Viel Uhr fürs Geld und ein klares Bekenntnis zum Fachhandel
„Fühlen uns in einem qualitativen Multibrand-Markenumfeld sehr wohl“
Bild: Mido
Mido ist im Mittelpreissegment positioniert und verkauft Uhren vor allem in der Preisspanne zwischen 1000 und 2000 Euro. Wie schwer wirken sich die gegenwärtigen politischen Unsicherheiten und auch die steigenden Rohstoffpreise auf die Kalkulation und auf die Preisstabilität aus?
Franz Linder: Mido hat eigentlich nicht unter diesen Turbulenzen direkt gelitten. Wir sind im Moment nicht gezwungen, Preise anzupassen. Was natürlich immer schwierig ist für uns – und das war Anfang des Jahres ganz schlimm – ist die Stärke des Schweizer Frankens. Das ist für uns eher das Dilemma, dass durch den starken Schweizer Franken die Preise in Fremdwährungen angepasst werden müssen, weil sie zu niedrig sind. Dieser Umstand war letztes Jahr schon eine Herausforderung und nun im ersten Quartal 2026 erneut. Gegenüber dem Dollar zum Beispiel sind wir natürlich viel schlechter dran im Wechselkurs. Konkret hat der Dollar in einem Jahr fast 10 Prozent gegenüber dem Schweizer Franken verloren. Das sind Herausforderungen und Auswirkungen, die dann auf die empfohlenen Publikumspreise in Fremdwährungen Einfluss haben.
Und welche Märkte laufen denn vielleicht trotz all dem momentan sehr gut?
Der Wechselkurs hat zunächst nichts im eigentlichen Sinne mit den Verkäufen zu tun. Aber die Preisanpassungen, die wir immer mal wieder vornehmen, müssen je nach Kursentwicklung regelmäßiger oder eben weniger oft vorgenommen werden. Wenn wir uns die Marktentwicklung von Mido dieses Jahr anschauen, ist sie insgesamt eigentlich sehr erfreulich – trotz Währungsverlusten.
Was man ganz klar sagen kann: Hervorragend laufen dieses Jahr, wie auch schon im vergangenen Jahr, die sogenannten Amerikas als Absatzmärkte. Wir verfügen in Mexiko, den USA und Kanada über eine Vertriebsstruktur und verzeichnen dort sensationelle Zuwächse. In Lateinamerika läuft das Geschäft ebenfalls sehr gut und in Europa sind wir auch zufrieden, was die Absatzzahlen angeht. Der Markt in Asien ist ein bisschen gemischter. Diverse Märkte zeigen dort eine gute Entwicklung, aber insbesondere China ist nach wie vor herausfordernd.
Kommen wir noch mal in Richtung Deutschland und Österreich. Wie viele Türen haben Sie hier derzeit?
In Deutschland sind es etwas mehr als 200 und in Österreich etwa 20. In dieser Größenordnung sind wir jeweils recht stabil aufgestellt.
Das wäre jetzt die nächste Frage gewesen, ob Sie das eher konsolidieren oder eher noch expandieren möchten?
Ich denke, wir haben sicher noch etwas Platz für zusätzliche Verkaufspunkte, aber die müssen natürlich hinsichtlich Standort und Qualität passen.
Mit Blick auf potenzielle neue Partner: Welche drei guten Gründe sprechen denn für Mido?
Was wir immer mit Stolz hervorheben, ist, dass Mido ein Sortiment anbietet, das in dieser Preislage seinesgleichen sucht. Wenn Sie einen Uhrmacher fragen: Was würde Ihrer Meinung nach diese Uhr kosten? Dann werden Mido-Uhren immer preislich deutlich höher eingeschätzt. Das bestätigt, dass unser Angebot erstens äußerst attraktiv ist.
Zweitens bieten wir ein überschaubares, klares Sortiment. Mido hat eine DNA und eine Kollektionsstruktur, die seit Jahrzehnten gepflegt wird, und die aus vier primären Standbeinen besteht: „Multifort“, „Ocean Star“, „Commander“ und „Baroncelli“. Diese vier Produktlinien weisen je eine eigene DNA auf und decken verschiedene Ansprüche ab: Wer sportliche Uhren sucht, ist beispielsweise bei der Kollektion „Ocean Star“ gut aufgehoben und wer es eher klassisch bevorzugt, ist mit der „Baroncelli“ bestens bedient. So haben wir ein Sortiment für eine relativ breite Kundschaft und auch immer wieder eine Modellfamilie, die aktuell im Trend liegt.
Zudem ist die Investition in die Marke ebenfalls überschaubar. Juweliere müssen keinesfalls Hunderttausende von Euros investieren, um uns als Marke so darstellen zu können, wie wir das von Partnern erwarten. Was darüber hinaus für uns spricht, ist eine gute Lagerdrehung, die starke Performance und der erneut gesteigerte Abverkauf im laufenden Jahr. Kurzum: Mido als Marke wird positiv wahrgenommen und hat ein gutes Momentum.
Daran anknüpfend, welche Modelle oder Linien entwickeln sich gerade stark im Handel und werden besonders nachgefragt?
