Defizit bleibt bestehen

Platin weiterhin knapp

Geopolitische Spannungen, schwächere Fördermengen und steigende Nachfrage haben den Platinmarkt 2025 geprägt. Auch 2026 bleibt das Edelmetall knapp, bilanziert Heraeus.

20. Mai 2026 Christian Lücke
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Der globale Platinmarkt bleibt angespannt: Nach einem Defizit von 645.000 Unzen im Jahr 2025 wird auch für 2026 ein Angebotsdefizit erwartet – wenn auch auf niedrigerem Niveau von rund 250.000 Unzen. Verantwortlich dafür sind vor allem rückläufige Fördermengen in Südafrika und Nordamerika sowie anhaltend hohe industrielle Nachfrage.

Angebotsdefizit wirkt sich auf Preis aus

Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung laut Heraeus im vergangenen Jahr beim Preis: Platin verteuerte sich zeitweise auf ein Rekordhoch von 2.473 US-Dollar je Unze und beendete das Jahr bei 2.043 US-Dollar, mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Marktbeobachter führen dies neben strukturellen Angebotsengpässen auch auf veränderte Handelsströme und eine geringere Liquidität an den traditionellen Handelsplätzen zurück.

Geopolitik treibt Preis ebenfalls

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist die geopolitische Lage im Nahen Osten. Die anhaltende Schließung der Straße von Hormus beeinträchtigt derzeit wesentliche globale Lieferketten für Energie und Rohstoffe. Die Unsicherheit könnte nach Einschätzung von Analysten mittelfristig auch die Nachfrage nach Platingruppenmetallen (PGM) beeinflussen, insbesondere in der Automobilindustrie.

Gesamtnachfrage stabil

Trotz rückläufiger Fahrzeugproduktion blieb die Gesamtnachfrage nach Platin 2025 robust. Vor allem die Schmuckindustrie in China sorgte für steigende Importe und Lageraufbau. Auch industrielle Anwendungen entwickelten sich positiv und kompensierten die schwächere Nachfrage aus dem Automobilsektor.

Förderungsminus unter anderem in Afrika

Auf der Angebotsseite bleibt Südafrika mit Abstand wichtigster Produzent. Dort sank die Förderung 2025 um 3,3 Prozent auf 3,82 Millionen Unzen. Gründe waren unter anderem wetterbedingte Produktionsausfälle. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang erwartet. Auch Russland dürfte weniger liefern, während Recyclingmengen leicht steigen, prognostiziert Heraeus.

Ausblick

Die weltweite Platinnachfrage soll 2026 dennoch zurückgehen. Neben der schwächeren Konjunktur belasten hohe Energiepreise und geopolitische Risiken die Aussichten. Gleichzeitig bleibt Platin für viele Industrien ein strategisch wichtiger Rohstoff – nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung für Katalysatoren, Wasserstofftechnologien und, last but not least, natürlich Schmuck.

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