TAG Heuer

Nicht weniger als die Neuerfindung des Chronographen

TAG Heuer ersetzt bei der Monaco Evergraph erstmals klassische Chronographenmechanik durch biegsame Bauteile.

14. Apr. 2026 Mathias Menzel
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TAG Heuer hat 2026 zum „Jahr der Chronographen“ erklärt und zeigt mit der Monaco Evergraph bei der Watches & Wonders 2026 eine der technisch radikalsten Chronographen-Neuheiten seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten: Das neue Kaliber TH80-00 verzichtet auf sämtliche konventionelle Hebel und Federn der Schalt- und Rückstellmechanik und ersetzt sie durch zwei flexible Bauteile – ein Prinzip aus dem Maschinenbau, bekannt als „Compliant Mechanisms“, das in der Uhrmacherei bislang kaum Anwendung fand.

Keine Hebel, keine Federn: Das Prinzip der „Compliant Mechanisms“

Anstelle des seit Jahrzehnten etablierten Systems aus Schaltrad, Kupplungshebeln und Rückstellfedern setzt TAG Heuer beim neuen Kaliber TH80-00 auf zwei bistabile flexible Bauteile – eines für Start und Stopp, eines für den Reset. Das Kaliber wurde intern vom TAG Heuer Lab entwickelt und in Zusammenarbeit mit Vaucher Manufacture Fleurier realisiert – demselben Partner, der bereits das Kaliber TH81-00 der Monaco Split-Seconds Chronograph-Linie mitentwickelt hatte.

Das Konzept der „Compliant Mechanisms“ – monolithische, gelenklose Strukturen, die Kräfte durch elastische Verformung übertragen – ist im Maschinenbau weitverbreitet, in der mechanischen Chronographentechnik bisher aber nahezu unbekannt. Während einzelne Hersteller flexible Elemente für Einstellmechanismen oder Oszillatoren eingesetzt haben, ist die Anwendung auf die komplette Chronographenschaltung eine echte Branchenneuheit. Die Bauteile werden mittels LIGA-Technologie (Lithografie, Galvanik, Abformung) gefertigt – ein Hochpräzisionsverfahren aus der Mikrosystemtechnik, das besonders enge Toleranzen ermöglicht.

TH-Carbonspring: Kohlefaser statt Silizium

Als Oszillator setzt das TH80-00 auf den hauseigenen TH-Carbonspring – eine Kohlefaser-Unruhspirale, deren Entwicklung TAG Heuer nach eigenen Angaben über ein Jahrzehnt in Anspruch nahm und die mit vier Patenten geschützt ist. Die Technologie wurde erstmals im September 2025 anlässlich der Geneva Watch Days in limitierten Monaco- und Carrera-Modellen vorgestellt; der Monaco Evergraph ist nun die erste Serienapplikation in einem vollständig neu konstruierten Werk.

Kohlefaser bietet gegenüber dem häufig eingesetzten Silizium spezifische Vorteile: Das Material ist magnetfest, stoßresistent und durch sein geringes Gewicht theoretisch präzisionssteigernd. Das Kaliber läuft mit 5 Hz (36.000 Halbschwingungen/Stunde), ist COSC-zertifiziert, bietet 70 Stunden Gangreserve und wird mit fünf Jahren Garantie geliefert – TAG Heuer demonstriert also großes Vertrauen in seine bahnbrechende Neuheit.

Die invertierte Werkskonstruktion platziert Federhaus, Räderwerk und Gangregler zur Zifferblattseite hin sichtbar; ein skelettiertee Zifferblatt gibt dem Träger freie Sicht auf das Innenleben. Ergänzt wird das Werk durch ein neu konzipiertes Automatikaufzugssystem und die Schachbrettmuster-Finissage auf der Werkrückseite.

Monaco-Gehäuse: 40 mm Titan, Krone links

Das quadratische Gehäuse aus Grade-5-Titan misst 40 mm und greift die Silhouette des Urmodells von 1969, Referenz 1133, bewusst wieder auf – schmalere, gewölbtere Flanken als bei neueren Monaco-Generationen, kombiniert mit scharfen Kanten, die dem Stück eine fast brutalistisch-architektonische Präsenz geben. Die Krone sitzt traditionell links – ein Monaco-Wiederkennungsmerkmal seit 1969, das sich aus der ursprünglichen Platzierung des Calibre 11 ergibt. Der quadratische Saphirglasboden gibt den Blick auf das quadratische Werk frei, das präzise in das Gehäuse eingepasst ist.

TAG Heuer legt den Evergraph in zwei Ausführungen auf: Naturfarben-Titan mit blauen Akzenten in Anlehnung an die Monaco 1133B, die Steve McQueen 1970 im Film „Le Mans“ trug, sowie in schwarz DLC-beschichtetem Titan mit roten Akzenten als Referenz an die Motorsport-Farbwelt der Marke. Das transparente Zifferblatt erweckt den optischen Eindruck schwebender Anzeigen im Gehäuse – ein Effekt, der bei der skelett-ähnlichen Werksarchitektur konsequent weitergedacht ist.

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