Seit der Vorstellung damals in Turin 2023 ist die aktuelle „Multifort TV Big Date“ sehr erfolgreich und bei den Endkunden äußerst beliebt, nicht allein in Deutschland, sondern auch weltweit. Sie ist ein Produkt, das völlig den Zeitgeist getroffen und gleichzeitig nicht nur eine eigene Geschichte hat, sondern auch eine starke Identität. Weiterhin gut laufen „Ocean Star“-Modelle und die neue „Multifort 8 One Crown“, vor allem jene Ausführung mit integriertem Metallband. Diese drei Kollektionen beziehungsweise Modelle werden derzeit am meisten nachgefragt.
Und Sie setzen sehr stark auf den Fachhandel, haben zu Jahresbeginn in Hongkong aber eine eigene Boutique eröffnet. In Deutschland gibt es derzeit keine. Wird das auch in Zukunft so bleiben?
Wir betrachten Mido ganz klar als Wholesale-Marke, arbeiten also mit Fachhandelspartnern zusammen. Unsere Ambition ist nicht, den Vertrieb über eine eigene Boutique zu steuern, sondern wir fühlen uns sehr wohl in einem qualitativen Multibrand-Umfeld. Auch deshalb, weil wir eine gewisse Breite in der Distribution brauchen. Es ist keinesfalls unsere Ambition, dass wir das selbst abdecken. Wir haben keine Bestrebungen, insbesondere in Europa, den Vertrieb über Boutiquen zu realisieren. Im Gegenteil: Mit qualitativ guten Retailisten sind wir sehr gerne bereit, Konzessionsgespräche zu führen.
Welche Rolle spielt die Marke innerhalb der Swatch Group, wo gibt es klare Alleinstellungsmerkmale?
Allein durch die Preispositionierung in der Swatch Group-Pyramide ist Mido ganz klar zwischen Longines und Tissot angesiedelt, wobei gegenüber Tissot wie auch Longines die Preisabstände doch relativ substanziell sind. Wir bei Mido haben einen Durchschnittspreis von etwas über 1000 Euro. Wir verfügen über eine gute und auch zugängliche Preislage.
Was die Alleinstellungsmerkmale betrifft, heben wir uns primär durch unsere Kollektionen ab. Diesbezüglich haben wir eine lange Historie und unsere Uhren unterscheiden sich deutlich von unseren Schwestermarken. Hier haben alle drei [Tissot, Mido und Longines; Anm. d. Red.] jeweils ein Alleinstellungsmerkmal. Ich denke, daher ergänzen sich diese drei Marken sicher auch als eine Art Pyramide für den Fachhandel sehr gut.
„Unsere Kollektionen sind unser primäres Alleinstellungsmerkmal und haben eine lange Historie.“Franz Linder, Mido-Präsident
Und welche langfristige Strategie verfolgen Sie, um Mido weiterhin international auch zu stärken?
Die Distributionsstrategie ist eigentlich über alle Märkte hinweg klar definiert und grundsätzlich sehr ähnlich zu dem, wie ich das für Deutschland geschildert habe. Allerdings gibt es ein paar Ausnahmen, wo wir bereits eine Distribution haben, die nicht mehr groß ausgebaut wird. Aber wir haben Ziele gesetzt und insbesondere in Europa sehen wir noch deutliches Wachstumspotenzial. Deshalb haben wir auch entschieden, nun in England und Spanien ebenfalls eine Filialstruktur aufzubauen. Hier sehen wir großes Potenzial.
In Asien ist das hingegen ein bisschen anders strukturiert, weil es dort gewisse Märkte gibt, wie zum Beispiel Thailand oder Südkorea, wo einfach das Warenhausgeschäft den Markt dominiert und dadurch der Vertrieb sehr stark an einige Key Players gekoppelt ist, die dann eben auch Uhren in ihren Portfolios haben.
Wie viele Standorte haben Sie denn in England und Spanien schon und wie viel könnten da noch dazukommen?
Aktuell haben wir in diesen Märkten fast keine Fachhandelspartner, weil wir gerade erst gestartet sind respektive noch starten möchten. In Spanien und in England sehe ich mittelfristig eine Distributionsgröße von rund 100 Verkaufspunkten, wobei die beiden Länder ziemlich verschieden funktionieren: In Spanien helfen uns bei Mido unsere Geschichte und Verbindung zum lateinamerikanischen Markt sowie die vielen Aktivitäten, etwa in den sozialen Netzwerken, dabei, Sichtbarkeit zu generieren. In England planen wir, dass wir die Uhren-Aficionados relativ schnell als Zielgruppe erreichen können.
Und wo wir gerade beim Thema (End-)Kunden sind: Welche Veränderungen im Kaufverhalten haben Sie in den letzten drei, vier Jahren beobachtet?
