haben Katja und ich heute die nötigen Freiräume, um uns intensiv mit Gellner zu beschäftigen und die Marke in ihrer weiteren Entwicklung zu begleiten.

Gab es einen Moment, an dem aus der Übernahme für euch auch menschlich eine gemeinsame Sache wurde?

Katja Cicala: Ein besonderer Moment war für mich, als wir Nicole Lutz und Alexander Molz kennengelernt haben. Bei einer solchen Entscheidung geht es schließlich nicht nur um Zahlen und Verträge. Da sitzen plötzlich die Menschen miteinander am Tisch, die künftig Verantwortung tragen. Und man merkt ziemlich schnell, ob es miteinander funktioniert.

„Gellner steht für eine klare Haltung, eine eigene Handschrift und außergewöhnliche Perlenkompetenz. Das bleibt der Kern der Marke.“
Katja Cicala, Geschäftsführerin Dettinger Schmuck GmbH

Jörg Gellner: Nicole ist Geschäftsführerin bei Gellner und Alexander leitet die Manufaktur. Beide tragen viel Verantwortung im Unternehmen und waren deshalb früh eingebunden. Dann haben wir uns zusammengesetzt, uns persönlich kennengelernt und ganz offen miteinander gesprochen. Das war schon ein besonderer Moment.

Falk, bei euch musste das Unternehmen offenbar ebenfalls so aufgestellt sein, dass eine Übernahme dieser Größenordnung überhaupt möglich wird?

Falk Dettinger: Ja, das war eine wichtige Voraussetzung. Früher hatte ich 80 Hotelnächte im Jahr, war bei Kunden in ganz Europa, dazu kamen Hongkong, Basel und andere Messen. Heute sind die Aufgaben im Unternehmen anders verteilt.

Keine Angst vor dem, was ihr euch da vorgenommen habt?

Katja Cicala: Ich würde es eher positive Anspannung nennen. Die Tage rund um die Bekanntgabe waren sehr emotional. So ein Schritt ist natürlich etwas Besonderes und beschäftigt einen entsprechend. Jetzt ist vor allem große Vorfreude da – natürlich verbunden mit Respekt vor der Aufgabe, aber auch mit viel Freude auf das, was vor uns liegt.

Wie waren die Reaktionen?

Jörg Gellner: Insgesamt sehr positiv. Mindestens genauso wichtig waren für mich aber die Reaktionen unserer langjährigen Partner und Perlenzüchter. Gerade im Perlbereich spielen persönliche Beziehungen und Vertrauen eine enorme Rolle. Viele dieser Verbindungen sind über Jahrzehnte gewachsen und gehören ganz wesentlich zu Gellner. Umso mehr hat mich gefreut, dass auch von dieser Seite die Reaktionen auf den Eigentümerwechsel durchweg positiv waren.

Wie lief der Verkaufsprozess ab?

Falk Dettinger: Wir haben uns im November zum ersten Mal zusammengesetzt und ausgetauscht. Mitte Dezember haben wir dann ganz bewusst gesagt: Wir lassen das Thema erst einmal ruhen. Mit den anstehenden Messen hatten wir beide eine intensive Zeit vor uns und wollten einen solchen Prozess nicht nebenbei führen. Im Frühjahr haben wir die Gespräche wieder aufgenommen.

Jörg Gellner: Das Schönste an dem ganzen Prozess war für mich das große Vertrauen auf beiden Seiten. Wir haben uns auf die wichtigen Dinge konzentriert und nicht jeden kleinsten Punkt endlos zerlegt. Gleichzeitig habe ich Gellner während des gesamten Prozesses genauso weitergeführt wie zuvor, weiter investiert und Dinge vorangebracht. Mir war wichtig, ein starkes und gut aufgestelltes Unternehmen zu übergeben.

Und nach Gellner ist Schluss mit Zukäufen?

Falk Dettinger: „Nie wieder“ wäre wahrscheinlich unglaubwürdig. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf diese Aufgabe. Ich habe vor allem Vorfreude und Motivation.

Also irgendwann alles unter einer Marke?

Katja Cicala: Nein, ganz bewusst nicht. Unsere Marken sind eigenständig und sollen es auch bleiben. Jede hat ihre eigene Identität, ihre eigene Handschrift und ihr eigenes Profil. Genau darin liegt ihre Stärke. Wir wollen die Marken nicht zusammenführen, sondern jede für sich weiterentwickeln und stärken.

Jörg, was bekommt Dettinger mit Gellner, das man nicht einfach selbst aufbauen kann?

Jörg Gellner: Eine ganz wesentliche Kernkompetenz. Im Perlenbereich braucht es Erfahrung, Beziehungen und besondere Zugänge. Viele dieser Verbindungen sind über Jahrzehnte gewachsen, und auch der Zugang zu bestimmten Auktionen und Züchtern lässt sich nicht kurzfristig aufbauen. Genau diese Kompetenz bringt Gellner mit. Auf der anderen Seite verfügt Dettinger über langjährige Erfahrung und große Kompetenz bei Diamanten und Farbsteinen. Wir sind überzeugt, dass in diesem Zusammenschluss viel Potenzial steckt – gerade weil beide Unternehmen ihre ganz eigenen Kompetenzen und Stärken mitbringen.

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