Zwischen starkem Dollar und Zinssenkungen
Goldpreis in Konsolidierung
Bild: Shutterstock AI Generator
Der Goldpreis befindet sich nach seinem Rekordstand Ende Dezember in einer Phase der Konsolidierung, berichtet Heraeus und führt an: Marktbeobachter sehen kurzfristig Gegenwind durch die Stärke des US-Dollars. Der Dollar-Index ist über die Marke von 97 Punkten gestiegen. In den vergangenen sechs Monaten erwies sich die Schwelle von 100 Punkten mehrfach als Widerstand. Dieses Niveau rücke nun erneut in Reichweite. Ein fester Dollar verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums und wirkt daher tendenziell preisbelastend.
Prognose: Zinssenkungen in Richtung Sommer
Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Geldpolitik der US-Notenbank. Aus den zuletzt veröffentlichten Protokollen der Januar-Sitzung geht hervor, dass der Markt im weiteren Jahresverlauf weiterhin mit Zinssenkungen rechnet. Für die kommenden beiden Sitzungen wird jedoch zunächst mit unveränderten Leitzinsen kalkuliert; eine erste Senkung gelte aktuell im Juni als wahrscheinlichstes Szenario, prognostiziert Heraeus. Bis zur Dezember-Sitzung werden sogar drei oder mehr Zinsschritte nach unten als das wahrscheinlichste Gesamtbild gehandelt. Sinkende Zinsen gelten traditionell als unterstützender Faktor für Gold, da das zinslose Edelmetall im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen an Attraktivität gewinnt.
Dynamik durch die Angebotsseite
Während die Preisentwicklung kurzfristig von makroökonomischen Faktoren geprägt wird, sorgt die Angebotsseite für zusätzliche Dynamik: Ghana hat seine Goldproduktion im Jahr 2025 deutlich gesteigert. Mit geschätzten 187 Tonnen festigt das westafrikanische Land seine Position als größter Goldproduzent Afrikas. Das Produktionsniveau könnte sogar ausreichen, um die USA zu überholen und Ghana weltweit auf Rang fünf vorzuschieben.
Der Anstieg ist vor allem auf eine stark gewachsene Förderung im kleinindustriellen und handwerklichen Sektor zurückzuführen, während die Produktion der großen Minen weitgehend stabil blieb. Neue Projekte, darunter Newmonts Ahafo-North-Mine, kompensierten rückläufige Erzgehalte in bestehenden Betrieben. Der hohe Goldpreis wirkt dabei als klarer Produktionsanreiz. Gleichzeitig versuchen Regierungen, stärker von den gestiegenen Erlösen zu profitieren. In Ghana wird derzeit eine Reform der Lizenzabgaben diskutiert: Statt einer pauschalen Abgabe könnte künftig ein variables Modell mit Sätzen zwischen fünf und zwölf Prozent, abhängig vom Goldpreis, gelten. Große Minenbetreiber reagieren zurückhaltend auf diese Pläne. Um die Belastung abzumildern, stellte der Finanzminister, Dr. Cassiel Ato Baah Forson, eine Senkung einer anderen Bergbauabgabe um zwei Prozentpunkte in Aussicht.
Kurzfristig stärkt das höhere Abgabenaufkommen die Staatsfinanzen. Langfristig birgt eine zu hohe fiskalische Belastung jedoch Risiken: Sinkende Investitionsanreize könnten mittelfristig die Produktion dämpfen – und damit auch die staatlichen Einnahmen schmälern. Für die Goldbranche bleibt das Spannungsfeld zwischen Preisniveau, Förderausweitung und regulatorischem Umfeld somit ein zentraler Faktor im weiteren Jahresverlauf.
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