Bewahrer eines Erbes

Nachruf auf Karl-Dieter Braun

Mit Karl-Dieter Braun verliert die Jakob Bengel-Stiftung ihren Mitbegründer und einen engagierten Bewahrer der Idar-Obersteiner Industrie- und Schmuckgeschichte. Er starb am 16. Juni nach langer, schwerer Krankheit.

17. Aug. 2026 Christian Lücke
Kommentare (0)

Karl-Dieter Braun hat die Jakob Bengel-Stiftung nicht nur mit ins Leben gerufen. Er gehörte zu jenen Persönlichkeiten, die früh erkannten, welchen Wert das industrielle Erbe Idar-Obersteins für die Identität und Zukunft der Stadt besitzt. Gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Christel, die 2023 verstarb, gründete er im Jahr 2001 die Jakob Bengel-Stiftung. Bis seine Kräfte nachließen, begleitete er deren Arbeit als Vorstandsmitglied mit großem Engagement und einer stets positiven Haltung.

Geboren wurde Karl-Dieter Braun am 10. August 1941 in Steele, dem heutigen Essen-Steele. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst absolvierte er ein Diplomstudium der Vermessungskunde an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges entschied er sich anschließend für eine berufliche Laufbahn bei der Bundeswehr. Sie führte ihn schließlich nach Idar-Oberstein und damit in eine Stadt, die für ihn weit mehr als eine berufliche Station werden sollte.

Hier lernte er Christel Hartenberger kennen, seine spätere erste Ehefrau. Zugleich entwickelte er eine enge Verbundenheit mit seiner neuen Heimatstadt. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand als Oberstleutnant engagierte sich Braun nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in mehreren leitenden Funktionen in Vermessungsbüros in den neuen Bundesländern und wirkte damit am Aufbau Ost mit.

Ab 1999 konzentrierte er sich auf seine Familie und auf ein Vorhaben, das sein späteres Wirken entscheidend prägen sollte: die Vorbereitung der Jakob Bengel-Stiftung gemeinsam mit seiner Frau Christel. Dabei erwies er sich als kenntnisreicher Vermittler und überzeugender Botschafter für den Erhalt der historischen Schmuckwarenfabrik Jakob Bengel.

„In der Historie der Jakob Bengel-Stiftung wird Karl-Dieter Braun einen bleibenden Platz einnehmen.“
Peter Wenzel, Vorstandsvorsitzender und ehrenamtlicher Leiter des Industriedenkmals

Eigene Begeisterung auf Führungen weitergegeben

In zahlreichen Führungen durch die Fabrik verstand Braun es, nicht allein die Geschichte des Unternehmens und seiner Erzeugnisse zu vermitteln, sondern machte deutlich, warum der Erhalt eines solchen Ortes über die Bewahrung historischer Maschinen und Gebäude hinausgeht.

Gerade in einer Zeit, in der der Strukturwandel die Innenstädte vor neue Herausforderungen stellte, setzte sich Braun dafür ein, Industriegeschichte als Teil lebendiger Stadtkultur zu begreifen. Die historische Fabrik Jakob Bengel wurde damit nicht nur zum Zeugnis einer bedeutenden Epoche der Idar-Obersteiner Schmuckproduktion, sondern auch zu einem Ort, an dem handwerkliches und industrielles Wissen für kommende Generationen erhalten bleibt.

Sein Wirken hat über seinen Tod hinaus Bedeutung

Karl-Dieter Braun hinterlässt ein Vermächtnis, das in Idar-Oberstein sichtbar bleibt. Die Jakob Bengel-Stiftung und der von ihr bewahrte historische Ort sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Sein Einsatz hat dazu beigetragen, ein wichtiges Kapitel deutscher Schmuck- und Industriegeschichte vor dem Vergessen zu bewahren.

Keine Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare zu sehen oder zu verfassen.

Lesen Sie weiter mit

Sie sind noch nicht registriert?

Jetzt GZ+ testen

1 Monat kostenlos
Danach 9€/Monat


Sie sind Abonnent der GZ?

Jetzt kostenlos registrieren

Für Abonnenten der GZ-
Druckausgabe kostenlos

Sie sind bereits registriert?

Für registrierte Nutzer