Viertes Herkunftsland für besondere Turmalin-Varietät

Äthiopien liefert Paraíba-Turmaline

GIA und Gübelin Gem Lab bestätigen Äthiopien als neue Herkunft für kupferhaltige Paraíba-Turmaline. Chemische Merkmale erlauben eine klare Abgrenzung.

11. Sep. 2026 Christian Lücke
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Die Landkarte für Paraíba-Turmaline bekommt einen neuen Eintrag: Das Gemological Institute of America (GIA) und das Gübelin Gem Lab haben unabhängig voneinander bestätigt, dass Äthiopien eine neue Quelle für kupferhaltige Turmaline ist, die der international anerkannten Definition von Paraíba-Turmalin entsprechen. Damit kommt zu den bislang bekannten Herkunftsländern für Paraíba-Turmalin – Brasilien, Nigeria und Mosambik – mit Äthiopien nun ein viertes hinzu.

Turmaline aus Äthiopien erfüllen etablierte Definition

Berichte über entsprechendes Material aus Äthiopien kursierten bereits zuvor in diesem Jahr im Edelsteinhandel. Das Gübelin Gem Lab stieß Anfang Mai auf Paraíba-Turmaline mit einer ungewöhnlichen chemischen Zusammensetzung, die nicht mit den vorhandenen Referenzdaten aus Brasilien, Mosambik oder Nigeria übereinstimmte. In den folgenden Wochen untersuchte das Labor rund 300 rohe und facettierte Steine aus mehreren unabhängigen Quellen.

Auch das GIA begann Anfang Juni mit der Untersuchung von Material, das als äthiopischen Ursprungs deklariert war. Im Juli erhielt die Forschungsabteilung in Carlsbad mehr als 100 rohe und facettierte Proben, anhand derer die Eigenschaften des Materials detailliert dokumentiert wurden.

Beide Labore kommen unabhängig voneinander zum selben Ergebnis: Die Turmaline aus der neuen äthiopischen Lagerstätte werden überwiegend durch Kupfer gefärbt und erfüllen damit die vom Laboratory Manual Harmonisation Committee (LMHC) etablierte Definition von Paraíba-Turmalin. Das untersuchte Rohmaterial umfasst blaue bis blaugrüne sowie violette, purpurfarbene und auch farblose Exemplare. Viele Steine zeigen eine ausgeprägte Farbzonierung und entsprechende Unterschiede in ihrer Zusammensetzung.

Besonders aufschlussreich ist der chemische Fingerabdruck. GIA und Gübelin stellten erhöhte Konzentrationen von Vanadium von mehr als 60 ppm, Blei von 170 bis 6.000 ppm sowie Gallium von 280 bis 900 ppm fest. Diese Merkmale ermöglichen laut den Laboren eine Abgrenzung der äthiopischen Steine von Paraíba-Turmalinen anderer Herkunft.

Für den Handel ist die Entdeckung nicht zuletzt deshalb relevant, weil die geografische Herkunft bei Paraíba-Turmalinen einen Einfluss auf die Bewertung haben kann. Mit zunehmender Menge äthiopischen Materials auf dem internationalen Markt gewinnen deshalb belastbare Referenzdaten und eine zuverlässige Herkunftsbestimmung an Bedeutung.

Bald vollumfängliche Infos in Fachartikeln

GIA und Gübelin wollen ihre Referenzsammlungen weiter ausbauen. Die vollständigen Ergebnisse ihrer jeweils unabhängig durchgeführten Untersuchungen sollen in separaten Fachartikeln in einer kommenden Ausgabe des GIA-Journals „Gems & Gemology“ veröffentlicht werden.

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