Gerald Charles

Ewiger Kalender im asymmetrischen Gehäuse

Der Masterlink Perpetual Calendar von Gerald Charles kombiniert einen vollständig inhouse entwickelten Ewigen Kalender mit der asymmetrischen Formensprache der Masterlink-Kollektion.

14. Apr. 2026 Mathias Menzel
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Der Masterlink Perpetual Calendar ist einmal mehr ein Beweis, dass Gerald Charles die Ambitionen seines Gründers Gérald Charles Genta hochhält. Für eine Marke, die erst seit gut einem Jahrzehnt in der aktuellen Form operiert, ist ein vollständig inhouse entwickelter Ewiger Kalender eine außergewöhnliche Leistung. Zumal das Werk in einem asymmetrischen Gehäuse Platz finden musste.

Bei diesem Zeitmesser verschmelzen Form und Funktion: Anders als bei den meisten Formuhren, bei denen ein rundes Standardwerk in ein unregelmäßiges Gehäuse eingefügt und die tote Fläche hinter einer runden Sichtbodenscheibe versteckt wird, wurden bei diesem Modell das Werk (GCA11000) und das Gehäuse perfekt aufeinander abgestimmt. Das Ergebnis ist ein Kaliber, das die asymmetrische Gehäusegeometrie exakt nachzeichnet: Hauptplatine und Brücken sind in ihrer Anordnung auf die Form der Uhr ausgerichtet, was im Sichtboden eine vollständige, spannungsfreie Ansicht der Mechanik ohne tote Winkel ermöglicht.

Das GCA11000 ist ein Automatikkaliber mit versetzt angeordnetem Goldmikrorotor, 306 Komponenten, 29 Rubinen, 3 Hz Frequenz und 50 Stunden Gangreserve. Die Finissage des Werks ist ein Programm für sich: Côtes de Genève auf der ersten Ebene, Perlage auf der zweiten, von Hand ausgeführte Anglage auf den Brücken – und auf der Rückseite eine kartografische Hommage an Genf: Gerade Genfer Streifen für das Straßennetz, geschwungene für den Lac Léman, ein Spalt zwischen den Komponenten als Rhône-Kontur, ein schwarzer Rubin für das Atelier auf der Rue du Mont-Blanc.

Ewiger Kalender: drei Zähler, lesbar ohne Hilfsmittel

Gerald Charles nutzt die geometrische Besonderheit des Masterlink-Gehäuses – die charakteristische konkave Einbuchtung bei 6 Uhr, intern „das Lächeln“ genannt – als besonderen Platz für einen übergroßen, dreifachen Zählerkomplex. Die drei nicht-konzentrischen Kreiszähler zeigen Tag, Datum (Großdatum), Monat, Schaltjahr und Mondphase – übersichtlich auf Anhieb ablesbar. Das Werk ist mechanisch für über 100 Jahre programmiert, ohne manuelle Korrektur zu benötigen.

Besonders aufwendig ist der Mondphasenindikator: Konventionelle Mondphasenmechanismen verwenden ein Rad mit 59 Zähnen, das sich zweimal täglich einen Schritt vorwärtsbewegt. Das GCA11000 nutzt ein Rad mit 135 Zähnen, das mehr als viermal täglich einen winzigen Schritt ausführt – die Bewegung des Mondscheibchens erscheint dem Auge nahezu kontinuierlich. Der zugehörige Hebel, dünner als ein menschliches Haar, ist aus Stahl CNC-gefräst statt gestanzt – präziser, aber erheblich aufwändiger in der Herstellung. Das Mondscheibchen selbst ist ein gewölbter, laserstrukturierter Mond über einer lackierten blauen Nachtscheibe.

Zwei Ausführungen, eine neue Oberflächentechnik

Zum Launch sind zwei Zifferblatt-Varianten erhältlich: Die erste zeigt ein zweistufiges Fumé-Zifferblatt in geräuchertem Ruthenium mit einem vertikalen „Grill“-Ausschnittmuster, das zur Gehäusemitte hin aufhellt. Die zweite bietet ein durchbrochenes Saphir-Zifferblatt, unter dem eine hauchdünne Kristallscheibe die Stundenindizes hält und den Blick auf das vollständig sichtbare Werk freigibt – tönungsstarke Rauchzonen hinter Kalenderanzeigen und Minutenring sorgen dabei für Lesbarkeit trotz Transparenz.

Beide Varianten tragen an Lünette und zentralem Armband-Mittelglied die neue Oberflächentechnik „Darkblast“: eine Weiterentwicklung des Sandstrahlens, deren genaues Verfahren als Betriebsgeheimnis geschützt ist und die eine samtige, nahezu gummiartige Haptik bei gleichzeitig enorm gesteigerter Kratzresistenz erzeugt. Das 40-x-40-mm-Gehäuse aus Grade-5-Titan mit drei verschiedenen Oberflächenbearbeitungen – Darkblast, satiniert, poliert – wiegt inklusive Armband nur 97 Gramm. Die Wasserdichtheit beträgt 100 Meter, realisiert durch patentierte asymmetrische Dichtungen, die nach eigenen Angaben zuvor in der Uhrmacherei noch nicht verwendet wurden.

Das Erbe von Gérald Charles Genta

Gerald Charles ist eine der ungewöhnlicheren Marken der Schweizer Independent-Szene: Der Namensgeber – dem die Welt den Audemars Piguet Royal Oak und die Patek Philippe Nautilus verdankt – gründete das Unternehmen im Jahr 2000 als sein letztes eigenständiges Projekt. Nach seinem Tod 2011 übernahm die Familie Ziviani die Führung und baute das Portfolio systematisch aus: zunächst mit der Maestro-Kollektion, 2024 dann mit der Masterlink als Sportuhrenlinie.

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