Platingruppenmetalle werden perspektivisch wohl weniger gefragt

Einfluss auf Platin & Co.: China setzt stärker auf E-Mobilität

China hebt seine Ziele für New Energy Vehicles deutlich an. Das dürfte die Nachfrage nach Platingruppenmetallen im Automobilsektor weiter belasten, schreibt Heraeus.

21. Sep. 2026 Christian Lücke
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China treibt den Umbau seines Automobilmarktes weiter voran. Im 15. Fünfjahresplan für die Automobilindustrie haben die chinesischen Behörden neue Zielmarken für sogenannte New Energy Vehicles (NEV) formuliert. Bis 2030 sollen NEVs einen Anteil von 70 Prozent an den in China verkauften neuen Pkw und von 40 Prozent bei leichten Nutzfahrzeugen erreichen. Für die Edelmetallbranche ist diese Entwicklung relevant: Mit dem steigenden Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge sinkt tendenziell der Bedarf an Platingruppenmetallen (PGM) für Abgaskatalysatoren, urteilt Heraeus.

NEV ist nicht gleich Elektroauto

Dabei setzt China laut Heraeus nicht ausschließlich auf batterieelektrische Fahrzeuge. Unter den Begriff NEV fallen Battery Electric Vehicles (BEV), Plug-in-Hybride (PHEV), Elektrofahrzeuge mit Range Extender (EREV) sowie Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV).

Auch Verbrennungsmotoren bleiben Teil der Technologiestrategie. Das Programm sieht unter anderem technologische Fortschritte bei einer neuen Generation von Verbrennungsmotoren vor, die mit CO₂-armen beziehungsweise CO₂-freien Kraftstoffen betrieben werden. Parallel soll die Brennstoffzellentechnik weiterentwickelt werden.

Die neuen NEV-Ziele erscheinen vor dem Hintergrund der bisherigen Marktentwicklung durchaus erreichbar. Nach Angaben der China Passenger Car Association, auf die sich Heraeus beruft, erreichten NEVs im August einen Anteil von 65,2 Prozent am chinesischen Pkw-Markt. In den ersten acht Monaten des Jahres waren es 56,9 Prozent. Als zusätzlichen Treiber nennen die Analysten von Heraeus die infolge des Nahostkonflikts gestiegenen Kraftstoffpreise.

Wie stark der chinesische NEV-Markt seine früheren politischen Zielsetzungen bereits übertroffen hat, zeigt der Vergleich mit dem 2020 veröffentlichten Vorgängerplan: Dieser sah für 2025 lediglich einen NEV-Anteil von 20 Prozent an den Neuwagenverkäufen vor. Tatsächlich wurden 2025 dem Bericht zufolge 54 Prozent erreicht.

Weniger Nachfrage nach Platingruppenmetallen

Gleichzeitig schwächelt der chinesische Automobilmarkt insgesamt. Bis einschließlich August lagen die inländischen Autoverkäufe laut Heraeus mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, was einem Minus von rund drei Millionen Fahrzeugen entspricht.

Zudem gewinnen reine Batterieautos Marktanteile. Ihr Anteil erhöhte sich von 33,2 Prozent im vergangenen Jahr auf 37,9 Prozent in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres. Im August wurde mit 45,3 Prozent der bislang höchste BEV-Anteil erreicht.

Die Exporte entwickeln sich dagegen dynamisch. In den ersten acht Monaten wurden Heraeus zufolge 6,2 Millionen Fahrzeuge exportiert und damit bereits etwas mehr als im gesamten Jahr 2025. Für das Gesamtjahr wird mit mehr als zehn Millionen Exportfahrzeugen gerechnet.

Trotz des Exportwachstums dürfte die gesamte chinesische Fahrzeugproduktion der Analyse zufolge im laufenden Jahr um mehr als eine Million Einheiten zurückgehen. Zusammen mit dem wachsenden BEV-Anteil hat dies Folgen für den Edelmetallbedarf: Die PGM-Nachfrage der chinesischen Automobilindustrie wird für dieses Jahr mit einem Rückgang um neun Prozent auf weniger als zwei Millionen Unzen prognostiziert.

Hybride und Plug-in-Hybride könnten die Nachfrage nach Platingruppenmetallen weiterhin stützen, da sie im Gegensatz zu reinen Elektrofahrzeugen Verbrennungsmotoren besitzen und entsprechend eine Abgasnachbehandlung benötigen. Kurzfristig sieht die Analyse von Heraeus für die automobile PGM-Nachfrage in China dennoch einen Abwärtstrend.

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