Niessing

Ein leiser Klassiker tanzt weiter

Manchmal sind es die stillen Ideen, die eine ganze Branche verändern. Als Niessing 1986 die „Niessing Schnur“ vorstellte, stellte sie eine scheinbar einfache Frage: Wie kann ein Anhänger wirken, wenn nichts von ihm ablenkt? Die Antwort war revolutionär – eine Kette ohne sichtbare Öse, auf der der Anhänger frei auf der Schnur zu schweben scheint.

05. Apr. 2026 Axel Henselder
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Niessing Schnur „Welle“ mit verschiedenen Anhängern

Vierzig Jahre später gilt die „Niessing Schnur“ als Ikone des modernen Halsschmucks. Ihr minimalistisches Design folgt konsequent dem Bauhaus-Prinzip „Form follows Function“: eine klare Linie aus fein gewickeltem Golddraht, die sich sanft um den Hals legt und den Anhänger in den Mittelpunkt stellt. „Die Schnur ist eigentlich ein stilles Schmuckstück“, sagt Niessing-Chefdesignerin Nina Friesleben-Laue. „Sie tritt visuell zurück und bringt den Anhänger zum Strahlen.“

Einfach, vielseitig und nachhaltig

Was heute selbstverständlich erscheint, war zur Zeit ihrer Entstehung eine kleine Revolution. Statt einer klassischen Kette mit fest montiertem Anhänger entstand ein flexibles System. Kunden können ihre Schnur mit unterschiedlichen Anhängern kombinieren, mehrere Anhänger nebeneinander tragen oder die Schnur ganz pur wirken lassen. Diese Offenheit macht sie bis heute zu einem persönlichen Begleiter – und zu einem überraschend zeitgemäßen Schmuckstück. „Ich habe immer das gleiche Trägerelement und kann es immer wieder neu interpretieren“, erklärt Friesleben-Laue. „Das ist eigentlich ein sehr nachhaltiger Gedanke.“

Chefdesignerin Nina Friesleben-Laue liebt die Einfachheit und Vielseitigkeit der Niessing Schnur

Aufwendige Manufakturarbeit

Hinter der scheinbaren Einfachheit steckt aufwendige Manufakturarbeit. Im Inneren der Schnur befindet sich ein Nylonkern – eine Idee, die ursprünglich aus der Welt des Tennissports stammt. Um ihn wird in Vreden ein extrem feiner Golddraht von Hand gewickelt. Bis eine Schnur entsteht, durchläuft das Gold zahlreiche Schritte vom Barren bis zum hauchdünnen Draht. Allein das Wickeln dauert rund anderthalb Tage. Die Maschine dafür wurde einst eigens in der Manufaktur entwickelt – und ist bis heute im Einsatz.

Zum 40-jährigen Jubiläum interpretiert Niessing den Klassiker neu. Mit der „Niessing Schnur Welle“ führt das Designteam eine Variante ein, die das bekannte Prinzip weiterdenkt. Ausgangspunkt bleibt die ursprüngliche Schnur – doch sie wird ein weiteres Mal um sich selbst gedreht. „Wir haben die Schnur tanzen lassen“, beschreibt Friesleben-Laue die Idee. Durch die zusätzliche Drehung entsteht eine sanfte Bewegung im Material, eine rhythmische Linie, die dem Schmuckstück eine neue Dynamik verleiht.

Inspiriert wurde diese spielerische Weiterentwicklung von der experimentellen Haltung der frühen Niessing-Designer – und von der Bauhaus-Tradition, Funktion und Form immer wieder neu zu denken. Die „Schnur Welle“ bewahrt daher die technische Basis des Originals, wirkt aber zugleich überraschend futuristisch. Ihre bewegte Form eröffnet neue Möglichkeiten in der Kombination mit klar gestalteten Anhängern wie „Amatis“, „Topia“, „Topia Vision“ oder „Vivida“.

Fazit

So zeigt sich zum Jubiläum, was die „Niessing Schnur“ seit vier Jahrzehnten ausmacht: ein Design, das sich nicht aufdrängt, sondern Raum schafft – für Ideen, für persönliche Kombinationen und für den Anhänger selbst. Ein leiser Klassiker, der sich immer wieder neu erfindet.

Niessing Armband „Colette“

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