Watches and Wonders

Genf setzt Rekorde

60.000 Besucher, 66 Aussteller, 900 Millionen Reichweite auf Social Media: Die Watches and Wonders 2026 war nach Zahlen die bedeutendste Ausgabe ihrer Geschichte – und gleichzeitig der Spiegel einer Branche zwischen Hochstimmung und Nüchternheit.

04. Mai 2026 Mathias Menzel
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Vom 14. bis 20. April 2026 verwandelte sich Genf erneut in die Welthauptstadt der mechanischen Uhrmacherei. Knapp 60.000 Besucher, 25.000 Tickets allein für die drei öffentlichen Tage, 1750 Journalisten aus aller Welt, 6000 Fachhändler – und ein digitaler Fußabdruck, der unter dem Hashtag #watchesandwonders2026 rund 900 Millionen Menschen erreichte, ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

66 Marken – ein historisches Teilnehmerfeld

Das Teilnehmerfeld war so groß wie nie. 66 Marken präsentierten in der Palexpo ihre Neuheiten, darunter elf erstmals. Die Rückkehr von Audemars Piguet war dabei die spektakulärste: das Vallée-de-Joux-Schwergewicht mit einem geschätzten Jahresumsatz von rund 2,4 Milliarden Franken hatte Messen jahrelang gemieden und präsentierte zur Feier seines 150-jährigen Jubiläums ein ambitioniertes Lineup aus neuen „Royal Oak“-Varianten in Steinzifferblättern, skelettierten Modellen und dem „Code 11.59 Flying Tourbillon“. Die Rückkehr in den Fachhandel ist damit aber nicht verbunden. Daneben feierten unter anderem Sinn Spezialuhren, der Tischuhrspezialist L’Epée 1839 sowie die Independents Corum, Credor und Favre Leuba ihre Messepremiere. Montblanc dagegen war nach Jahren nicht mehr dabei. Die Zahl der Aussteller hat sich damit in nicht einmal fünf Jahren nahezu verdoppelt – ein Wachstum, das die FHH-Strategie einer offeneren, breiter aufgestellten Messe klar bestätigt.

Die Highlights der Neuvorstellungen

Die Schwergewichte der Branche feierten dieses Jahr runde Jubiläen: Rolex das 100-jährige der „Oyster“, Patek Philippe das 50-jährige der „Nautilus“. Premiere hatten zudem die überarbeitete „Yacht-Master II“ (Rolex), während Patek Philippe unter anderem die erste Grande Complication der „Cubitus“-Linie zeigte. Cartier dagegen hat die „Roadster“-Linie wiederbelebt und zeigte eine neuinterpretierte Santos-Dumont mit Goldmeshband. Technisch überraschte TAG Heuer mit einer völlig neuen Chronographenmechanik bzw.: dem Ersatz eben dieser durch bistabile Bauteile. Vacheron Constantin zeigte mit der „Overseas Cardinal Points” ein GMT-Modell mit visuell neu erfundenem Weltzeit-Display. IWC feierte 20 Jahre Kooperation mit den Saint-Exupéry-Erben mit insgesamt sieben Le-Petit-Prince-Editionen – darunter erstmals ein Portofino-Modell und ein Chronograph aus weißer Keramik.

Der übergeordnete Trend war markenübergreifend klar sichtbar: kompakter, schlanker, lesbarer. Kleinere Gehäusemaße, weniger Maximalismus, mehr handwerkliche Tiefe. Kurz: Die Rückbesinnung auf die Uhrmacherei statt Marketinggeschrei.

Die Stimmung: differenziert

So begeistert die Uhrmacher ihre Produkte präsentierten, so differenziert war die Stimmung in den Gesprächen abseits der Ausstellungsflächen. Die Gespräche vor Ort spiegelten eine zunehmend angespannte Marktlage. Tatsächlich schwächelten die Schweizer Uhrenexporte 2025 spürbar; das Wachstum konzentrierte sich laut Branchenanalysten auf das Ultra-Luxussegment, während Marken im mittleren Preisbereich unter Druck standen. Der Krieg im Nahen Osten macht die Lage in diesem Jahr nicht einfacher. Das Publikum begeistert sich weiter für Haute Horlogerie, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben aber herausfordernder als es die imponierenden Hochglanzfassaden der Palexpo-Stände vermuten lassen.

Der Instagram-Post eines Besuchers bringt die Lage und Stimmung ganz gut auf den Punkt: „Wunder habe ich bisher keine entdeckt, wohl aber eine Menge spannende Menschen getroffen.“ Watches and Wonders ist eben nicht nur eine Neuheitenmesse, sondern zunehmend auch ein Kulturereignis: Mit öffentlichen Tagen, Workshops und Führungen für Familien und jüngere Generationen öffnete sich die Messe bewusst über die Branche hinaus. Dazu beigetragen hat auch ein Rahmenprogramm, das erstmals unter anderem den Montreux Jazz Club als Kulturpartner einschloss – und Prominente wie Patrick Dempsey, Usher, Usain Bolt, Jannik Sinner oder Luis Figo auf die Gästeliste brachte.

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