In den letzten drei, vier Jahren waren diese Veränderungen vielleicht weniger offensichtlich als in diesem Jahr, wo man sieht, dass die Leute zum Teil schon ein bisschen vorsichtiger agieren mit ihren Ausgaben. Das ist allerdings wiederum etwas, das uns zugutekommt. Wer sich eine schöne hochwertige Schweizer Uhr leisten möchte, für den oder die haben wir das im Angebot und zwar zu einem Preis, den sich doch der eine oder andere gerne leistet, um sich selbst eine Freude zu machen. Ich denke, da haben wir im Moment eigentlich sehr gute Karten, weil die Uhrenkäufer ein bisschen bewusster mit den Ausgaben umgehen.
„Wer sich eine schöne hochwertige Schweizer Uhr leisten möchte, für den oder die haben wir das im Angebot und zwar zu einem Preis, den sich doch der eine oder andere gerne leistet, um sich selbst eine Freude zu machen.“Franz Linder, Mido-Präsident
Und welche Trends bei Größen, Materialien oder auch Zifferblatt-Designs beobachten Sie aktuell am Markt und können sich vorstellen, dass sie vielleicht irgendwann auch bei Mido Einzug erhalten?
Beim Thema Größe ist es ja so: Da fragen Sie fünf Leute und Sie erhalten fünf verschiedene Antworten. Letztendlich beurteilen wir das anhand der Verkäufe. Bei Männeruhren erzielen wir die meisten Verkäufe im Bereich von 40 bis 42 Millimetern Gehäusedurchmesser. Natürlich finden auch kleinere Größen Anklang, aber die Mehrheit fragt immer noch diese – ich nenne sie mal klassische Herrengrößen – nach. Bei den Damenuhren sehen wir dagegen gute Erfolge bei relativ kleinen Gehäusegrößen, sprich unter 30 Millimetern.
Hinsichtlich der Zifferblattfarben ist in jeder Kollektion immer Blau mit unter den Bestsellern. Das ist nach wie vor sehr gefragt. Zudem gehen Grün und danach Anthrazit auch immer, da wir insbesondere in Deutschland vor allem sportlichere Modelle verkaufen. Weiße, cremefarbene oder silberne Zifferblätter werden weniger nachgefragt.
Künftige Trends zu prognostizieren ist natürlich ohne Kristallkugel immer etwas schwierig, aber in der Regel entwickeln sich solche Gestaltungsstile nicht sehr schnell in eine andere Richtung. Ein Beispiel: Alle sprachen früher und sprechen heute noch vom Trend zu kleineren Uhren. Wir verkaufen im Herrenbereich aber noch immer in der Spanne von 40 bis 42 Millimeter Durchmesser die meisten Uhren und ich gehe davon aus, dass das in einigen Jahren noch genauso sein wird – weil einfach die Größe gut ans Handgelenk passt.
Und bei den Materialien?
In puncto Materialen sind wir beim Edelmetall nicht vertreten, aber bei Titan schon, insbesondere auch in Deutschland. Generell sind unsere Uhren PVD-beschichtet und kommen beispielsweise ohne 18-karätiges Gold aus. Das ist mit den aktuellen Goldpreisen und unserer eigenen Preispositionierung, die wir beibehalten möchten, nicht möglich.
Gibt es aktuell mehr oder weniger PVD-beschichtete Modelle als früher unter den Verkaufsschlagern?
In den Top 20 der Bestseller bei Mido sind PVD-Beschichtungen nach wie vor sehr gut vertreten. Das gilt auch für den deutschen Markt. Die „Multifort TV Big Date“ mit PVD-Beschichtung in Roségold und braunem Zifferblatt ist beispielsweise ein Highlight und wird derzeit sehr gut angenommen.
Dann zum Abschluss noch ein, zwei persönliche Fragen: Die erste ist natürlich, welche Uhr tragen Sie selbst momentan am liebsten und am häufigsten und vielleicht auch jetzt gerade, wenn es dieselbe ist?
Aktuell trage ich ein noch geheimes Modell, das erst in wenigen Tagen in Seoul offiziell vorgestellt wird und empfinde es als Privileg, diese Uhr schon vorher am Handgelenk zu wissen. Ein sehr spannendes Modell.
Ansonsten trage ich die „Multifort 8 Two Crowns“ mit blauem Zifferblatt und Kautschukband sehr regelmäßig, weil sie so dünn und leicht ist und dadurch im Alltag angenehm zu tragen. Natürlich gefällt mir auch das Zifferblatt. Ich liebe diese Uhr.
Sie persönlich sind seit 2002 als Präsident bei Mido. Nächstes Jahr steht somit das 25. Jubiläum an. Gibt es da schon Pläne und – ich frage jetzt mal mit einem Augenzwinkern – sehen wir eine „Franz Linder Limited Edition“?
(Lacht) Diese Frage wurde mir noch nie gestellt. Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr eine Uhr mit Limitierung lancieren, aber es wird wohl keine „Franz Linder Limited Edition“. Natürlich habe ich das Glück, Einfluss auf die Kollektionen und ihre Designs zu haben. Diesbezüglich kann ich mich seit fast 25 Jahren nicht beklagen. Ich kann mich in einem gewissen Rahmen verwirklichen und habe die verschiedenen DNAs der Kollektionen über diese Zeit mitgeprägt. Über Feierlichkeiten an sich habe ich mir bisher aber noch keine Gedanken gemacht.
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