Inszenierung | Heikaus
Design und Funktion
Entscheidend bei guten Ladenbauprojekten ist eine Inszenierung, die der Markenidentität folgt, sagt Detlef Becker, Innenarchitekt und Geschäftsführer der Heikaus Design Studio im Teil 2 unserer Serie. Future-Book, Teil 2
Wer umbaut, braucht Visionen, sagt Detlef Becker. Bei allen Projekten stehen für ihn deswegen zunächst intensive Gespräche mit den Kunden im Zentrum. Worum es geht? Finde den persönlichen Stil und die Richtung, in die es gehen soll. Entscheidend ist dabei, dass man authentisch und individuell bleibt, sagt Becker. Das Gute aus Design-Sicht: „Design follows function“. Sprich: Gutes Design verlangt keine Abstriche oder Kompromisse in der Nutzung. Mehr noch – gutes Design wird die Funktionalität insgesamt erhöhen.
Im Fall des Juweliers bedeutet dies, dass nur perfekt präsentierte Ware den Konsumenten animiert. Klingt einfach, umfasst allerdings viele verschiedene Faktoren. Eine übersichtliche und entsprechend wertige Präsentation kann nur entstehen, wenn die Warenmenge stimmt und sich das Auge nicht in einem wilden Warenbild verliert, beispielsweise abgelenkt von Marken- oder Preisschildern. Grundvoraussetzung hierfür ist eine einheitliche und durchgehende Designsprache, die nicht beim Ladengeschäft aufhört, sondern sich konsequent auf Logo, Homepage und allen Werbeformen fortsetzt.
„Der Kunde möchte nicht nur Exklusives kaufen, sondern auch ein hochkarätiges Einkaufserlebnis genießen.“Detlef Becker, Heikaus Design Studio
Ein weiterer speziell für den Juwelier und Goldschmied entscheidender Punkt ist die perfekte Beleuchtung. Nur sie lässt die Ware leuchten und funkeln – und zwar an allen Orten, an denen das Produkt vom Kunden gesehen wird, also im Schaufenster, in den Vitrinen und während der Beratungssituation. Wobei es bei Letzterem eine Auswahl braucht. Nicht jeder Kunde fühlt sich im gleichen Umfeld wohl. Deswegen der Tipp, verschiedene Beratungsformen zu schaffen. Ziel sollte sein, dem Kunden verschiedene Optionen anzubieten, unter denen er selbst entscheiden kann. Für eine schnelle Beratung eignet sich der Stehtisch, für eine ausführlichere Beratung eher der gemütliche Sitzplatz. Und auch der Espresso an der Bar schafft Kundenbindung, verlängert die Verweildauer und kann dazu dienen, dem Kunden Neuigkeiten zu zeigen und sein Interesse zu wecken.
Da der Juwelier im Unterschied zu anderen Branchen nur selten Bedarfsartikel verkauft, ist es umso entscheidender, Lust und Wünsche zu wecken. Der Kunde muss über die Präsentation und Atmosphäre in Stimmung versetzt werden, weiß Becker. Denn der Kunde möchte nicht nur Exklusives kaufen, sondern auch Exklusivität und ein hochkarätiges Einkaufserlebnis genießen. Die entsprechende Innenarchitektur ist hierbei nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern schlicht das Mittel zum Zweck.
Tipps zum perfekten Ladenbau-Design
- Der Gesamteindruck soll dem persönlichen Stil des Einzelhändlers folgen. Richtig ist es, wenn das Ergebnis authentisch und individuell ist.
- „Design follows function“ gibt es auch in der Innenarchitektur. Das Gute daran: Gutes Design verlangt keine Kompromisse in der Nutzung. Im Idealfall erhöht Design die Funktionalität.
- Schaffen Sie verschiedene Beratungsformen. Nicht jeder Kunde will sich gleich hinsetzen.
- Nur perfekt präsentierte Ware animiert den Konsumenten. Die Warenmenge sollte klein sein, damit das Auge geführt wird – und nicht abgelenkt, beispielsweise von Marken- oder Preisschildern.
- Designsprache hört nicht bei der Innenarchitektur auf, sondern umfasst alle Kontaktpunkte, also auch Logo, Homepage, Social Media und alle weiteren Werbeformen.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.