Authentischer und erfindungsreicher Geschäftsmann

Leonhard R. Müller gestorben

Der Gründer von Askania-Uhren starb kurz vor Weihnachten in Pforzheim.

08. Jan. 2026 Ulrich Voß
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Ein Original geht. Leonhard R. Müller ist am 23. Dezember 2025 im Alter von 78 Jahren gestorben. Der „Mann mit der roten Brille“ wird der Branche als authentischer und erfindungsreicher Geschäftsmann fehlen.

Nachdem der gelernte Industriekaufmann 20 Jahre lang die Schweizer Uhrenmarke Revue Thommen auf dem deutschen Markt vertreten hatte, stolperte er über die alte Fliegeruhrenmarke Askania und setzte alles daran, die Marke wiederzubeleben. Gegründet wurde das Unternehmen 1871 von Carl Bamberg als Manufaktur, die Präzisionsgeräte für Marine, Observatorien, Forschung und Expeditionen herstellte. Zahlreiche Erfindungen waren weltweit gefragt, unter anderem Kompasse, Chronometer, Filmkameras, Vermessungsgeräte sowie nautische Instrumente. Zu Spitzenzeiten hatte das Berliner Unternehmen 20.000 Beschäftigte. Seit den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war Askania für Fliegeruhren berühmt. Dann geriet die Marke in Vergessenheit, bis der Pforzheimer Leonhard R. Müller kam und 2003 dem Siemens-Konzern die Markenrechte abkaufte.

Um das notwendige Kapital zur Einrichtung der Fertigung aufzutreiben, kam Müller auf eine unkonventionelle Idee. Er eröffnete seiner Berliner Werbeagentur X-Act, dass er sie nur mit Unternehmensanteilen bezahlen könne. „Zuerst waren wir verdutzt“, erinnert sich X-Act-Geschäftsführer Clemens Heilmann 2011 in einem Interview in der „Wirtschaftswoche“ an diesen Vorschlag. „Doch dann fanden wir Müllers Idee, eine Uhrenmanufaktur für unsere Stadt aufzubauen, prima, und sagten zu.“ Askania wurde zu einer Aktiengesellschaft, bei der auch Kleinanleger mit 5000 Euro einsteigen konnten.

Müllers Uhrenmarke sollte anders, unverwechselbar sein. „Die meisten modernen Marken sehen ziemlich gleich aus. Wir machen nur, was andere Marken nicht machen“, verriet Leonhard R. Müller in einem Interview mit dem „Wirtschaftsforum“. Größten Wert legte er auf Funktionalität und gute Ablesbarkeit. Anthrazitfarbene Zifferblätter mit schwarzen Zeigern werde es bei Askania nicht geben, so Müller. Auch galt das Unternehmen lange Zeit als weltweit einziger Hersteller von Armbanduhren mit einer Garantie von fünf Jahren.

Neben der Uhrmacherei widmete sich Müller der Kultur- und Filmbranche. Traditionell zwei Tage vor der Eröffnung der Berlinale als eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt wird seit 2008 der „Askania Award“ an Künstler verliehen, die sich um den Film verdient gemacht haben. Mit dem Preis soll an die Zeit erinnert werden, in der die bewegten Bilder ihre ersten Gehversuche machten und somit die Filmtradition der ehemaligen Askania Werke AG im Gedächtnis bleiben. Zu den Preisträgern gehören Größen wie Sönke Wortmann, Armin Rohde, Ben Becker, Armin Mueller-Stahl, Hannelore Elsner, Veronica Ferres, Heino Ferch oder Heiner Lauterbach. Sie alle nahmen auf der Bühne eine Askania-Uhr entgegen und tragen seither ein Stück Berliner Geschichte mit sich.

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