Alexander Schmidt im Interview

„Der Handel muss 2026 rocken – mindestens ohne Verlust“

Alexander Schmidt anlässlich der Inhorgenta 2026 über knallharte Realitäten, emotionale Kundenbindung und warum jetzt Mut wichtiger ist als Rabatt-Schlachten.

11. Feb. 2026 Axel Henselder
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INHORGENTA: A2, 218

Die Lage im stationären Handel ist angespannt wie lange nicht. Steigende Preise, schwache Frequenzen, verunsicherte Kunden. Alexander Schmidt begleitet seit Jahren Juweliere und Fachhändler in genau diesen Situationen – bei Räumungsverkäufen, Übergaben, Umbauten oder Neupositionierungen. Im Interview spricht er Klartext über 2026, erklärt, warum Service wichtiger ist als je zuvor und weshalb selbst schwierige Zeiten Chancen bieten.

GZ: Herr Schmidt, vor welchen Herausforderungen steht der Handel 2026?


Alexander Schmidt: Machen wir uns nichts vor: Einfacher wird es nicht. Die Welt ist nicht im Freudentaumel, Deutschland und Österreich schon gar nicht. Es klemmt an allen Ecken. Viele Innenstädte veröden, der unabhängige Fachhandel verschwindet. Die größte Herausforderung wird sein, das Jahr überhaupt mit Gewinn zu beenden – oder wenigstens ohne Verlust. Das allein ist für viele schon ein Erfolg.

Werden angesichts der mauen Konjunktur weitere Geschäfte aufgeben müssen?

Ja, das wird wohl so kommen. Und vermutlich mehr als je zuvor. Es gibt weniger Nachfrage, weniger Nachfolger und kaum Luft für Fehler.

Hohe Goldpreise, schwache Frequenzen – was können Ladeninhaber konkret tun?

Der Goldpreis ist nicht nur ein Problem im Verkauf, sondern schon in der Herstellung. Deshalb sehen wir Gewichtseinsparungen, 585 statt 750 Gold, LAB-grown Diamonds als Alternative etc. Das betrifft alle – auch den High-End-Bereich. Entscheidend wird aber etwas anderes: Persönlichkeit, Service, Ambiente und echte Aufmerksamkeit. Der Kunde will umgarnt werden. Er will spüren, dass er willkommen ist. Wenn ein Kunde den Laden verlässt, sollte er innerlich „Danke“ sagen – für die Zeit, für das Erlebnis. Dann kommt er wieder. Egal ob High End oder Mittelklasse: Dieses Gefühl entscheidet.

Welche Strategien raten Sie dem Fachhandel?

Es gibt viele Stellschrauben. Werbung auf mehreren Kanälen ist wirksam, aber teuer. Wer kreativ ist, kann mit Guerilla-Marketing enorm viel bewegen – oft mit wenig Budget und großer Wirkung. Eine saubere Kalkulation ist essenziell. Gute Margen kompensieren vieles, gerade mit den richtigen Lieferanten. Der Onlineshop kann die Zielgruppe stark vergrößern, ist aber kein Selbstläufer – auch hier braucht es Investitionen.
Und ganz klar: Goldankauf ist heute Pflicht. Am besten funktioniert die Kombination aus allem – nicht entweder oder.

Was unterscheidet Ihre Konzepte beim Räumungsverkauf von anderen?

Wir haben als Erste das System der kleinsten Rabatte entwickelt und sind darin bis heute führend. Meine Mitarbeiter sind ehemalige Ladeninhaber, sie kennen die Realität – und stehen zu 100 Prozent hinter dem Konzept. Ein weiterer Vorteil: Meine Frau führt die Werbeagentur. Dadurch gibt es keinen Zeitverlust, keine Umwege. Entscheidungen werden sofort getroffen, Kampagnen können in Sekunden angepasst werden. Das ist für unsere Kunden Gold wert.

Warum lohnt sich der Besuch der Inhorgenta gerade jetzt?

Wegen des direkten Austauschs. Mit Kollegen, mit Herstellern. Man nimmt positive Impulse mit, sieht Neuheiten im echten Umfeld – nicht nur als Anzeige. Gerade in schwierigen Zeiten ist das unglaublich wichtig.

Wer sollte Sie auf der Inhorgenta unbedingt besuchen?

Jeder Inhaber, der sein Geschäft erfolgreich und vertrauensvoll schließen oder übergeben möchte. Jeder, der umbauen, jubilieren oder sich neu aufstellen will.
Und natürlich alle, die mich einfach kennenlernen wollen.

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