Mittelfristige Auswirkungen auf den Silberpreis erwartet

Hoher Silberpreis: Solarindustrie spart Silber ein

Der stark gestiegene Silberpreis erhöht den Kostendruck auf Solarzellenhersteller. Substitution und Materialeinsparung gewinnen deutlich an Dynamik, schreibt Heraeus.

16. Feb. 2026 Christian Lücke
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Der anhaltend hohe Silberpreis sorgt für Bewegung in der Photovoltaikindustrie und bringt potenzielle Auswirkungen auch auf den Edelmetallmarkt insgesamt mit sich, berichtet Heraeus. Nachdem Silber seit Jahresbeginn 2025 um 187 Prozent zugelegt hat und zwischenzeitlich neue Rekordstände erreichte, wächst der (Kosten-) Druck auf Solarzellenhersteller, den Einsatz des Edelmetalls weiter zu reduzieren oder durch Alternativen zu ersetzen. Silberpaste mache demnach inzwischen bis zu 30 Prozent der gesamten Zellkosten aus. Gleichzeitig belasten Überkapazitäten die Preise für Solarzellen und Module und damit die Margen der Produzenten. Die Folge: Materialeffizienz und Substitution rücken erneut in den Fokus strategischer Entscheidungen.

Beim letzten großen Hoch brach die Silbernachfrage aus dem Photovoltaiksektor ein

Ein Blick zurück zeigt Parallelen. Als der Silberpreis 2011 die Marke von 50 US-Dollar je Unze erreichte, sank die Silbernachfrage aus dem Photovoltaiksektor in den folgenden drei Jahren um rund 30 Prozent obwohl sich die Installationen nahezu verdoppelten. Erst 2016 übertraf die PV-bedingte Silbernachfrage wieder das Niveau von 2011, zu einem Zeitpunkt, als sich die jährlichen Installationen gegenüber 2011 beinahe verdreifacht hatten.

Kupfer als Alternative?

Heute stehen laut Heraeus vor allem Kupferlösungen im Zentrum der Diskussion: Zwar gelten kupferbasierte Metallisierungstechnologien technisch als anspruchsvoller, doch treiben die Kostenargumente die Entwicklung voran. Rückkontaktzellen, die zwar nur einen kleinen Marktanteil haben, aber besonders viel Silber benötigen, gelten als vergleichsweise geeignet für alternative Metallisierung, da sich die Kontakte auf der Zellrückseite befinden.

Auch im Massenmarktsegment der TOPCon-Zellen, das laut Heraeus einen Marktanteil von rund zwei Dritteln habe, laufen Bemühungen, den Silberanteil zu reduzieren. Der Hersteller Longi plane noch in diesem Jahr den Umstieg auf kupferbasierte Metallisierung. DK Electronic Materials kündigte an, dass 2026 das erste Jahr einer großskaligen Massenproduktion von hochkupferhaltigen Pastenlösungen markieren werde. Ein TOPCon-Hersteller im Gigawatt-Maßstab plant demnach den Einsatz einer silberbeschichteten Kupferpaste.

Heraeus-Prognose: Silbernachfrage aus dem Photovoltaiksektor dürfte sinken

Für 2026 werden die globalen PV-Installationen mit rund 655 Gigawatt auf dem Niveau von 2025 erwartet. Dennoch dürfte die Silbernachfrage aus dem Photovoltaiksektor sinken. Hintergrund sei eine Verschiebung der Wachstumsdynamik: Während Märkte außerhalb Chinas zulegen, könnten die Installationen in China infolge politischer Veränderungen um bis zu 100 Gigawatt zurückgehen.

Mittelfristige Auswirkungen auf den Silberpreis

Mittelfristig könnte sich damit auch die Struktur der Silbernachfrage verändern. Sollte einer der wichtigsten industriellen Nachfragetreiber der vergangenen zehn Jahre an Bedeutung verlieren, würde der Silberpreis stärker von Investorensentiment und Kapitalströmen abhängen, mit entsprechenden Implikationen für Produzenten, Verarbeiter und den Edelmetallhandel.

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