Recycling | Analyse

Der zweite Goldrausch

Rekordpreise bei Gold und Silber, geopolitische Krisen und eine starke Investmentnachfrage prägen die Edelmetallmärkte. Für die Schmuckbranche bedeutet das Herausforderungen, während das Recyclinggeschäft von der Entwicklung profitiert wie selten zuvor.

01. Juli 2026 Axel Henselder
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Die Edelmetallbranche blickt auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Gold erreichte 2025 und auch im ersten Quartal 2026 zahlreiche neue Höchststände, Silber legte sogar noch stärker zu. Gleichzeitig sorgten geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und volatile Rohstoffmärkte für Unsicherheit. Dennoch zeigt sich die Branche insgesamt robust – insbesondere dort, wo Recycling und Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle spielen. „Die Weltwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch“, sagt York Alexander Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle. Die Branche stehe unter dem Einfluss geopolitischer Krisen, unsicherer Lieferketten und steigender Kosten. Gleichzeitig entstehe eine paradoxe Situation: „Steigende Recyclingmengen treffen auf Engpässe in der physischen Verfügbarkeit, da hohe Preise die Vorratshaltung erschweren.“

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen im Schmucksektor. Die weltweit gestiegenen Goldpreise führten 2025 zu einem Rückgang der Schmucknachfrage um 18 Prozent, in Deutschland brach sie um 11 Prozent ein. Auch im ersten Quartal 2026 sank sie laut World Gold Council (WGC) um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Thomas Weiß, Geschäftsführer von Heimerle + Meule, berichtet von rückläufigen Absätzen bei 750-Legierungen sowie bei den in Europa verbreiteten 333- und 585-Legierungen. Für 2026 erwartet die Branche aufgrund des weiterhin hohen Preisniveaus keine grundlegende Trendwende. Gleichzeitig bleibt Gold als Wertanlage gefragt. Die Nachfrage nach Barren und Münzen stieg in Deutschland deutlich an. Weltweit verzeichnete der Markt auch im ersten Quartal 2026 eine starke Investmentnachfrage. Laut WGC legten insbesondere Käufe von Barren und Münzen kräftig zu, während Zentralbanken ihre Goldreserven weiter ausbauten. Die Nachfrage nach Gold für technologische Anwendungen stieg ebenfalls – nicht zuletzt durch den Ausbau von KI-Infrastrukturen.

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